Eine neue Analyse zeigt, wie unterschiedlich Haushalte in Europa ihr Geld ausgeben. Während in ärmeren Ländern vor allem Lebensmittel und Wohnen das Budget belasten, bleibt in wohlhabenderen Staaten mehr Geld für Freizeit, Reisen und Dienstleistungen.
Wofür Menschen ihr Geld ausgeben, sagt viel über Kaufkraft, Preise und Lebensverhältnisse aus. Genau das macht die neue Auswertung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) deutlich: Die Konsumausgaben privater Haushalte unterscheiden sich in der Europäischen Union teils erheblich, und zwar nicht nur zwischen Nord und Süd, sondern auch zwischen West und Ost.
Besonders sichtbar wird das bei den Grundausgaben. In ärmeren Ländern fließt ein viel größerer Teil des Budgets in Lebensmittel und Wohnen, während in wohlhabenderen Staaten der Anteil für Freizeit, Kultur oder Reisen steigt. Die Studie basiert auf Eurostat-Daten zur Gewichtung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex und nutzt für die meisten Kategorien Daten bis 2024.
Grundbedarf frisst Budget
Ein gutes Beispiel sind Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke. In Luxemburg machen sie nur 9,3 Prozent der privaten Ausgaben aus, in Rumänien dagegen 23,1 Prozent. Dass diese Kategorie in Rumänien im Vergleich zu vor zehn Jahren zurückgeht, liegt laut IW auch an einer gestiegenen Kaufkraft, obwohl Preissteigerungen den Effekt spürbar abschwächen.
Ähnlich deutlich ist der Unterschied bei den Dienstleistungen. In Irland und Frankreich geht etwa die Hälfte der privaten Ausgaben in diesen Bereich, in Deutschland sind es mehr als 46 Prozent. Im EU-Durchschnitt liegt der Wert bei 43 Prozent, während er in Rumänien wegen der geringeren Kaufkraft bei weniger als einem Viertel liegt.
Freizeit statt Luxus
Am anderen Ende der Skala stehen die sogenannten Wahlausgaben, also Posten, die stärker von Lebensstil und Wohlstand geprägt sind. Hier liegt Deutschland an der Spitze: 9,6 Prozent des Konsumbudgets entfallen auf Freizeit, Sport und Kultur. Knapp dahinter folgt Schweden mit 9,5 Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei 7,5 Prozent.
Auch bei Pauschalreisen ist Deutschland auffällig stark. Gemeinsam mit Slowenien belegt die Bundesrepublik mit jeweils 1,9 Prozent den ersten Platz. Laut IW hängt der Anstieg der Freizeit-Ausgaben in Deutschland unter anderem mit mehr Geld für Gartenartikel, Heimtiere und Freizeitdienstleistungen zusammen.
Deutschlands besondere Mischung
Auffällig ist zugleich, dass die Deutschen zwar viel für Freizeit ausgeben, beim Essen gehen aber deutlich sparsamer sind. Für Restaurants und Beherbergung wenden die Haushalte in Deutschland 6,3 Prozent ihres Budgets auf – deutlich weniger als der EU-Durchschnitt von 9,2 Prozent. Der Vergleich mit Malta zeigt, wie groß die Spannweite in Europa ist: Dort liegt der Anteil bei 21,1 Prozent, auch wegen der hohen Ausgaben von Touristen.
Der größte Ausgabenblock bleibt in Deutschland dennoch das Wohnen. Auf Wohnen, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe entfallen 23,3 Prozent des Haushaltsbudgets. Bei den tatsächlichen Mietzahlungen liegt Deutschland mit 7,0 Prozent auf Rang zwei in der EU – ein Hinweis darauf, wie stark der Wohnungsmarkt die Haushalte belastet.
Die IW-Analyse zeigt vor allem eines: Konsum ist in Europa kein einheitliches Muster, sondern ein Spiegel sozialer und wirtschaftlicher Unterschiede. Wo Geld knapper ist, dominieren Grundbedürfnisse; wo die Kaufkraft höher ist, gewinnen Freizeit, Reisen und Dienstleistungen an Gewicht.