Polen weist einen 34-jährigen Kolumbianer aus, der im früheren Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau den Nazi-Gruß gezeigt hatte. Er muss außerdem eine Geldstrafe zahlen.
Vor rund zwei Wochen hatte der Kolumbianer auf dem Gelände des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau den Hitlergruß gezeigt, und ein Bekannter hatte dies mit dem Handy aufgenommen.
Nachdem die Polizei von dem Vorfall erfahren hatte, leitete sie Ermittlungen wegen öffentlicher Propagierung des Nationalsozialismus und wegen Schändung eines Ortes ein, der dem Gedenken an die Opfer des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau gewidmet ist.
Der Kolumbianer gestand und unterzog sich freiwillig der Strafe. Ein Gericht verhängte eine Geldstrafe von 2.000 Zloty gegen ihn, umgerechnet 464 Euro, und nach Abschluss des Verfahrens am 29. Juli übergaben die Beamten den Mann der Grenzschutz-Dienststelle in Krakau, die die Ausweisung anordnete. Zudem verhängten die Behörden ein Einreiseverbot nach Polen und in die Schengen-Staaten für fünf Jahre.
Diese Entscheidung gilt mit sofortiger Wirkung. Die Grenzschutzbehörde begründet sie mit Sicherheitsaspekten, dem Schutz der öffentlichen Ordnung und den Interessen der Republik Polen. Bis zur Durchführung der Ausweisung bleibt der Kolumbianer im Bewachten Ausländerzentrum in Przemyśl im Südosten des Landes.
Vor seiner Festnahme lebte der Mann legal in Polen und arbeitete für ein Unternehmen in der Woiwodschaft Großpolen.
Auschwitz: Gedenkort auf der UNESCO-Liste
Der Fall des Kolumbianers macht deutlich, dass das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau auch heute, mehr als achtzig Jahre später, eine Gedenkstätte unter besonderem Schutz ist, an der die polnischen Behörden entwürdigendes, respektloses Verhalten nicht dulden.
Die deutschen Nationalsozialisten hatten nach der Besetzung Polens das Lager Auschwitz 1940 errichtet. Zunächst diente es vor allem der Inhaftierung von Polinnen und Polen. 1942 kam das Lager Auschwitz II-Birkenau hinzu. Es wurde zum Zentrum der massenhaften Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Zu dem Komplex gehörte ein weit verzweigtes System von Nebenlagern.
In Auschwitz ermordeten die deutschen Nationalsozialisten mindestens 1,1 Millionen Menschen, überwiegend Jüdinnen und Juden. Von den rund 140.000 bis 150.000 dorthin deportierten Polinnen und Polen kam fast die Hälfte ums Leben. Zu den Opfern des Lagers zählten auch Roma, sowjetische und andere ausländische Kriegsgefangene.
1947 entstand auf dem Gelände der ehemaligen Lager Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau ein Museum zum Gedenken an die Opfer deutscher Verbrechen. 1979 nahm die UNESCO das ehemalige Lager Auschwitz als einzigen Ort dieser Art in die Welterbeliste auf.