Trotz steigender Reisekosten und wirtschaftlicher Unsicherheit bleibt die Reiselust der Europäer ungebrochen. Mit ein paar Tipps lässt sich das Urlaubsbudget im In- und Ausland besser ausschöpfen.
Die Sommerferien rücken näher, und schon bald werden wir wieder über die heißesten Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen und den Mangel an Klimaanlagen klagen. Mit der Hitze kommt jedoch ein weiteres Problem: die steigenden Reisekosten.
Angesichts der Sorgen um explodierende Kerosinpreise, tausender gestrichener Flüge und Airlines, die Mehrkosten stillschweigend an ihre Kundschaft weitergeben, müssen viele von uns neu überlegen, wie und wo sie dieses Jahr Urlaub machen.
Verwerfen die Europäer ihre Reisepläne also ganz – oder lernen sie nur, anders zu verreisen?
Der aktuelle Travel Trends Report 2026 (Quelle auf Englisch) des Mastercard Economics Institute (MEI) zeigt: Trotz anhaltender geopolitischer und wirtschaftlicher Spannungen bleibt Europa weltweit ein stark gefragtes Reiseziel.
Städte wie Paris, Amsterdam und Brüssel belegten unter zehn Zielen die ersten drei Plätze und verzeichnen weiterhin ein jährliches Plus beim Anteil der gebuchten Sitze im internationalen Verkehr. Auch Barcelona, Madrid und Frankfurt meldeten deutliche Zuwächse bei der Zahl der ankommenden Gäste.
„Vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Unsicherheit zeigt sich die europäische Reisebranche bislang erstaunlich widerstandsfähig“, sagt Natalia Lechmanova, Chefökonomin Europa bei Mastercard.
Erschwinglichkeit spielt jedoch eine zentrale Rolle bei den Entscheidungen der Reisenden. Steigende Kosten für Anreise und Unterkunft, schwankende Wechselkurse und fragile Einkommenszuwächse beeinflussen, wohin Menschen fahren und wie viele Reisen sie am Stück unternehmen.
„Mit der Normalisierung der Reiseströme achten Europäer stärker auf Preis-Leistungs-Verhältnis, Erschwinglichkeit und erlebnisorientierte Reisen“, so Lechmanova.
„Unsere Daten zeigen, dass die ungebrochene Anziehungskraft Europas die weltweite Reiselust weiterhin ankert – auch wenn geopolitische Lage, Währungsschwankungen und die wirtschaftliche Gesamtsituation immer stärker bestimmen, wie und wohin Menschen reisen.“
Laut dem Holiday Barometer 2026 (Quelle auf Englisch) von Europ Assistance, für das Ipsos 26.000 Menschen befragt hat, halten bis zu 77 % der Europäer an ihren Reiseplänen für diesen Sommer fest.
Länder wie das Vereinigte Königreich und Portugal liegen beim Reisewunsch an der Spitze: 84 % beziehungsweise 82 % der Befragten planen eine Reise in diesem Jahr. Selbst in Ländern mit geringerer Begeisterung, etwa Deutschland und Belgien, denken noch 70 % beziehungsweise 72 % über eine Reise nach.
Flug oder Zug?
Untersuchungen der Spar- und Investmentplattform Raisin (Quelle auf Englisch) zeigen: Reisende zahlen im Schnitt 13,1 % mehr für Flugtickets zu neun europäischen Zielen, wenn sie ab dem Flughafen Amsterdam Schiphol starten.
Der Durchschnittspreis für Flüge einer vierköpfigen Familie – ohne Gepäckgebühren – ist von 808 € im vergangenen Jahr auf 914 € im Jahr 2026 gestiegen. Einzige Ausnahme in der Analyse war Wien: Dort fielen die Preise leicht von 987 € auf 968 €.
Eine Lösung könnte im sogenannten No-Frills-Fliegen liegen. Billigfluggesellschaften werben weiterhin mit günstigen Tarifen, allerdings ohne Extras wie Handgepäck, Aufgabegepäck oder Sitzplatzreservierung. Gegen Aufpreis lassen sich diese Leistungen in der Regel hinzubuchen.
Für Anbieter wie EasyJet scheint dieses Modell anzukommen. Die britische Billigairline teilte Euronews Travel mit: „40 % unserer Kundinnen und Kunden zahlen nur den reinen Flugpreis, der ein kleines kostenloses Handgepäckstück umfasst.
„Die Optionen und Preise von EasyJet sind transparent und unseren Kundinnen und Kunden gut bekannt. Sie zahlen nur für Leistungen, die sie tatsächlich wollen – und nicht für Angebote, die sie nicht brauchen. So können wir die Tarife für alle niedrig halten.“
Andere Urlauber verzichten komplett auf das Fliegen.
Die Untersuchung von Raisin ergab, dass Bahntickets ab dem Bahnhof Amsterdam Centraal im Vergleich zum Vorjahr nur um 2,5 % teurer wurden. Zugreisen waren auf neun der zehn untersuchten Strecken günstiger als Flüge; nur die Verbindung nach London kostete mit der Bahn mehr als mit dem Flugzeug.
Raisin-Forscher Jasper Berkhout rät Reisenden, gründlich zu vergleichen und Angebote verschiedener Anbieter und Websites zu prüfen.
„Auf Vergleichsportalen lässt sich oft ein Häkchen setzen, um nahe gelegene Flughäfen in die Suche einzubeziehen“, sagt er. „Für Zugreisen lohnt sich eine frühzeitige Buchung; Anbieter wie die Deutsche Bahn bieten mit dem ‘Sparpreis’ deutlich vergünstigte Tickets an.“
Die britische Post (Post Office) (Quelle auf Englisch) empfiehlt ebenfalls, nach Möglichkeit den Zug zu nehmen – etwa, indem man nach günstigen Angeboten bei Eurostar-Verbindungen in Städte wie Paris, Amsterdam, Brüssel und Rotterdam Ausschau hält.
Sind Pauschalreisen die sicherere Wahl?
Allein im Mai wurden wegen der Kerosinkrise Berichten zufolge 13.000 Flüge gestrichen. Viele Menschen zögerten daher mit der Buchung ihrer Sommerreisen.
Rory Boland, Chefredakteur der Verbraucherplattform Which? Travel, sagt, es sei „nachvollziehbar, dass viele Urlauber angesichts der Vielzahl an Annullierungen verunsichert sind“. Sein Rat: „Für diesen Sommer empfehlen wir, eine Pauschalreise zu buchen. So lässt sich der Gesamtpreis des Urlaubs am besten absichern, falls es zu größeren Störungen kommt.“
Urlaub daheim oder in der Ferne?
Im Jahr 2024 unternahmen Europäerinnen und Europäer rund 1,19 Milliarden private und berufliche Reisen; beeindruckende 92 % davon fanden innerhalb Europas statt, so Daten von Eurostat (Quelle auf Englisch). Die Statistikbehörde stellte zudem fest: Urlaubsreisen außerhalb des Kontinents sind im Schnitt 40 % teurer als Inlandsreisen.
Wer sein Reisebudget innerhalb Europas optimal nutzen will, sollte sich gut vorbereiten, rät die britische Post: „Flüge in bestimmte europäische Städte mögen günstig sein, doch das Ziel selbst kann vor Ort sehr teuer werden.“
Andere wichtige Tipps: lieber zu Fuß gehen statt ein Taxi zu rufen, lokale Streetfood-Stände ausprobieren statt überfüllte Touristenrestaurants, und sich auf unerwartete Ausgaben vorbereiten – etwa mit der kostenlosen Global Health Insurance Card. Für Reisende aus dem Vereinigten Königreich ermöglicht sie in vielen EU-Staaten eine Notfallbehandlung zu deutlich geringeren Kosten.
Staycations und kürzere Wege
Daten von Airbnb zeigen, dass in Ländern wie Frankreich, Deutschland, Schweden, Portugal und den Niederlanden 25 % der Reisenden im Jahr 2026 einen Urlaub im eigenen Land planen. Wer ins Ausland fährt, legt im Schnitt kürzere Strecken zurück.
In Schweden etwa ist die mittlere Reisedistanz seit 2023 um 26 % gesunken und liegt nun unter 500 Kilometern. Ein weiterer Trend: Größere Gruppen teilen sich die Kosten. Buchungen für vier oder mehr Personen nehmen in Portugal, Spanien und Schweden deutlich zu.
Wann bucht man am besten?
In seinem „Smarter Summer Report“ nennt das Buchungsportal Skyscanner die besten Zeitpunkte für eine Reservierung. Demnach gilt die Woche vom 29. Juni bis 5. Juli 2026 als günstigste Reisewoche des Sommers.
„Wer sich schon einmal gesagt hat: ‘Ich warte lieber noch ein bisschen’, sollte jetzt umdenken und mit der Suche beginnen“, so Skyscanner. „Das perfekte Reisezeitfenster liegt oft näher – und ist günstiger –, als man denkt.“
Die britische Post bezeichnet Dienstag als tendenziell günstigeren Reisetag, Skyscanner setzt eher auf den Freitag und betont: „Man kann einen Urlaub einfach planen – oder ihn perfekt timen.“
Skyscanner nimmt dabei besonders Reisende mit kleinem Budget in den Blick. „Juni und September sind die stillen Stars des Sommers“, heißt es im Bericht. „Die Sonne scheint, doch die Preise sind niedriger, die Schlangen kürzer und die Chance auf einen Tisch im Restaurant größer. So bekommt man das Beste des Sommers – mit etwas mehr Luft zum Atmen.“
Wer im Juni von Großbritannien aus günstig fliegen möchte, findet laut Skyscanner zum Beispiel Poprad in der Slowakei, wo Tickets im Schnitt bei 55 £ (63,50 €) liegen. Weitere preiswerte Ziele in Europa sind Szczecin und Lublin in Polen mit durchschnittlichen Flugpreisen von 59 £ (68,12 €) beziehungsweise 62 £ (71,59 €).
Im September, der noch etwas günstiger ausfällt als der Juni, kostet ein Flug nach Poprad im Schnitt 54 £ (62,35 €). Tickets nach Dortmund in Deutschland liegen bei rund 58 £ (66,97 €), Flüge nach Lodz und Szczecin in Polen bei 65 £ (75 €) beziehungsweise 69 £ (79,68 €).
Die günstigsten Städtetrips Europas
Osteuropa dominiert auch 2026 die Rangliste der preiswertesten Städtetrips, wie der aktuelle City Costs Barometer (Quelle auf Englisch) der Reisesparte der britischen Post zeigt.
In der bisher größten Auswertung hat der Bericht die Kosten von zwölf typischen touristischen Ausgaben für zwei Personen in 50 europäischen Städten verglichen – darunter Mahlzeiten, Getränke, Sehenswürdigkeiten, Transfers vom Flughafen sowie zwei Übernachtungen in einem Drei-Sterne-Hotel.
Erstmals steht Sarajevo an der Spitze der Liste der günstigsten Städtereisen in Europa. Die Stadt punktet mit preiswerten Unterkünften, günstigen Verkehrsmitteln und erschwinglichen Kulturangeboten. Auch Bukarest, Tirana und Belgrad schneiden sehr gut ab.
Top zehn preiswerte europäische Städtereisen
- Sarajevo, Bosnien und Herzegowina: 248 £/287 €
- Bukarest, Rumänien: 258 £/299 €
- Tirana, Albanien: 263 £/304,50 €
- Belgrad, Serbien: 265 £/307 €
- Trenčín, Slowakei: 272 £/315 €
- Riga, Lettland: 278 £/322 €
- Lille, Frankreich: 289 £/334 €
- Vilnius, Litauen: 289 £/334 €
- Straßburg, Frankreich: 319 £/369 €
- Podgorica, Montenegro: 332 £/384,50 €