Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Gratis durch Europa? Diese europäische Großstadt macht Bus und Bahn jetzt kostenlos

Archivaufnahme vom 18.09.2005: Stadtbahn Porto auf der Luís-I-Brücke
Archiv (18.09.2005): Metro do Porto auf der Brücke Luiz I Copyright  Manuel Ribeiro
Copyright Manuel Ribeiro
Von Manuel Ribeiro  & Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Porto, zweitgrößte Stadt Portugals, macht den ÖPNV im Großraum für Einwohner kostenlos. Nutzen dürfen ihn nur Gemeindebewohner mit aktualisierter Stadtkarte „Porto.“

Porto reiht sich in die wachsende Zahl europäischer Städte ein und führt für seine Einwohner kostenlosen öffentlichen Nahverkehr ein.

WERBUNG
WERBUNG

Die Maßnahme geht auf ein Wahlversprechen des amtierenden Bürgermeisters Pedro Duarte zurück, der die jüngste Kommunalwahl mit einem Bündnis aus PSD, CDS-PP und IL gewann. Duarte, der zuvor im Kabinett von Ministerpräsident Luís Montenegro als Minister für Parlamentsangelegenheiten tätig war, erklärte am Freitag, die Kosten des Projekts lägen bei jährlich 20 bis 25 Millionen Euro. Zur Finanzierung erwägt die Stadt, die Touristenabgabe auf vier Euro anzuheben – denselben Satz, der bereits in Lissabon gilt.

In Porto gehören Staus inzwischen zum Alltag. Nach Angaben der Zeitung Público nutzen 56 Prozent der Einwohner weiterhin bevorzugt das Auto statt Bus oder Bahn. Die Stadtverwaltung hofft deshalb, mit dem kostenlosen Nahverkehr die Mobilität innerhalb Portos und aus dem Umland nachhaltig zu verbessern.

Dieses Ziel werde sich jedoch nicht von heute auf morgen erreichen lassen.

„Wir glauben nicht, dass dies die eine Wunderlösung ist, die die Mobilität in der Stadt Porto von heute auf morgen verändert. Wichtig ist, dass wir die Erwartungen realistisch einschätzen“, sagte Duarte bei der Vorstellung des Programms am Freitag.

„Derzeit gibt es in Porto rund 16 Kilometer Busspuren. Bis zum Jahresende sollen es 22 Kilometer sein“, sagte der Bürgermeister. Sein Ziel sei es, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren und den öffentlichen Raum stärker den Menschen zurückzugeben.

„Es braucht einen Paradigmenwechsel im Alltag der Menschen: Das private Auto soll zur Ergänzung werden, das wichtigste Verkehrsmittel in der Stadt muss der öffentliche Nahverkehr sein“, sagte Duarte. „Wenn Busse und Bahnen schneller, bequemer und verlässlicher sind als das eigene Auto, werden die Menschen umsteigen.“

Gleichzeitig räumte der Bürgermeister ein, dass die Maßnahme in Portugal nicht nur „innovativ“, sondern auch „disruptiv“ sei.

„Es ist eine innovative Maßnahme im nationalen Kontext und – auch wenn sie international nicht völlig neu ist – noch immer die Ausnahme. Es gibt nicht viele Städte, die einen solchen Schritt gegangen sind“, sagte Duarte.

Porto ist die erste Stadt Portugals, die den öffentlichen Nahverkehr für alle Einwohner vollständig kostenlos macht. Jugendtickets werden bereits vom Staat vollständig finanziert. Die Entscheidung dürfte den Druck auf andere Kommunen erhöhen, insbesondere auf die Nachbarstädte in der Metropolregion Porto, deren Präsident Duarte ebenfalls ist.

Der Bürgermeister betonte, er könne den anderen Kommunen keine Vorgaben machen. Zugleich sprach er sich dafür aus, den öffentlichen Nahverkehr konsequent als Alternative zum Auto auszubauen. Das Projekt in Porto solle als Pilotmodell für andere Städte und für die portugiesische Regierung dienen.

Archiv (02.02.2017). Straßenbahn zur Batalha im Zentrum von Porto
Archiv (02.02.2017). Straßenbahn zur Batalha im Zentrum von Porto Manuel Ribeiro

50 europäische Städte mit kostenlosem Nahverkehr

Obwohl Portos Bürgermeister betont, international gebe es nur wenige Städte mit kostenlosem Nahverkehr, setzen in Europa bereits zahlreiche Kommunen auf ähnliche Modelle. Nach Schätzungen testen mindestens 50 Städte und Gemeinden einen kostenfreien öffentlichen Nahverkehr oder haben ihn bereits eingeführt.

Allein in Frankreich bieten mindestens 39 Städte und Gemeinden vergleichbare Konzepte an, darunter Aubagne bei Marseille, die Hafenstadt Calais und die westfranzösische Stadt Niort.

Als bislang größte Metropolregion führte Montpellier Ende 2023 den öffentlichen Nahverkehr für alle Einwohner kostenlos ein. Das rund 150 Millionen Euro teure Programm wurde schrittweise umgesetzt: Zunächst profitierten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Menschen über 65, später alle in der Stadt gemeldeten Einwohner. Für die Nutzung benötigen sie eine personalisierte Fahrkarte, die bei jeder Fahrt entwertet wird – ähnlich wie das künftig in Porto geplante System.

Mit dem Projekt will Montpellier den Autoverkehr reduzieren, Emissionen senken und den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr verbessern. Ergänzt wird die Maßnahme durch Investitionen in Radwege und die Einführung einer Umweltzone mit niedrigen Emissionen.

Ein Jahr nach der Einführung verzeichnete die Stadt nach eigenen Angaben einen Anstieg der Fahrgastzahlen um rund ein Drittel.

In Porto gilt die neue Regelung seit Freitag für sämtliche Verkehrsmittel des Andante-Netzes. Dazu gehören die Metro do Porto, Busse der Verkehrsbetriebe STCP und Unir, Nahverkehrszüge, Straßenbahnen sowie künftig auch die Fähren auf der neuen Verbindung zwischen Porto und Vila Nova de Gaia.

Auch andere europäische Städte haben den öffentlichen Nahverkehr bereits kostenlos gemacht. In Tallinn gilt das Modell seit 2013, Luxemburg führte 2020 als erstes Land weltweit einen landesweit kostenlosen öffentlichen Nahverkehr ein.

Auch Deutschland und Spanien haben in den vergangenen Jahren mit vergünstigten oder kostenlosen Angeboten experimentiert. Deutschland führte im Sommer 2022 das auf drei Monate befristete 9-Euro-Ticket für den bundesweiten Nah- und Regionalverkehr ein. Spanien bot zeitweise kostenlose Bahnfahrten auf ausgewählten Kurz- und Mittelstrecken an.

Archiv (03.08.2015). Stadtbahn in Bonn
Archiv (03.08.2015). Stadtbahn in Bonn Manuel Ribeiro

Das deutsche Experiment mit bundesweit sehr günstigem Nahverkehr begann mit dem sogenannten Neun-Euro-Ticket, das für drei Monate aufgelegt wurde, um die stark gestiegenen Energiepreise nach der groß angelegten Invasion der Ukraine durch Russland abzufedern. Das Programm erlaubte Fahrgästen für nur neun Euro im Monat unbegrenzte Fahrten im regionalen und lokalen Nahverkehr im ganzen Land, lief aber nur zwei Monate.

Später ersetzte die Politik es durch das sogenannte „Deutschlandticket“, das denselben landesweiten Zugang zu Regional- und Nahverkehr bietet, inzwischen aber 63 Euro pro Monat kostet. Der Abo-Preis ist seit der Einführung mehrfach erhöht worden.

Komplett kostenloser öffentlicher Nahverkehr bleibt in Deutschland jedoch die Ausnahme.

Derzeit bieten nur fünf Städte ihren Bürgern den lokalen Nahverkehr ganz oder teilweise kostenlos an, darunter drei in Bayern und die frühere Hauptstadt der BRD, Bonn, die dieses Modell 2026 eingeführt hat. Pläne, das Angebot auf das ganze Land auszuweiten, gibt es im Moment nicht.

Eine besondere Regelung gilt für die Angehörigen der deutschen Streitkräfte: Seit 2020 dürfen Bundeswehr-Soldatinnen und -Soldaten in Uniform in der zweiten Klasse der Züge der Deutschen Bahn kostenlos fahren.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Moldau stellt Weichen Richtung EU: Sandu nominiert neuen Premier

39 Grad und Alarmstufe Rot in Paris: Eiffelturm und Louvre schließen früher

XXL-Militärparade in Paris: Macron versammelt die „Koalition der Willigen“