Pedro Sánchez stellt auf Instagram und TikTok eine Sommer-Playlist mit 31 Songs vor, zu einem Zeitpunkt, an dem Ceuta weiter massenhaft Migranten aufnimmt – und erntet dafür Kritik,.
Spaniens Regierungschef hat in der offiziellen Residenz ein Video aufgenommen. Er sitzt auf einem weißen Sofa und hält sein Handy in der Hand. In dem Clip kündigt er eine Playlist mit 31 Songs an, die unterschiedliche Genres abdeckt, von Pop über Urban bis zu Indie-Rock. „Für diesen Sommer habe ich euch eine Playlist mit einigen der Songs zusammengestellt, die ich in diesem Jahr besonders häufig höre“, sagt er zu Beginn der Aufnahme.
Zu den Stücken, die er persönlich hervorhebt, zählen „El Baifo“ von Quevedo, einer der meistgehörten Singles aus dem jüngsten Werk des kanarischen Künstlers, „Spring Summer 26“ der britischen Sängerin Charli XCX und „Tantas Cosas“ der spanischen Sängerin Melani.
Die Spotify-Playlist (Quelle auf Spanisch), die über einen festen Link in seiner Instagram-Biografie (Quelle auf Spanisch) erreichbar ist, enthält auch Klassiker von Madonna, The Rolling Stones, Deep Purple oder Paul McCartney sowie Namen der nationalen Musikszene wie Rodrigo Cuevas, Mala Rodríguez oder Carlos Ares. Am Ende des Videos richtet der Präsident einen lockeren Gruß an seine Anhänger: „Ich hoffe, sie gefällt euch und begleitet euch im Urlaub. Schönen Sommer.“
Ceuta-Krise: Der Kontext
Der Beitrag erscheint in einer besonders heiklen Phase für die Autonomiestadt. Nach Angaben des Innenministeriums sind in den vergangenen Tagen Zehntausende Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangt, einer der größten Fälle irregulärer Einreisen auf Gebiet der Europäischen Union.
Die Lage übersteigt die Aufnahmefähigkeit der Stadt und hat einen Armeeeinsatz zur Unterstützung der Guardia Civil notwendig gemacht. Zugleich belastet sie die Beziehungen zu mehreren europäischen Partnern, darunter Italien, dessen Regierung sogar eine Aussetzung des Schengen-Regimes gegenüber Spanien ins Spiel brachte.
Stunden vor der Veröffentlichung des Videos besuchte Sánchez selbst Ceuta und sprach von „einem Angriff auf die Integrität Spaniens“. Er machte Schleusernetzwerke verantwortlich, obwohl es Berichte über entsprechende Geheimdienstwarnungen gibt. Der Kontrast zwischen diesem offiziellen Ton und dem lockeren Musikvideo gehört zu den Punkten, die in den Reaktionen besonders häufig genannt werden.
Reaktionen und Kommunikationsmuster
Der Beitrag löst einen Sturm kritischer Kommentare aus. Viele Nutzer stellen den Zeitpunkt der Veröffentlichung infrage. Die Vorsitzende der Europäischen Volkspartei, Dolors Montserrat, äußert sich besonders scharf und erklärt, sie empfinde „Scham als Spanierin“ angesichts eines Präsidenten, der ihrer Meinung nach Zeit für Musikempfehlungen findet „in der schlimmsten Migrationskrise der Geschichte“. Montserrat bezeichnet die Haltung des Regierungschefs sogar als „Unsensibilität“ und „moralischen Niedergang“.
Solche Inhalte sind in der Kommunikationsstrategie des Regierungssitzes Moncloa nichts Neues. In Phasen gesellschaftlicher Spannungen oder parlamentarischer Ermüdung greift das offizielle Konto des Präsidenten immer wieder zu informellen Posts, etwa kurzen Empfehlungen zu Büchern, Serien oder TikTok-Trends, um ein nahbares Profil zu zeichnen und den Blick von der komplizierten Tagespolitik wegzulenken.
Ob der aktuelle Beitrag auf eine unglückliche Planung von Inhalten in sozialen Netzwerken zurückgeht oder bewusst zur Verschärfung der Stimmung beiträgt, bleibt offen.
Experten für politische Kommunikation sehen darin eine bewusste Strategie, um junge Zielgruppen zu erreichen. Der Zeitpunkt solcher Aktionen, wie jetzt, sorgt jedoch häufig für Streit, wie derzeit die Kommentarspalten unter dem Beitrag auf Instagram und TikTok zeigen.