Loader
Finden Sie uns
Werbung

Mutmaßliche Schleusertunnel: Litauen entdeckt unterirdische Gänge an Belarus-Grenze

Litauisch-belarussische Grenze: Sicherheitskräfte entdecken unterirdischen Tunnel
Litauen-Belarus-Grenze: Unterirdischer Tunnel entdeckt Copyright  vsat.lrv.lt
Copyright vsat.lrv.lt
Von Glogowski Pawel
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Litauische Grenzschützer haben an der Grenze zu Belarus zwei unvollendete Tunnel entdeckt. Nach Einschätzung der Behörden sollten die unterirdischen Gänge als Vorbereitung für organisierte illegale Grenzübertritte in die EU dienen.

In der vergangenen Woche haben Einsatzkräfte im Grenzgebiet von Varėna im Südosten Litauens einen ungewöhnlichen Fund gemacht.

WERBUNG
WERBUNG

Beamte der litauischen Grenzschutzbehörde VSAT schlugen Alarm, weil Messgeräte nahe der Grenze ungewöhnliche Bodenerschütterungen registrierten. Die Signale deuteten auf Erdarbeiten auf der Seite von Belarus hin. Auch polnische Grenzschützer rückten an und brachten Spezialtechnik mit, um unterirdische Durchgänge aufzuspüren. Ein Bohrloch bestätigte den Verdacht: Unter der Oberfläche verlief ein ausgehobener Tunnel.

Nach Angaben der VSAT verläuft der Tunnel in rund eineinhalb Metern Tiefe und misst etwa einen Meter im Durchmesser. Beim Fund endete er noch vor der litauischen Seite, ein Ausgang existierte nicht. Er war deshalb noch nicht für eine Grenzüberquerung nutzbar. Medienberichten zufolge waren bereits rund fünf Meter eines unterirdischen Korridors ausgehoben.

Nach dem Fund des ersten, noch nicht fertiggestellten Tunnels kontrollierten die Grenzschützer weitere Abschnitte entlang der Linie. Am Sonntagabend stießen sie bei einer Kontrolle nahe des Dorfes Pertakas im Bezirk Lozdzieje auf eine weitere Stelle, an der von der belarussischen Seite aus unterirdisch gegraben worden war.

Am litauischen Ufer eines Baches, rund neuneinhalb Meter von der physischen Grenzbarriere entfernt, stellten VSAT-Beamte einen weiteren, unvollendeten Tunnel fest. Er erstreckte sich über etwa elf Meter. Nach ersten Erkenntnissen sollte er unter der Patrouillenstraße hindurchführen und ein unbemerktes Eindringen tiefer nach Litauen ermöglichen. Am Tunneleingang lagen Holzbohlen, vermutlich zur Stabilisierung der Wände, sowie ein Haufen ausgehobenen Sandes. Im Inneren fanden die Beamten außerdem mehrere Eimer.

Unterirdische Tunnel an litauisch-belarussischer Grenze entdeckt.
Unterirdische Tunnel an litauisch-belarussischer Grenze entdeckt. https://vsat.lrv.lt/

An der betreffenden Stelle markiert ein kleiner, namenloser Bach die Grenze zwischen Belarus und Litauen. Wegen des instabilen Bodens steht die eigentliche Grenzbarriere aus Metallzaun und Stacheldraht jedoch etwas versetzt zur Grenzlinie auf litauischer Seite.

Beim Näherkommen der Grenzschützer zogen sich rund zwanzig Menschen wieder auf das Gebiet von Belarus zurück.

Tunnel noch nicht fertig

Die Tunnel waren noch nicht fertiggestellt und erreichten somit noch keinen Ausgang auf litauischer Seite.

Nach Abschluss der Ermittlungsmaßnahmen haben die litauischen Behörden die Tunnel wieder verfüllt und ein Vorverfahren wegen illegalen Baus eines unterirdischen Grenzübergangs eingeleitet. Das litauische Recht sieht für eine solche Straftat Geldstrafen beziehungsweise Haft von bis zu zwei Jahren vor.

Nach Einschätzung der VSAT sollten die Tunnel als Vorbereitung für organisierte, illegale Grenzübertritte von Migranten dienen. Die litauischen Dienste betonen, dass ähnliche Konstruktionen bereits früher an der Grenze zu Litauen und Polen für den Schmuggel von Menschen und Waren genutzt wurden.

Migrationsdruck verlagert sich

Die Behörden registrieren immer mehr Versuche, über die belarussisch-litauische Grenze in die Europäische Union zu gelangen. Die Zahl der illegalen Versuche, die Grenze zwischen Polen und Belarus zu überschreiten, geht indes deutlich zurück.

Daten der polnischen Grenzschutzbehörde und der EU-Agentur Frontex zeigen, dass sich die Lage an der Ostgrenze Polens nach einem Rekordanstieg im Jahr 2024 deutlich verbessert hat.

Der wichtigste Faktor ist der Ausbau der technischen Sicherungssysteme. Polen hat den Bau einer Stahlbarriere abgeschlossen und entwickelt konsequent ein elektronisches Überwachungssystem mit Kameras, Sensoren und Bewegungsmeldern. Dadurch hat sich die Aufklärungsquote bei illegalen Grenzübertritten deutlich erhöht.

Eine wichtige Rolle spielt zudem, dass mehr Beamte des Grenzschutzes und Soldaten der polnischen Armee im Einsatz sind und Polen in besonders gefährdeten Abschnitten eine Pufferzone eingerichtet hat.

Seit 2021 sieht sich Litauen, ebenso wie Polen und Lettland, mit verstärkten Versuchen konfrontiert, die Grenze zu Belarus illegal zu überschreiten. Die Regierungen dieser Länder und Institutionen der Europäischen Union werfen der Regierung von Alexander Lukaschenko immer wieder vor, Migration gezielt als Instrument politischen Drucks auf die EU einzusetzen.

Die litauischen Behörden haben weitere Kontrollen im Grenzgebiet und eine engere Zusammenarbeit mit Polen und den übrigen Staaten der Region angekündigt. Die Ermittlungen zur aktuellen Tunnelbau-Affäre laufen. Sie sollen klären, wer für das unterirdische Durchgangsprojekt verantwortlich ist und ob Verbindungen zu Netzwerken bestehen, die sich auf den Schmuggel von Menschen spezialisiert haben.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Ballonschmuggler-Bande aus Belarus gefasst

Geheimtunnel von Belarus nach Polen: 180 Migranten entdeckt

Polnische Grenzschutzbeamte entdecken Tunnel zwischen Belarus und Polen