In Spanien melden Barcelona, Lleida und Santiago de Compostela den stärksten Anstieg von Kokain-Rückständen im Abwasser. Weitere Hotspots mit wachsendem Kokain-Konsum gibt es in Dänemark und Slowenien.
Nach Cannabis ist Kokain die am weitesten verbreitete illegale Droge in Europa.
Ein aktueller Bericht der Europäischen Drogenbehörde (EUDA) zeigt, wo der Konsum besonders verbreitet ist. Grundlage für die Erkenntnisse sind Rückstände, die in Abwässern nachgewiesen wurden.
Die höchsten Kokain-Werte fanden Behörden in spanischen und belgischen Städten.
Lleida in Westkatalonien führt die europäische Rangliste an: Im Schnitt fanden die Fachleute dort 1.405 mg Kokain pro 1.000 Einwohner.
Antwerpen in Belgien liegt mit 1.382 mg auf Platz zwei, gefolgt von Granada in Spanien (1.238), Amsterdam (1.172), Lüttich in Belgien (1.039) und Brüssel (1.020).
Auch Santiago de Compostela in Spanien gehört mit 1.008 mg zu den Top Ten, dahinter die österreichische Skistadt Kufstein (998), Barcelona (997) und die belgische Stadt Namur (927).
Wo nimmt der Kokainkonsum am stärksten zu?
Die Abwasserdaten zeigen auch, wo der Kokainkonsum am schnellsten wächst.
Europe in Motion hat die Wachstumsraten der Städte ausgewertet, in denen im Abwasser mindestens 500 mg Kokainrückstände pro 1.000 Einwohner nachgewiesen wurden.
Demnach gilt Spanien derzeit als Hotspot.
In Barcelona stiegen die Werte um 185 % - beziehungsweise um 647 mg. In Lleida legten sie um 125 % oder 782 mg zu – das ist europaweit der stärkste Anstieg, sowohl relativ als auch absolut.
Auch in Slowenien gab es deutliche Zuwächse. Besonders betroffen sind die Regionen um Velenje, Domžale und Kamnik, dort lag die Steigerung zwischen 329 und 272 mg.
Ein weiterer Schwerpunkt ist Dänemark. Dort nehmen die Werte in Esbjerg (plus 266 mg), Aalborg (plus 234 mg) und Kopenhagen (plus 148 mg) spürbar zu.
Länder im Vergleich: Wo wird am meisten Kokain konsumiert?
Die EUDA hat zudem eine Umfrage durchgeführt. Sie fragte Bürgerinnen und Bürger in Europa, ob sie im Zeitraum von zwölf Monaten vor Veröffentlichung der Studie Kokain konsumiert hatten. Das ergibt ein etwas anderes Bild.
Die höchsten Konsumraten meldeten Norwegen und die Niederlande.
Dort nahmen in den zwölf Monaten vor der Erhebung mindestens 2,9 Prozent der Erwachsenen Kokain. Es folgen Frankreich mit 2,7 Prozent, Spanien mit 2,5 Prozent und Irland mit 2,4 Prozent.
In der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen waren die Werte noch deutlich höher.
Erneut vorne liegen Norwegen mit 5,6 Prozent und die Niederlande mit 5,3 Prozent, gefolgt von Irland mit 5 Prozent.
Was ist die "Atlantische Kokain-Autobahn“?
Die jüngsten EUDA-Zahlen zeigen: Spanien meldete die größte beschlagnahmte Kokainmenge, allein 2024 waren es 124 Tonnen.
Frankreich folgt mit 53,5 Tonnen – ein Rekordwert für das Land.
Gleichzeitig gingen die beschlagnahmten Mengen in Belgien um 64 Prozent, in Deutschland um 45 Prozent und in den Niederlanden um 36 Prozent zurück.
Zwar sank die insgesamt 2024 von EU-Staaten sichergestellte Kokainmenge. Doch die Zahl der einzelnen Einsätze stieg auf 97.000. Das deutet eher auf veränderte Schmuggelrouten und -methoden hin als auf weniger Kokainlieferungen nach Europa, so die Behörde.
Der Konkurrenzkampf auf dem Kokainmarkt treibt die Kriminalität an. In einigen Ländern nimmt dadurch bandenbezogene Gewalt bis hin zu Tötungsdelikten zu.
Schmuggler nutzen zunehmend kleinere Häfen und Umladungen auf offener See. Zum Einsatz kommen unterschiedliche Schiffe, bemannte und unbemannte Halbtauchboote, Drohnen sowie aufwendige Verstecke für Vorräte und Labore.
Europaweit übernehmen häufig kleinere Boote die letzte Etappe. Sie landen an abgelegenen Küstenabschnitten in Portugal und Spanien, nutzen Strände oder kleine Häfen, um den Sicherheitskräften zu entgehen.
Im vergangenen April traf eine großangelegte, von Europol koordinierte Aktion eine wichtige transatlantische Schmuggelroute, die als "Atlantische Kokain-Autobahn" bekannt ist.
Der Einsatz konzentrierte sich auf den östlichen Atlantik-Korridor zwischen den spanischen Kanarischen Inseln und den portugiesischen Azoren.
Die Behörden stellten dabei elf Tonnen Kokain und 8,5 Tonnen Haschisch sicher, nahmen 54 Verdächtige fest und stoppten acht Schiffe.