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Zwischen EU-Führung und Russland-Geschäft: Irland gerät in Erklärungsnot

Irlands Regierungschef Micheál Martin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Irlands Regierungschef Micheál Martin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Copyright  Irish Presidency of the EU Council.
Copyright Irish Presidency of the EU Council.
Von Jorge Liboreiro
Zuerst veröffentlicht am
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Irland übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft, doch Dublin steht sofort unter Druck. Der Streit um Alumina-Exporte nach Russland wirft die Frage auf, ob irische Rohstoffe indirekt Putins Kriegsmaschinerie stützen.

Irland gerät zunehmend unter Druck, seine Alumina-Lieferungen nach Russland zu stoppen. Immer deutlicher wird das Risiko, dass der Rohstoff die russische Kriegsmaschinerie stützen könnte – ein politisch hochsensibles Thema für Dublin.

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Die irische Regierung prüft derzeit, ob sie EU-Sanktionen gegen Alumina unterstützen soll. Der Rohstoff wird als weißes Pulver gehandelt und ist zentral für die Herstellung von Aluminium. Dieses wiederum steckt in zahlreichen Waffen, die auf den Schlachtfeldern in der Ukraine eingesetzt werden.

Eine Entscheidung soll jedoch erst fallen, wenn eine interne Untersuchung zu den Endabnehmern der irischen Alumina-Exporte abgeschlossen ist. Diese Prüfung befindet sich nach Regierungsangaben in der Schlussphase.

"Wir werden die Ergebnisse mit der Europäischen Kommission besprechen. Die Kommission hat Alumina jedoch noch nie auf eine Sanktionsliste gesetzt – das ist wichtig. Und wir mussten in dieser Frage in keiner Weise Lobbyarbeit leisten", sagte der irische Premierminister Micheál Martin am Donnerstag bei einem Briefing, bei dem Euronews anwesend war.

Bei den Beratungen müssten mögliche Folgen für Arbeitsplätze vor Ort, die Umwelt und die europäische Alumina-Lieferkette berücksichtigt werden, betonte Martin. Sobald diese "verschiedenen Faktoren" auf dem Tisch lägen, wolle Dublin gemeinsam mit der Kommission "einen Ansatz entwickeln", um das "Kernproblem" anzugehen. Eine klare Zusage für Sanktionen ist das bislang nicht.

"Wir wollen kein Material liefern, das die russischen Kriegsanstrengungen unterstützt", sagte Martin. "Europa muss wachsam bleiben und die Ukraine ganz konkret unterstützen."

Auch Vizepremier Simon Harris bezeichnete wirtschaftliche Sanktionen als "den besten Weg", um Moskaus hochgerüstete Kriegsmaschinerie unter Druck zu setzen. Irland sei ein "begeisterter" Befürworter dieser Linie, sagte er.

"Irland wird bei Sanktionen niemals Rosinenpickerei betreiben. Wir werden uns die Kriterien nicht aussuchen. Die Kriterien sind klar, sie müssen angewandt werden – das ist wichtig", sagte Harris in Dublin. "Aber ebenso wichtig ist es, dass wir die Fakten klären."

Nach seinen Worten haben die Behörden die Frage irischen Aluminas bereits "viele Male" geprüft. Die übermittelten Informationen hätten sowohl die EU als auch die USA "zufriedengestellt".

Die Aussagen der beiden Politiker folgten auf einen viel beachteten Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er nahm an der Eröffnungszeremonie der irischen EU-Ratspräsidentschaft teil, die am 1. Juli begonnen hat.

Selenskyj machte dabei deutlich, dass er ein Ende des Alumina-Handels mit Russland erwartet.

"Jede Tonne Rohstoff, die in Russland landet, wird in diesem Krieg gegen uns eingesetzt. So verstehen wir es, so sehen wir es", sagte Selenskyj am Dienstag neben Martin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

"Wenn die Wirtschaft schrumpft, sehen wir das sofort – und wir sehen ebenso, wie sich Russlands Fähigkeit zu groß angelegten Angriffen verringert. All das spiegelt sich letztlich in der Zahl der Todesopfer in der Ukraine wider", sagte er.

Auf Selenskyjs Besuch in Dublin folgte eine neue Welle russischer Angriffe auf Kyjiw, bei denen mindestens 21 Menschen getötet wurden.

Umstrittenes Alumina-Geschäft belastet Irland

Seit Ende März versucht Irland, den politischen Schaden zu begrenzen. Damals veröffentlichte ein Medienkonsortium eine brisante Recherche, die Geschäftsbeziehungen zwischen Aughinish Alumina, der größten Alumina-Raffinerie Europas, und der russischen Wirtschaft offenlegte.

Den Recherchen zufolge verkauft die weitläufige Anlage im Westen Irlands Alumina an russische Hüttenwerke, die ihrem Mutterkonzern United Company Rusal gehören. Rusal verkauft das daraus gewonnene Metall wiederum an einen Händler, der Aluminium an sanktionierte Rüstungsunternehmen liefert.

Die von diesen Unternehmen produzierten Waffen werden eingesetzt, um ukrainische Zivilisten zu töten und zivile Infrastruktur zu beschießen, heißt es in der Untersuchung. Die Journalisten konnten irisches Alumina bis zu dem russischen Händler nachverfolgen, jedoch nicht bis zu einem konkreten Produkt.

Unabhängig davon kamen schwedische Behörden zu dem Schluss, dass Rusal, die Muttergesellschaft von Aughinish, weiterhin faktisch unter der Kontrolle von Oleg Deripaska steht. Der russische Oligarch mit engen Verbindungen zum Kreml steht auf der EU-Sanktionsliste.

Aughinish betont, das Unternehmen handele vollständig rechtskonform, da Alumina bislang von Handelsbeschränkungen ausgenommen ist. Nach Angaben des Unternehmens gingen im Jahr 2025 rund 45 Prozent der Alumina-Exporte nach Russland. Für Ende 2026 erwartet Aughinish einen ähnlichen Anteil.

Nahezu das gesamte in der EU produzierte Alumina, das nach Russland geliefert wird, stammt aus Irland.

Nach Medienberichten hat Aughinish der irischen Regierung mitgeteilt, EU-Sanktionen gegen Alumina würden den Betrieb so stark belasten, dass der Staat das Werk übernehmen müsste, um Hunderte Arbeitsplätze zu retten und eine kritische Lieferkette zu sichern.

Am Donnerstag wiesen sowohl Micheál Martin als auch Simon Harris diese Darstellung zurück, auch wenn sie einige der Sorgen von Aughinish teilten.

"Wir akzeptieren keine Drohungen – von niemandem", sagte Martin.

Finanzminister Harris lehnte die von Aughinish skizzierte "binäre" Wahl zwischen Staatsrettung und Insolvenz ebenfalls ab. Nach eigenen Angaben war er nicht an Gesprächen über eine mögliche Verstaatlichung beteiligt.

"Es muss Lösungen geben, mit denen wir das Problem angehen und zugleich sicherstellen, dass wichtige Lieferketten in die Europäische Union weiterlaufen. Gleichzeitig muss absolut klar sein, dass es in diesem Zusammenhang keinerlei Verbindungen zu Putins Regime und dessen Krieg gibt", sagte Harris.

"Ich halte diese Fragen überhaupt nicht für binär. Europa hat immer wieder gezeigt, dass es Wege findet, unsere Wirtschaft und unsere Lieferketten zu schützen", fügte er hinzu.

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