Nach einem der schwersten russischen Angriffe auf Kyjiw seit Monaten fordert die Ukraine schnelle Entscheidungen über Luftabwehr, Raketenlieferungen und neue Sanktionen. Während Rettungskräfte weiter nach Opfern suchen, kündigt Moskau noch mehr Druck auf die Ukraine an.
Die ukrainische Regierung in Kyjiw hat ihre westlichen Partner nach einem großangelegten russischen Raketen- und Drohnenangriff auf die Hauptstadt zu sofortigen Entscheidungen über Luftabwehr und neue Sanktionen gedrängt. Bei dem Angriff wurden mindestens 20 Menschen getötet. Die Zahl der Opfer könnte weiter steigen.
Getroffen wurden Wohnhäuser und zivile Infrastruktur. Nach ukrainischen Angaben handelte es sich um einen der schwersten Angriffe auf Kyjiw seit Monaten. Rettungskräfte setzten ihre Bergungsarbeiten am Donnerstag fort.
"Kriegsverbrecher Putin kann nur einen niederträchtigen Terrorkrieg gegen Zivilisten, Frauen und Kinder führen", schrieb der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha auf X.
"Solche Angriffe sind schwere Kriegsverbrechen. Wir informieren alle Partner und internationalen Organisationen darüber und fordern Konsequenzen sowie entschlossene Reaktionen."
Sybiha rief die westlichen Partner der Ukraine dazu auf, die Lieferung von Luftabwehrsystemen und Abfangraketen nach der "Nacht des Schreckens" deutlich zu beschleunigen. Zugleich warnte er vor weiteren Verzögerungen.
"Entscheidungen über Luftabwehrsysteme und Raketen für die Ukraine werden jetzt gebraucht, nicht irgendwann später", schrieb er.
Ukrainische diplomatische Quellen bestätigten Euronews, dass die Informationen über die nächtlichen Angriffe bereits an die NATO-Partner weitergeleitet wurden. Diese kommen in der kommenden Woche in Ankara zu einem Gipfel zusammen.
Nach Darstellung Kyjiws machen Großangriffe, insbesondere mit ballistischen Raketen wie in der Nacht zum Donnerstag, den Verbündeten das Ausmaß des Konflikts und die Schwachstellen der ukrainischen Luftabwehr besonders deutlich.
Ukrainische Vertreter verweisen dabei immer häufiger auf den Unterschied zwischen Nächten, in denen ausreichend Raketenabwehrsysteme einsatzbereit sind, und Nächten, in denen nur ein kleiner Teil der anfliegenden Geschosse abgefangen werden kann. Auf diese Diskrepanz weisen sie in ihren Unterrichtungen der Partner besonders hin.
Russland zeigt unterdessen keinerlei Anzeichen für einen Kurswechsel. Nach dem jüngsten Beschuss von Kyjiw kündigte der Kreml an, seine Offensive gegen die Ukraine weiter zu verstärken.
"Russland wird den Druck auf das Kyjiwer Regime weiter erhöhen, um unsere gesetzten Ziele zu erreichen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalisten.