Loader
Finden Sie uns
Werbung

Nach Protesten: FIFA kippt Investorenplan – UEFA greift Infantino scharf an

FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht bei einer Pressekonferenz im Stadion von Mexiko-Stadt am Mittwoch, dem 10. Juni 2026, einen Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel.
FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht am Mittwoch, zehnter Juni 2026, im Stadion in Mexiko-Stadt, einen Tag vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Von Nathan Rennolds
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Das Projekt sollte den von Infantino betonten hohen Marktwert des Fußballs ausschöpfen. Dritte sollten mit Minderheitsanteilen ohne Kontrolle bei der geplanten Tochterfirma FIFA Forward Enterprise einsteigen.

Die FIFA hat bekanntgegeben, dass sie ihre Pläne aufgibt, privaten Investoren Anteile an großen Wettbewerben zu verkaufen. Zuvor hatte es heftigen Widerstand gegeben.

WERBUNG
WERBUNG

In einer Mitteilung erklärte FIFA-Präsident Gianni Infantino, das Projekt habe „Spaltungen geschaffen“, die „nicht mehr im Interesse des ursprünglich verfolgten Ziels“ seien.

„Unser Ziel war immer, den Fußball zu einen und besser zu machen. Deshalb wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt“, fügte er hinzu.

Der Weltverband hatte Ende Juli ein Konzept vorgestellt. Es sollte über eine neue Tochtergesellschaft, die die kommerziellen Geschäfte und Turniere einschließlich der Weltmeisterschaften bündelt, zusätzliche Mittel für seine 211 Mitgliedsverbände einspielen.

Das Vorhaben trägt den Namen FIFA Forward Enterprise (FFE). Es sollte nach Infantinos Worten den „bemerkenswerten kommerziellen Wert“ des Fußballs ausschöpfen, indem Drittinvestoren Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollrechte an der neuen Einheit erwerben.

Nach FIFA-Angaben hätte FFE bis zu 4,2 Milliarden Dollar einwerben können, basierend auf einer Anfangsbewertung von 20 Milliarden Dollar.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, rechts, und FIFA-Präsident Gianni Infantino posieren während des 48. UEFA-Kongresses in Paris am Donnerstag, 8. Februar 2024.
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, rechts, und FIFA-Präsident Gianni Infantino posieren während des 48. UEFA-Kongresses in Paris am Donnerstag, 8. Februar 2024. Copyright 2024 The Associated Press. All rights reserved.

Heftige Kritik

Der Plan stieß weltweit im Fußball und darüber hinaus auf scharfe Kritik. Viele warfen Infantino und der FIFA vor, den Sport verkaufen zu wollen.

Die europäische Dachorganisation UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände drohten wegen der Pläne mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben. Sie erklärten, „die Weltmeisterschaft darf nicht wie ein Anlageprodukt behandelt werden“.

„Keine UEFA-Nationalmannschaft wird an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen“, hieß es in einer Erklärung am Donnerstag. „Dies gilt nur dann nicht, wenn der Vorschlag vollständig zurückgezogen wurde und verbindliche Zusicherungen vorliegen, dass die FIFA ihre Führung und ihre Wettbewerbe nie wieder für privates Eigentum öffnet.“

Auch CONCACAF, der Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, wies den Plan zurück und forderte „mehr Transparenz und eine ordnungsgemäße Governance“ nach der Debatte.

Die Affäre setzt Infantino, der 2016 erstmals zum Präsidenten gewählt wurde, massiv unter Druck. Einer seiner wichtigsten Berater, Carlos Cordeiro, trat bereits zurück.

Auch Kevin Lamour, der operative Geschäftsführer der FIFA, griff den Investitionsplan scharf an und nannte ihn „das Projekt einer einzigen Person“.

„Dieses Projekt darf nicht nur nicht umgesetzt werden. Es ist jetzt auch an der Zeit, dass die politischen Verantwortungsträger im Fußball sich die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen“, erklärte er in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press zu Wochenbeginn.

Infantino stand schon zuvor wegen des Umgangs der FIFA mit mehreren Vorfällen bei der WM 2026 in der Kritik, die in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wurde. Besonders umstritten war die Entscheidung, eine Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun auszusetzen.

UEFA: Kritik an Infantino

Die UEFA hat den Rückzug des Investorenplans inzwischen begrüßt.

Zugleich entzog sie Infantino das Vertrauen und übte scharfe Kritik an der aktuellen Führung des Weltverbands. In einer Erklärung heißt es wörtlich: „Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren.“

Die UEFA kritisiert insbesondere Entscheidungsprozesse hinter verschlossenen Türen: „Wir können so nicht weitermachen – mit geheimen Plänen, die im Eiltempo von anonymen Personen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport zweifelhaft ist.“ Der Verband fordert deshalb Konsequenzen: „Wir müssen die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.“ Zudem kündigt die UEFA an, „einen Plan auszuarbeiten“, um sicherzustellen, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen kann.

Besonders deutlich richtet sich die Kritik gegen Infantino persönlich. Die UEFA verweist auf dessen Versprechen bei seiner Wahl im Jahr 2016, als er mehr Transparenz zugesagt und erklärt hatte, die Einnahmen der FIFA gehörten den Mitgliedsverbänden und müssten der Entwicklung des Fußballs zugutekommen. Aus Sicht der UEFA hat Infantino beide Zusagen nicht eingehalten: „Beide Versprechen hat er nicht eingehalten.“

Auch der Umgang mit einem umstrittenen Abkommen wird scharf kritisiert. Die UEFA erklärt: „Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte, undurchsichtige Deal, den er ausgeheckt und durchzusetzen versucht hat, war alles andere als transparent.“

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Exklusiv: EU-Abgeordnete bestellen Infantino ins Parlament wegen FIFA-Investorenplan

Wegen Investorenplan: UEFA boykottiert kommende FIFA-Weltmeisterschaften

Neuseeland entzieht FIFA-Chef Infantino die Unterstützung