Bei der Polizei gingen in nur einem halben Jahr 180 Meldungen über Hasskriminalität gegen ukrainische Staatsbürger ein. Das sind über 30 Prozent mehr.
In Polen steigt die Zahl der Angriffe aus nationalistischen Motiven stetig, wie aus Daten hervorgeht, die die landesweite Polizeizentrale der Tageszeitung „Rzeczpospolita“ übermittelt hat.
In diesem Monat sorgte bereits ein wüster verbaler Angriff auf Jugendliche aus der Ukraine in einem Linienbus in Bielsko-Biała für Schlagzeilen. Ein erwachsener Mann beschimpfte die Mädchen, bedrohte sie und beleidigte sie, weil sie Ukrainisch sprachen.
Im ersten Halbjahr 2026 meldeten Menschen der Polizei 180 solcher Vorfälle – der Angriff im Bus war nur einer davon.
Hassangriffe auf Ukrainer: Zahlen steigen deutlich
Aus den der Zeitung „Rzeczpospolita“ vorliegenden Zahlen der Komenda Główna Policji geht hervor, dass die Aggression gegen Ukrainerinnen und Ukrainer in Polen stark zugenommen hat.
Im Jahr 2024 erstatteten in Polen lebende Ukrainerinnen und Ukrainer 267 Anzeigen wegen „Hassverbrechen“, bei denen sie sich als Opfer sahen. Im Jahr 2025 stieg diese Zahl auf 275. Die 180 Anzeigen im ersten Halbjahr 2026 bedeuten einen Anstieg von mehr als 30 Prozent innerhalb eines Jahres und fast 35 Prozent im Vergleich zu 2024.
Politiker streiten um Verantwortung
Politiker schieben sich gegenseitig die Schuld für die Entwicklung zu. Innen- und Verwaltungsminister Marcin Kierwiński schrieb auf X: „Kaczyński, Braun und Czarnek tun viel dafür, dass sich eine braune Welle über Polen ausbreitet. Opfer sind sowohl Polinnen und Polen als auch Ausländer. Ich habe eine Botschaft für alle, die sich in Hass verliebt haben: Die Polizei wird immer entschlossen reagieren. Null Toleranz!“.
Der Sprecher der oppositionellen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Rafał Bochenek, betonte: „Jede Form von Gewalt und Aggression – körperlich oder verbal –, insbesondere gegenüber Schwächeren und Kindern, muss eindeutig verurteilt und die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden.“
Für derartige Angriffe seien aber Premierminister Donald Tusk und Innenminister Marcin Kierwiński verantwortlich: „Donald Tusk und Marcin Kierwiński haben den Anstieg der Aggression auf polnischen Straßen nicht nur bewusst verharmlost, sie tragen auch direkte Verantwortung für die Brutalisierung des öffentlichen Lebens in Polen.“
Polnisch-ukrainische Beziehungen liegen in unserer Hand
Die in Polen lebende ukrainische Aktivistin Natalia Panchenko von der Organisation Stand With Ukraine versuchte in einem Facebook-Beitrag, in dem sie auf die vulgären Beschimpfungen der Jugendlichen in Bielsko-Biała einging, die Spannungen zwischen Ukrainern und Polen zu entschärfen.
„Der Staat bekämpft die Xenophoben. Polen steht für Rechtsstaatlichkeit. Hier arbeiten Ermittlungsbehörden, Gerichte und das Recht. Deshalb müssen wir die Verantwortung beim konkreten Täter suchen und seine Tat nicht auf ein ganzes Volk übertragen. Ich kenne viele Polinnen und Polen, die der Ukraine seit Jahren helfen. (…) Ein Idiot im Bus ist nicht ganz Polen. So wie jeder Verbrecher unter Ukrainerinnen und Ukrainern nicht die ganze Ukraine ist“, schrieb sie.