Wegen Raubüberfällen, bei denen etwa 2,7 Mio. Euro erbeutet wurden, ist die mutmaßliche ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt worden. Doch wie geht es jetzt weiter?
Die Staatsanwältin nannte die 67 Jahre alte Angeklagte eine "Schwerverbrecherin" und forderte eine Haftstrafe von 15 Jahren gegen Daniela Klette. Das Landgericht Verden in Niedersachsen hat die mutmaßliche ehemalige RAF-Terroristin wegen bewaffneter Überfälle auf Geldtransporter und Supermärkte zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt. Eine Reithalle in Verden war extra für den Prozess zu einem Gerichtssaal umfunktioniert worden.
Bei den Raubüberfällen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wurden mehr als 2,7 Millionen Euro erbeutet. Damit sollen die ehemaligen Terroristen der Rote-Armee-Fraktion (RAF) ihr Leben im Untergrund finanziert haben. In Daniela Klettes Wohnung wurden 240.000 Euro in bar gefunden.
Zur Last gelegt wurden Klette auch versuchter schwerer Raub, Verstöße gegen Waffengesetze und erpresserischer Menschenraub. Ihre mutmaßliche Zugehörigkeit zur Terrorgruppe RAF habe in diesem Verfahren keine Rolle gespielt, wie der Richter mehrfach erklärte.
Mutmaßliche Mitstreiter sind bis heute nicht gefasst
Die beiden Mittäter Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, die wie Daniela Klette der RAF angehört haben sollen, sind bis heute nicht gefasst. Garweg soll sich sogar zweimal aus dem Untergrund gemeldet haben - auch um seine Solidarität mit Daniela Klette zu bekunden. Anfang März hatte eine linke Zeitung einen Brief des Gesuchten veröffentlicht, in dem der 57-Jährige die Freilassung der jetzt Verurteilten forderte.
Auch im Gerichtssaal in Verden forderten ihre angereisten Anhängerinnen und Anhänger lautstark "Freiheit für Daniela", wie der NDR berichtet. Auf Plakaten mit dem RAF-Emblem bekundeten etwa 30 Personen zudem vor dem Gebäude in Verden-Eitze ihre Solidarität.
Klette war 2024 in Berlin verhaftet worden
Nach mehr als 30 Jahren auf der Flucht war Daniela Klette im Februar 2024 in Berlin-Kreuzberg festgenommen worden, wo sie seit Jahren unbehelligt lebte. In ihrer Wohnung wurden zahlreiche Waffen gefunden.
Auch in der TV-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" im ZDF war nach dem ehemaligen Mitglied der berüchtigten linksextremen Terrorgruppe gefahndet worden. Daraufhin waren hunderte Hinweise eingegangen.
Beobachter gehen davon aus, dass Daniela Klette Berufung gegen das Urteil einlegen wird. Ihr Anwalt hatte auf Freispruch plädiert und bereits angekündigt, in Revision gehen zu wollen - Klette könne nur für den illegalen Waffenbesitz verantwortlich gemacht werden. Es gebe keine Beweise dafür, dass sie bei den Raubüberfällen dabei war.
Ob Daniela Klette in einem weiteren Prozess wegen der Mittäterschaft bei drei RAF-Anschlägen zwischen 1990 und 1993 angeklagt wird, steht noch nicht fest. Daniela Klette wird der sogenannten 3. Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) zugerechnet.
Die Mitglieder der ersten Generation mit Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin - die in den 70er Jahren für Entführungen und Morde verantwortlich gemacht wurden - waren vor ihrem Prozess 1976 tot im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim aufgefunden worden. Die Terrorgruppe hatte sich dann 1998 aufgelöst.