Eine Falschalarm-Serie erschüttert Polen: Offenbar hat eine Online-Bande Einsätze bei Politikern ausgelöst, die Ermittler nahmen bereits Verdächtige fest.
Zwei Personen sind im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen eine mutmaßliche kriminelle Gruppe festgenommen worden. Der Gruppe wird vorgeworfen, gezielt falsche Alarmmeldungen ausgelöst zu haben.
Das bestätigte die Sprecherin der Bezirksstaatsanwaltschaft des Warschauer Stadtteils Praga, Oberstaatsanwältin Karolina Staros. Gegen einen der Festgenommenen erhob die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Beteiligung an einer organisierten kriminellen Vereinigung. Dem zweiten legt sie zur Last, die Aktivitäten der Gruppe gelenkt zu haben.
Innen- und Verwaltungsminister Marcin Kierwiński sagte am Mittwoch dem Sender TVN24, in dem Verfahren seien insgesamt drei Personen festgenommen worden. Gegen eine Person ordnete das Gericht Untersuchungshaft an. Für eine weitere stellte die Staatsanwaltschaft einen Haftantrag. Die dritte Person sei vor Kurzem festgenommen worden.
Nach Angaben des Ministers sind die Verdächtigen um die 20 Jahre alt und den Strafverfolgungsbehörden bereits bekannt. Im Parlament befragt, nannte Kierwiński nur so viel: Alle Festgenommenen sind polnische Staatsbürger. Die Ermittler prüfen noch, was sie zu den Taten motiviert hat.
Premier Tusk kommentiert Ermittlungen
Auch Polens Ministerpräsident Donald Tusk äußerte sich zu dem Fall. Er betonte, dass die Folgen solcher Aktionen sehr ernst sein können. Das Verfahren entwickle sich dynamisch, sagte Tusk. Weitere Festnahmen seien möglich.
Die Bezirksstaatsanwaltschaft ermittelt gemeinsam mit dem Zentralbüro zur Bekämpfung der Cyberkriminalität in dem Fall. Nach ihren Erkenntnissen verschickte die Gruppe über das Internet und verschiedene Messenger-Dienste Meldungen über nicht existierende Gefahren an öffentliche und private Institutionen.
Die Mitglieder der Gruppe kommunizierten vor allem online und kannten sich überwiegend nicht persönlich. Nach Angaben der Oberstaatsanwältin entwickelte die Gruppe schnell eine hierarchische Struktur. Das sollte die Mitglieder dazu bringen, Anweisungen zu befolgen und in der Organisation aufzusteigen.
Den ersten Verdächtigen nahm die Polizei am 20. Mai fest. Ihm wird vorgeworfen, Teil der kriminellen Gruppe gewesen zu sein und Einsätze der Rettungsdienste ausgelöst zu haben, obwohl keine reale Gefahr bestand. Nach Einschätzung der Ermittler steckt er hinter einer Serie von Falschmeldungen, die gleichzeitig an zahlreiche öffentliche Einrichtungen gingen. Der Mann bestreitet die Vorwürfe. Das Gericht verhängte dennoch Untersuchungshaft für drei Monate.
Den zweiten Verdächtigen nahmen die Behörden am 24. Mai 2026 fest. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er die Gruppe angeführt und an der Organisation von mehr als einem Dutzend falscher Meldungen mitgewirkt haben. Der Mann gestand die Vorwürfe teilweise und legte eine Aussage ab. Die Staatsanwaltschaft beantragte auch in seinem Fall Untersuchungshaft.
Die Ermittler betonen, dass das Verfahren weiterläuft. Sie wollen alle Hintergründe der Gruppentätigkeit klären. Der Minister für die Koordinierung der Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, erklärte, zum Schutz der Ermittlungen könnten manche Informationen nicht öffentlich gemacht werden. Zugleich erklärte er, die Behörden prüften alle möglichen Verbindungen der Festgenommenen zu den einzelnen Falschalarmen.
Einsatz bei Mutter des Präsidenten
Besonders viel Aufmerksamkeit erregte ein Einsatz der Sicherheitskräfte in der Wohnung der Mutter von Präsident Karol Nawrocki in Danzig. Ausgelöst wurde er durch eine Meldung, die über die App „Alarm 112“ einging.
Kierwiński sagte, die Dienste arbeiteten mit Hochdruck daran, die Person zu identifizieren, die die Falschnachricht verschickt hat. Die Ermittler analysieren unter anderem, wie das für die Nachricht genutzte Internet-Gateway gekauft wurde und welche Person Zugriff darauf gehabt haben könnte.
Falsche Alarme führten auch zu Polizeieinsätzen in der Wohnung des Chefredakteurs von TV Republika und in der Nähe des Hauses von Jarosław Kaczyński, dem Vorsitzenden der Partei Recht und Gerechtigkeit, in Warschau.
Der stellvertretende Innenminister Wiesław Szczepański teilte mit, das Ministerium habe eine spezielle Arbeitsgruppe eingesetzt. Ihr gehören IT-Sicherheitsfachleute, Experten des Forschungsinstituts NASK und Beamte der Agentur für Innere Sicherheit an. Wer für solche Aktionen verantwortlich sei, werde nicht straffrei davonkommen, versicherte er.