Loader
Finden Sie uns
Werbung

Rekordhitze in Europa: Vier Zahlen, die das Ausmaß der Krise zeigen

Europas Juni-Hitzewelle in vier Kennzahlen
Europas Juni-Hitzewelle in vier Zahlen Copyright  @Leo Arnoux
Copyright @Leo Arnoux
Von Tamsin Paternoster & Leo Arnoux
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Westeuropa erlebt einen historischen Hitzesommer: Rekordtemperaturen, Tausende zusätzliche Todesfälle und milliardenschwere Ernteverluste. Vier Zahlen erklären das Ausmaß der Hitzewelle.

In Westeuropa war der Juni so heiß wie nie zuvor seit Beginn der Messungen. Langanhaltende Hitzeperioden trieben die Temperaturen in mehreren Ländern auf bislang unerreichte Werte.

WERBUNG
WERBUNG

Die Folgen gingen weit über bloße Unannehmlichkeiten hinaus: Gesundheitssysteme gerieten unter Druck, viele Feldfrüchte wurden beschädigt. Vier Kennzahlen zeigen, wie groß die Hitzewelle in der Region war.

Durchschnittstemperatur: 20,74 Grad

Nach Angaben des EU-Klimadienstes Copernicus verzeichnete Westeuropa den heißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur lag bei 20,74 Grad Celsius.

Damit lag der Monat 3,06 Grad über dem Juni-Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 und übertraf den bisherigen Rekord aus dem Juni 2025. Europaweit war es der zweitwärmste Juni seit Beginn der Messungen. England und Frankreich meldeten jeweils ihren heißesten Juni überhaupt.

In Deutschland war der Monat der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, zudem wurde ein neuer landesweiter Temperaturhöchstwert erreicht.

Das Thermometer einer Drogerie zeigt eine Temperatur von 38 Grad Celsius (100 Grad Fahrenheit), während in Rom am Mittwoch, dem 24. Juni 2026, Rekordwerte erreicht werden.
Das Thermometer einer Drogerie zeigt eine Temperatur von 38 Grad Celsius (100 Grad Fahrenheit), während in Rom am Mittwoch, dem 24. Juni 2026, Rekordwerte erreicht werden. AP Photo

10.000: Mehr Todesfälle durch die Hitze

EuroMOMO, das europäische Mortalitätsmonitoring, registrierte während der Hitzewelle Ende Juni mehr als 10.000 zusätzliche Todesfälle. Mehr als 9.000 der Verstorbenen waren 65 Jahre oder älter. Frankreich allein verzeichnete mindestens 5.764 zusätzliche Todesfälle.

Die französische Gesundheitsbehörde erklärte, die Zahl der Todesfälle habe 36 Prozent über dem erwarteten Wert gelegen und sei die höchste seit der Hitzewelle im Jahr 2003. Die hohe Zahl der Todesopfer hat die Debatte über Frankreichs Vorbereitung auf Extremhitze neu entfacht.

Trotz der umfassenden Reformen nach 2003 werfen Kritiker der Regierung vor, weiterhin zu wenig zu tun, um die Bevölkerung vor den schwerwiegendsten Folgen zu schützen. Ende Juni berief Premierminister Sébastien Lecornu eine Krisensitzung der Regierung ein, um zu beraten, wie sich das Land besser auf künftige Hitzewellen vorbereiten kann.

Erwarteter Schaden bei Getreideernte: 2 Milliarden Euro

Eine Analyse der unabhängigen Nichtregierungsorganisation Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) kommt zu dem Ergebnis, dass die Hitzewelle im Juni den Wert der europäischen Getreideernte um rund 2 Milliarden Euro verringern könnte. Fast drei Viertel der geschätzten Verluste entfallen auf Frankreich und Ungarn.

In Frankreich wurde die Prognose für die Getreideernte um 4,1 Millionen Tonnen nach unten korrigiert – das entspricht einem Wert von rund 891 Millionen Euro. Grund dafür ist die extreme Hitze, die Weizen- und Maisbestände bereits in ihrer frühen Entwicklungsphase geschädigt hat. Auch Ungarn ist stark betroffen. Schätzungen zufolge gehen dort 2,4 Millionen Tonnen Getreide im Wert von 444 Millionen Euro verloren.

Tom Lancaster, Analyst bei der ECIU, sagte, die Hitzewelle sei zu einem "schrecklichen Zeitpunkt für Europas Getreidebauern" gekommen. Sie habe die Entwicklung der Pflanzen beeinträchtigt und die Erträge auf dem gesamten Kontinent verringert. "Das trifft die Landwirte direkt finanziell, schmälert ihr Einkommen und schwächt zugleich die europäische Ernährungssicherheit", sagte er. Nach Einschätzung der ECIU wird Europa durch die Ernteverluste stärker auf Importe angewiesen sein. Je nach Ernteergebnissen auf der Südhalbkugel im weiteren Jahresverlauf könnten zudem die weltweiten Rohstoffpreise steigen.

Drei Hitzewellen in drei Monaten

Forscher warnen, dass die Hitzewelle im Juni kein Einzelfall war. Der Copernicus-Klimadienst dokumentierte im Mai, Juni und Anfang Juli schwere Hitzewellen in Westeuropa. Rekordhohe Meerestemperaturen trugen dazu bei, die extremen Bedingungen weiter zu verschärfen. Für diese Woche wird bereits die nächste Hitzewelle in Europa erwartet.

Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems gelten bereits Feuerwarnungen für Teile Südwestfrankreichs und Nordspaniens. Auch im Vereinigten Königreich und in Portugal werden deutlich steigende Temperaturen erwartet. Die jüngste Hitzeperiode hat in Frankreich und Spanien zahlreiche Waldbrände ausgelöst. Besonders betroffen sind die Gebiete rund um die spanische Hauptstadt Madrid, wo die Behörden vor den schlimmsten Bränden warnen, die die Region je erlebt hat.

Laut dem Bericht European State of the Climate 2025 ist Europa der Kontinent, der sich weltweit am schnellsten erwärmt. Die Temperaturen steigen hier etwa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Dem Bericht zufolge werden Hitzewellen mit fortschreitender Erderwärmung häufiger und intensiver auftreten – und zwar sowohl früher im Jahr als auch später im Herbst.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Frankreich verzeichnet über 5.800 Todesfälle mehr bei Junihitzewelle

„Es wird noch schlimmer“: Rekordhitze in der fast kältesten Hauptstadt der Welt

Hitze und Krieg treiben Lebensmittelpreise: Droht 2027 der nächste Preisschock?