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70 Jahre Luftwaffe, Kampfjets und Nachwuchssuche: Die Bundeswehr auf der ILA

Ein winkender Eurofighter-Pilot auf der ILA 2026, 13.06.2026
Ein winkender Eurofighter-Pilot auf der ILA 2026, 13.06.2026 Copyright  Johanna Urbancik/ Euronews
Copyright Johanna Urbancik/ Euronews
Von Johanna Urbancik
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Als größter Einzelaussteller prägt die Bundeswehr die ILA 2026. Projektleiter Oberst Kristof Conrath spricht über neue Fähigkeiten, die Lehren aus dem Ukraine-Krieg und die Rolle der Messe bei der Nachwuchsgewinnung.

Nach drei Tagen für Fachbesucher öffnete die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin am Wochenende ihre Türen für die Öffentlichkeit. Kampfjets, Transportflugzeuge und Hubschrauber zogen zahlreiche Besucher an. Besonders präsent war dabei die Bundeswehr, die als größter Einzelaussteller der Messe große Teile des Geländes nutzte.

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Neben Flugvorführungen und statischen Ausstellungen spielte auch die Nachwuchsgewinnung sichtbar eine wichtige Rolle. An zahlreichen Ständen informierten Karriereberater über Einstiegsmöglichkeiten, während Soldaten Einblicke in ihren Berufsalltag gaben. Besucher konnten Cockpits besichtigen, mit Piloten sprechen und sich über die vielfältigen Aufgabenbereiche der Streitkräfte informieren.

Für den Bundeswehr-Auftritt verantwortlich war Oberst Kristof Conrath von der Luftwaffe. Im Gespräch mit Euronews erklärt er, warum die Bundeswehr auf der ILA bewusst moderne Systeme wie Drohnen, die P-8 Poseidon oder Flugabwehrsysteme präsentiert, welche Rolle Kampfjets trotz des rasanten Drohnenbooms künftig spielen sollen und welche Bedeutung das Jubiläum "70 Jahre Luftwaffe" für die diesjährige Messe hat.

Oberst Kristof Conrath, Bundeswehr-Verantwortlicher der ILA 2026, 13.06.2026
Oberst Kristof Conrath, Bundeswehr-Verantwortlicher der ILA 2026, 13.06.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Euronews: Sie sind als Bundeswehr-Verantwortlicher maßgeblich an der Organisation des ILA-Auftritts beteiligt. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen? Und nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Flugzeuge, Systeme und Fähigkeiten die Bundeswehr hier präsentiert?

Oberst Conrath: Tatsächlich ist die Aufgabe des Projektleiters an meinen Dienstposten gekoppelt. Ich arbeite im Luftwaffentruppenkommando und dort gehört die Leitung der Projektorganisation für die ILA zu meinem Aufgabenbereich. Insofern bin ich zu dieser Aufgabe gekommen. Ich habe die ILA 2022 zum ersten Mal betreut, dann 2024 und jetzt bereits zum dritten Mal. Und ich muss sagen: Es ist längst nicht mehr nur eine Pflicht, sondern eine große Freude, weil wir ein tolles Team haben.

Wir haben die Organisationsbereiche gefragt – das Heer, die Marine, CIR, die Luftwaffe – was sie gerne ausstellen wollen, und was auch das Modernste ist. Wir wollen natürlich nicht Sachen, die schon tausendmal irgendwo geflogen sind oder gesehen wurden ausstellen, sondern die neuesten Fähigkeiten zeigen. Deshalb haben wir uns zum Beispiel von der Marine unter anderen für die P-8A Poseidon entschieden, das neue Modell. Wir haben auch den Sea Lion dabei, der Sea Tiger ging aus operationellen Gründen nicht.

Besucher der ILA vor der Poseidon P-8A, 13.06.2026
Besucher der ILA vor der Poseidon P-8A, 13.06.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Wir haben natürlich das Thema 70 Jahre Luftwaffe mit aufgenommen dafür vier folierte Maschinen hier: den A400, den CH-53, den Tornado und den Eurofighter.

Dann haben wir uns außerdem entschieden, natürlich auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und der dadurch stärker in den Fokus gerückten Drohnenkriegsführung, zu zeigen, über welche Drohnenfähigkeiten die Bundeswehr bereits verfügt. Deshalb haben wir im Defence Park verschiedene Drohnensysteme ausgestellt. Außerdem zeigen wir Flugabwehrraketensysteme, denn auch das ist ein Thema, das aktuell stark an Bedeutung gewonnen hat. Insofern durfte das auf der ILA nicht fehlen.

Euronews: Sie haben die ILA 2022 zum ersten Mal organisiert, also in dem Jahr, in dem Russland seine Vollinvasion in der Ukraine begonnen hat. Wenn Sie auf die vergangenen vier Jahre zurückblicken: Wie hat sich die ILA seitdem verändert?

Oberst Conrath: Die ILA hat sich verändert, und zwar einfach insofern, dass wir jetzt unsere Fähigkeiten darstellen können. Wir müssen uns nicht verstecken. Es ist in der Öffentlichkeit jedem bewusst, dass man kriegstüchtig sein muss. Das geht natürlich nicht mit einfachen Fahrzeugen, sondern mit Waffensystemen.

Ein NH90 Sea Lion-Hubschrauber auf der ILA 2026, 13.06.2026
Ein NH90 Sea Lion-Hubschrauber auf der ILA 2026, 13.06.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Diese Waffensysteme können wir jetzt ausstellen. Wir können sie mit Stolz ausstellen, weil wir auch was zu bieten haben für die NATO. Ich denke , das war früher schon anders. Es war ja so, dass wir immer diese Umgebung hatten "von Freunden umzingelt", wir konnten unsere Kräfte runterfahren, wir konnten unsere Fähigkeiten runterfahren, wir mussten keine Überkapazitäten zu schaffen, auch nicht an Emotionen zum Beispiel.

Das hat sich schon umgekehrt. Das ist auch in der Öffentlichkeit zu sehen. Es gibt ja nicht umsonst die Zeitenwende und das Sondervermögen. Und das spiegelt sich natürlich auch hier wider, insofern kann man den Menschen zeigen, wofür ihr Geld dann auch ausgegeben wird.

Euronews: Gibt es etwas, auf das Sie besonders stolz sind, als Leitung der ILA-Projektorganisation für die Bundeswehr?

Oberst Conrath: Auf die Resonanz kann man schon stolz sein. Es ist so, dass wir das nicht alleine machen. Wir sind hier zwar der größte Einzelaussteller, aber die ILA wird in erster Linie von der Messe und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) betrieben.

Wenn wir so eine Resonanz bei interessierten Besuchern erzeugen können, dann ist das schon etwas, worauf man stolz sein kann. Gerade an den Publikumstagen, also Samstag und Sonntag, haben wir unseren Hauptkampftag im Sinne von Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchsgewinnung. Das ist ja eines der Ziele, die wir hier verfolgen.

Ein Transformers-artiger Walking Act der Bundeswehr vor einem Karriere-Infopoint auf der ILA 2026, 13.06.2026
Ein Transformers-artiger Walking Act der Bundeswehr vor einem Karriere-Infopoint auf der ILA 2026, 13.06.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Wir wollen der Öffentlichkeit die Bundeswehr näher bringen, als attraktiven Arbeitgeber Bundeswehr. Und auf diese Weise Menschen dafür gewinnen, sich zu fragen: Was bietet die Bundeswehr eigentlich für Berufe? Hier können wir wirklich eine große Vielfalt an Berufen darstellen, sodass sich die Leute dafür interessieren.

Und wenn sie sich dafür interessieren, können wir sie mit entsprechendem Personal auch gut beraten. Wie könnte ich in der Bundeswehr Karriere machen? Welche Karrieremöglichkeiten gibt es? Dafür sind die Jugendoffiziere und die Karriereberater hier. Insofern ist das auch für die Bundeswehr selbst eine runde Sache, weil wir hier genau diese Ziele erreichen können.

Euronews: In diesem Jahr feiert die Luftwaffe ihr 70-jähriges Bestehen. Spielt dieses Jubiläum für die ILA und den Auftritt der Bundeswehr eine besondere Rolle?

Oberst Conrath: Ja, selbstverständlich. Das ist das ganze Jahr über ein Geburtstag, nicht nur am heutigen Tag. Das ist eine Geschichte, wenn man sie über die letzten 70 Jahre betrachtet, auf die man stolz zurückblicken kann.

Das Besondere an der Luftwaffe ist das Team. Und das sehen wir hier, dass dieses Team auch in den Vordergrund tritt und zum Tragen kommt. Nur mit dem Team kann man das auch schaffen. Das ist geht hier wirklich Hand in Hand.

Ein CH-53-Hubschrauber der Luftwaffe, 13.06.2026
Ein CH-53-Hubschrauber der Luftwaffe, 13.06.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Die schauen nicht auf die Uhr und sagen: Jetzt ist Dienstschluss, jetzt gehe ich nach Hause. Sondern hier sind alle so lange dabei, wie es sein muss. Das macht das Besondere aus.

Und das haben wir über 70 Jahre Luftwaffengeschichte gelebt und erleben es bis heute. Hier sieht man es in allen Farben.

Euronews: Sie haben vorhin schon kurz das Thema Drohnen angesprochen. Gestern habe ich einen Podcast mit dem Sicherheitsexperten Christian Welling gehört, in dem die Frage gestellt wurde: Brauchen wir angesichts der Entwicklung bei Drohnen überhaupt noch Kampfjets? Wie stehen Sie zu dieser Frage?

Oberst Conrath: Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in der heutigen Zeit noch Kampfjets brauchen. Selbst wenn wir cloudbasierte, GPS-basierte Drohnenfähigkeiten haben: GPS kann zum Beispiel gestört werden, das Internet kann gestört werden, und gegebenenfalls könnte auch eine Cloud gestört werden.

Wir brauchen den Menschen im System, der auch Entscheidungen trifft. Wir wollen auf keinen Fall irgendwelche KI-basierten Systeme, die selbstständig entscheiden, was angegriffen wird.

Ein Eurofighter-Typhoon auf der ILA, 13.06.2026
Ein Eurofighter-Typhoon auf der ILA, 13.06.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Insofern bin ich der Überzeugung, dass wir auf jeden Fall auch noch einen Kampfjet brauchen, der gegebenenfalls einen Schwarm mit anderen Systemen führt, aber eben noch die "Person in the Loop" [einen Mensch in der Entscheidungsschleife] dabei hat, die vor Ort Entscheidungen treffen kann. Denn wer weiß: Wenn die Information oder die Kommunikation zu den Entscheidungsträgern gestört wird – was dann? Ich bin der Meinung: Man in the Loop ist wichtig.

Euronews: Ich war am Mittwoch bei der Vorstellung der Pulse-P19-Plattform von Quantum Systems. Das System kann sowohl bemannt als auch unbemannt betrieben werden. Welche Rolle werden solche Konzepte künftig neben klassischen Kampfjets wie der F-35 oder dem Eurofighter spielen?

Oberst Conrath: Ich denke, es gibt mehrere Möglichkeiten, und das ist ein interessantes System. Je nachdem, wie die Situation ist, kann man dann eben bemannt oder unbemannt fliegen.

Es gibt viele Varianten. Der Markt entwickelt sich wahnsinnig schnell weiter. In der Ukraine werden täglich viele neue Bedrohungen geschaffen, und es werden immer wieder Verbesserungen eingebracht. Man reagiert jeweils auf die vorhandene Bedrohung. Also: Ja, das ist eine von mehreren Möglichkeiten.

Oberst Conrath mit Bundesverteididungsminister Boris Pistorius (SPD) am Freitag, 12.06.2026
Oberst Conrath mit Bundesverteididungsminister Boris Pistorius (SPD) am Freitag, 12.06.2026 Bundeswehr/ Saskia Meike

Euronews: Sie haben die Flugshows hier mitorganisiert. Wie haben Sie entschieden, was fliegt, und was nicht?

Oberst Conrath: Eigentlich sind wir "all in" gegangen. Wir haben alle Kampfjets dabei, die wir fliegen. Wir haben alle Hubschraubermodelle dabei, die verfügbar waren – bis auf diejenigen, die aus Einsatzgründen nicht teilnehmen konnten.

Wir haben den A400M, wir haben die Hubschrauber, die ich schon erwähnt habe. Wir haben heute noch eine Luftparade, darunter ein Tankflugzeug mit Jets an den Flügeln, die dort auch betankt werden. Alles, was wir bekommen konnten, haben wir mitgenommen.

Man muss natürlich auch beachten, dass wir hier nicht allein sind. Viele Luftfahrzeuge der Industrie fliegen hier ebenfalls. Wir haben mehrere Hubschrauber der Industrie dabei, wir haben Drohnen, die hier fliegen, wir haben den italienischen Beitrag, wir haben den Airbus Racer. Wir hatten einen A350, der hier vorgeflogen ist.

Ein Hubschrauber bei der ILA, 13.06.2026
Ein Hubschrauber bei der ILA, 13.06.2026 Johanna Urbancik/ Euronews

Man muss außerdem bedenken, dass wir hier am Hauptstadtflughafen sind, der im Sommer natürlich regulär in Betrieb ist. Insofern musste das alles auch in den laufenden Flugbetrieb passen. Wir können nicht einfach sagen: Jetzt machen wir die riesige Flugshow.

Ich glaube, das ist ein ausgewogenes Konzept. Die Menschen schauen sich die Exponate am Boden an, sie schauen sich unsere Flugvorführungen an. Das Ziel war, einen guten Überblick zu geben, und ich denke, das haben wir auch erreicht.

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