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Rätsel um DNA-Probe von Wal Timmy: Mehr Fragen als Antworten

So sah Timmy aus, als er vor der Insel Poel in Deutschland gesichtet wurde.
So sah Timmy aus, als er vor der Insel Poel in Deutschland gesichtet wurde. Copyright  AP Photo
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Von L.R.
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die DNA-Analyse der Proben von „Timmy“ sollte eigentlich Gewissheit über das Schicksal des Wals bringen. Stattdessen wirft das Ergebnis noch mehr Fragen auf.

Am 14. Mai war auf der dänischen Insel Anholt ein toter Buckelwal gefunden worden. Fachleute gingen schon kurz darauf davon aus, dass es sich um Timmy, den Buckelwal von der Insel Poel, handelte. Der Kadaver wurde nach mehreren Tagen an Land gezogen. Mitglieder der Wal-Initiative ließen DNA-Proben des Kadavers mit Proben vergleichen, die Timmy während seines Aufenthalts auf der Barge entnommen worden sein sollen.

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Jetzt scheint es eine erneute Wendung zu geben, auf Facebook wurde eine Pressekonferenz in Hamburg angekündigt: "Buckelwal Hope / Timmy – Verkündung DNA-Ergebnis." Teilweise wurde das Event auch beworben mit dem Versprechen: "Die Wahrheit muss endlich ans Licht".

Rätselhafte Pressekonferenz in Hamburg

Facebook-Post zur Buckelwal-Pressekonferenz
Facebook-Post zur Buckelwal-Pressekonferenz Save the Ocean

Bei der Pressekonferenz stellte die Tierärztin der Initiative, Dr. Kirsten Tönnies, am Mittwoch in Hamburg die Ergebnisse einer DNA-Analyse vor. Nach ihren Angaben wurden die Proben in China analysiert, da sich kein deutsches Labor bereit erklärt habe, die Untersuchung zu übernehmen.

Die Proben, die der Wal-Experte Jeff Forster entnommen hat, stimmen aber anscheinend nicht mit der DNA des toten Wals auf der Insel Anholt überein.

Die Proben seien so unterschiedlich, dass es den Anschein habe, es handele sich um unterschiedliche Tierarten. Unklar bleibt, ob die Proben korrekt entnommen, aufbewahrt und ausgewertet wurden: Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern und das Meeresmuseum in Stralsund entnahmen keine Proben. Es gab auch keine unabhängigen Zeugen für die DNA-Entnahme.

Die Probe aus Anholt stamme demnach von einem Buckelwal, die DNA-Probe von der Barge weise jedoch nicht den erwarteten Übereinstimmungswert auf.

"Die Qualität der Proben und der Analysen ist gut", betonte Tönnies. Dies sei auch von dem chinesischen Labor bestätigt worden. Unklar sei jedoch, welches DNA-Material tatsächlich von der Barge zur Untersuchung eingereicht worden sei. Bei der Probenentnahme sei sie selbst nicht dabei gewesen. Derzeit könne sie sich "nicht erklären, wie es dazu kommt", dass die Ergebnisse derart voneinander abweichen.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) und das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund, das die Untersuchungen zum gestrandeten Wal wissenschaftlich begleitet hatte, waren bei der Konferenz nicht vertreten, ebenso wenig wie die Geldgeber der "Wal-Rettungsaktion".

Nach Angaben von Tönnies habe wegen der kurzfristigen Ankündigung niemand aus dem Ministerium teilnehmen können.

Die Laboranalyse sei automatisiert und verblindet durchgeführt worden, erklärte Tönnies. Den Namen des chinesischen Labors sowie der deutschen Expertengruppe, die sie bei der Auswertung der Ergebnisse unterstützt habe, wollte die Tierärztin nicht nennen. Die Gruppe fürchte mögliche persönliche Konsequenzen. Tönnies betonte zudem, dass sie selbst nicht über die erforderliche Fachkenntnis verfüge, um die Analyseergebnisse eigenständig zu bewerten.

Die DNA ist nur ein Element. Zur Erinnerung: der Tracker, den die Timmy-Retter an dem Tier befestigt hatten, wurde bei dem toten Wal auf Anholt gefunden. Und viele Verletzungen stimmten mit denen überein, die der Wal auf Poel hatte. Der Wal-Forscher und Biologe Fabian Ritter weist zudem darauf hin, dass die Form der Schwanzflosse die Identität des Tieres bestätige: "Es handelt sich um dasselbe Individuum. Man erkennt ganz klar den individuellen Kantenverlauf am hinteren Ende der Fluke."

Der Meeresbiologe Fabian Ritter äußerte sich bei der Bild-Zeitung kritisch zur Pressekonferenz: Inhaltlich wolle er sie zwar nicht kommentieren. Sie vermittle jedoch denselben Eindruck wie die angebliche "Rettung" der Privatinitiative von Beginn an – aus seiner Sicht unprofessionell, intransparent, widersprüchlich und deshalb wenig glaubwürdig. Er frage sich, warum die Pressekonferenz überhaupt stattgefunden habe. Für ihn sei das Ganze nicht ernst zu nehmen.

Was bleibt, ist offenbar viel Raum für Spekulationen - und für Verschwörungstheorien.

Der als "Timmy" bzw. "Hope" bekannte Buckelwal war im März erstmals in der westlichen Ostsee gesichtet worden. Nachdem er gestrandet war und sich nicht aus eigener Kraft zurück ins offene Meer bewegen konnte, startete Ende April eine privat finanzierte Rettungsaktion. Der Wal wurde in einer mit Wasser gefüllten Barge, einem Lastkahn, in ein Meeresgebiet zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden gebracht und dort freigelassen.

Etwa zwei Wochen später wurde vor der dänischen Insel Anholt der Kadaver eines Buckelwals entdeckt. Die dänischen Behörden bestätigten, dass es sich um dasselbe Tier handelte.

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