Die Ukraine meldet einen schweren Schlag gegen Russlands Kontrolle über das besetzte Krimgebiet: Bei mehreren Angriffen zerstörten ihre Truppen eine wichtige Eisenbahnbrücke über den Nordkrimkanal. Es sei die erste Brücke, die ausgeschaltet wurde, so Kyjiw.
Eine Eisenbahnbrücke über den Nordkrim-Kanal nahe dem Dorf Rozdolne existiert nicht mehr. Das teilten die ukrainischen Spezialoperationskräfte (SOF) am Dienstag mit. Es sei die erste Brücke, die auf der besetzten Krim zerstört wurde.
„Entschuldigung, aber wir haben eine dringende offizielle Mitteilung: Die Eisenbahnbrücke über den Nordkrim-Kanal auf der Krim existiert nicht mehr. Die erste ist weg“, schrieben die SOF in einer Erklärung auf Threads.
Später veröffentlichten die SOF ein Video, das offenbar den Angriff auf die Brücke zeigt.
Sie sei Teil eines Transportkorridors gewesen, über den Güter, Ressourcen und militärische Ausrüstung in zwei Hauptrichtungen bewegt wurden: aus Russland über die Krim zur Unterstützung der im Süden eingesetzten Truppen.
Die Brücke liegt an der Bahnstrecke, die die Querung der Straße von Kertsch mit dem übrigen besetzten Teil der Halbinsel verbindet. Über sie erreichen russische Truppen die vorübergehend besetzten Gebiete im Süden der Ukraine, darunter die Region Cherson und die Küste des Asowschen Meeres.
Der Angriff auf die Brücke erschwert Russlands Bemühungen noch weiter, Soldaten, Munition und Treibstoff per Bahn zu verlegen – dem zentralen Rückgrat der russischen Militärlogistik.
Bemerkenswert ist, dass die ukrainischen Spezialoperationskräfte erklärten, die Aktion sei in Abstimmung mit „Untergrundmitgliedern der SOF-Widerstandsbewegung“ durchgeführt worden.
Krim: Personenzüge stehen still
Der Angriff am Dienstag folgt auf eine Reihe ukrainischer Attacken gegen Landverbindungen sowie militärische und energetische Ziele auf der annektierten Krim.
Die von Moskau eingesetzten Besatzungsbehörden setzten daraufhin den gesamten Personenverkehr auf der Krim-Bahn aus. Sie erklärten, die Stadt Kertsch am östlichen Ende der Halbinsel, über die illegal errichtete Kertsch-Brücke mit Russland verbunden, bleibe Start- und Endpunkt für Züge von und zum russischen Festland.
Nach der Zerstörung der Eisenbahnbrücke über den Nordkrim-Kanal wird der Transport von Waren und Personal in das zentrale und westliche Gebiet der Krim deutlich komplexer. Das gilt auch für den Landkorridor in die besetzten Teile des Südens der Ukraine.
Der nächtliche Angriff auf die Brücke am Dienstag war nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme Teil einer größeren Operation gegen russische Militär- und Energieinfrastruktur.
In einer weiteren Mitteilung teilten die SOF mit, ihre Drohnen hätten in der Nacht zum 23. Juni 60 russische Ziele in vorübergehend besetzten Gebieten, darunter auf der Krim, getroffen.
Dazu gehörten nach Angaben der Einheit Öltanks am Heizkraftwerk Kertsch und die Umspannanlage „Westkrim“ im Dorf Karierne.
Die ukrainischen Streitkräfte meldeten zudem erfolgreiche Treffer gegen mehrere Luftabwehr- und Radaranlagen.
Zusammengenommen zielen die Angriffe offenbar nicht nur darauf ab, Russlands Versorgung seiner Truppen zu stören. Sie sollen auch den Luftabwehrschirm und das Lagebild schwächen, die wichtige Logistikknoten schützen, um weitere Attacken zu erleichtern.