Eine mutmaßlich antisemitische Antwort auf die Buchungsanfrage israelischer Reisender beschäftigt jetzt das Bayerische Justizministerium. Ein Hotel habe geantwortet, es würde "keine Juden" beherbergen. Ermittler prüfen den Tatbestand der Volksverhetzung.
Ein israelischer Reisender wollte ein Hotel in Bayern buchen und wurde abgewiesen. Die Begründung laut eines in den Sozialen Medien kursierenden Screenshots: sie würden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft abgelehnt. Nun wird der Fall von der Justiz geprüft, die Plattform Booking.com hat das Hotel aus dem Verteiler genommen.
Es ist ein antisemitischer Vorfall, wie er den Behörden zufolge immer öfter vorkommt. 2024 erreichten antisemitische Straftaten laut Bundeskriminalamt einen neuen Höchststand: 6.236 wurden erfasst, darunter 173 Gewalttaten.
Antisemitische Antwort eines bayerischen Hotels
Die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland ist empört. "Sind wir wieder in den 1930er Jahren? Ein Hotel hat einem Israeli folgendes geantwortet: 'Sorry, there are no Jews allowed in our hotel'", schrieb Talya Lador auf der Plattform X. Sie sei froh darüber, dass der Anbieter Booking.com dieses Hotel von seiner Homepage verbannt habe, erklärte sie weiter.
Auch der Münchner Professor Guy Katz ist entsetzt, wie er in einem Linked-In-Beitrag teilte. Ihm zufolge sei die Erklärung danach folgendermaßen ausgefallen: "Man sei wegen vieler Fehlbuchungen überlastet gewesen", schreibt der Professor. Katz gesteht sogar zu, dass eine E-Mail durchaus im Stress unhöflich werden kann. "Vielleicht vergesse ich eine Anrede. Vielleicht antworte ich zu knapp", erklärt er.
Die Antwort des Hotels ist seiner Meinung nach jedoch nicht durch Stress entstanden, sondern durch Antisemitismus: "Er muss zuerst im Kopf auftauchen. Oder er war schon immer tief drin. Und genau das ist das Problem. Nicht 1938. Nicht irgendwo im Internet. Gestern. In Bayern", macht Katz deutlich.
Komplexe Hintergründe
Auch die Buchungsplattform, auf der das Hotel gelistet war, reagierte prompt und nahm das Hotel in Bayern aus dem Verteiler. Laut Medienberichten soll es den Vorfall zunächst abgestritten haben. Letztendlich räumte es jedoch ein, dass ein Mitarbeiter für das Versenden der Nachricht verantwortlich gewesen sei. Sowohl an die betroffene Familie als auch an die Bayerische Staatskanzlei sei ein Schreiben geschickt worden. Das Hotel hat der israelischen Familie zudem einen einwöchigen Gratis-Aufenthalt angeboten.
Die Angelegenheit ist Angaben zufolge an das bayerische Justizministerium gelangt und soll dort mithilfe des Beauftragen für Antisemitismusbekämpfung geprüft werden. Möglich sei etwa ein Tatbestand der Volksverhetzung nach Paragraf 130 des Strafgesetzbuches. Ob es zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist noch nicht klar.
Ein weiterer Bericht verurteilt die Aussage des Hotels, der Autor hat nach eigenen Angaben allerdings mit den Hotelbesitzern gesprochen. Demnach soll das Hotel, das seit 120 Jahren im Familienbetrieb geführt wird, akut mit gefälschten Buchungen zu kämpfen haben. Weil die Buchung der israelischen Familie die erste aus dem EU-Ausland gewesen sein soll, vermutete die Rezeption einen weiteren Betrugsfall.
Tatbestand Volksverhetzung nicht folgenlos
In einem anderen Fall ist es gerade zu einem Gerichtsurteil gekommen. Im September 2025 hatte ein Ladenbesitzer in Flensburg einen Zettel in sein Schaufenster gehängt, auf dem stand: "Juden haben Hausverbot". Erst nach Erscheinen der Polizei entfernte der Geschäftsinhaber den Aushang, brachte ihn jedoch im Innenraum wieder an.
Nun wurde er vom örtlichen Amtsgericht wegen Volksverhetzung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe und einer Zahlung von 1.200 Euro an die KZ-Gedenkstätte Ladelund im Kreis Nordfriesland verurteilt. Laut Gericht habe der Angeklagte zum Hass aufgestachelt. Die Tat sei geeignet gewesen, den gesellschaftlichen Frieden zu stören.
Antisemitische Vorfälle stark zugenommen
Auch wenn der Fall im bayerischen Hotel nicht endgültig geklärt ist, fest steht: antisemitische Straftaten haben seit dem Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 und der israelischen Reaktion darauf in den vergangenen Jahren stark zugenommen und insbesondere nochmal seit Beginn des Krieges in der Golfregion zwischen den USA, Israel und dem Iran.
2024 wurde ein neuer Höchststand erreicht, auch im ersten Halbjahr 2025 erfassten die Behörden 2.044 antisemitische Straftaten, darunter 50 Gewalttaten, Gesamtdaten für das vergangene Jahr liegen derzeit noch nicht vor.
Die Bedrohung ist auch für jüdische Gemeinden deutlich wahrnehmbar, wie eine Studie vom Zentralrat der Juden in Deutschland aus dem Januar 2026 zeigt.
Nach dem "explosionsartigen Anstieg" antisemitischer Vorfälle infolge des 7. Oktober habe sich eine "neue Normalität" entwickelt, erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zu den Studienergebnissen. Zudem gaben 62 Prozent der befragten jüdischen Gemeinden an, dass sich ihre Sicherheitslage seit Beginn des Irankriegs noch weiter verschlechtert habe. Von den Behörden fühlen sie sich nicht ausreichend unterstützt.