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Exklusivinterview mit Estlands Ex-Präsidenten: CIA-Chef Ratcliffe reiste wegen Iran nach Moskau

CIA-Direktor John Ratcliffe verfolgt eine Anhörung des Geheimdienstausschusses des US-Repräsentantenhauses zu globalen Bedrohungen am Donnerstag, 19. März 2026.
CIA-Direktor John Ratcliffe hört bei einer Anhörung des Geheimdienstausschusses des US-Repräsentantenhauses zu, zu weltweiten Bedrohungen, Donnerstag, 19. März 2026 Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Sasha Vakulina
Zuerst veröffentlicht am
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Der frühere estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves sagte Euronews, Ratcliffes Gespräche in Moskau hätten eher den Iran betroffen als Warnungen vor Aggressionen im Baltikum. Russlands Kalkül in der Region sei unverändert.

Der frühere estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves, eine einflussreiche Stimme in den sicherheitspolitischen Debatten Europas, hat bei Euronews Zweifel geäußert, dass die USA CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau geschickt haben, um Russland vor einer Eskalation zu warnen.

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Aus seiner Sicht ist Washington weiterhin vor allem wegen Iran in Sorge.

In einem Exklusivinterview mit Euronews sagte Ilves, er habe „schwere Zweifel“ daran, dass Sorgen um die baltischen Staaten der Anlass für Ratcliffes Reise waren. Dies gelte trotz zahlreicher Berichte, nach denen Washington Moskau ein Signal gegen jede Form von Aggression senden wollte.

„Was ist im Moment das wirkliche Problem für die Vereinigten Staaten? Das wirkliche Problem ist Iran, nämlich dass die Russen den Iranern Zielinformationen liefern“, sagte er.

„Das sind echte Probleme für die USA, und allein das reicht aus, damit der CIA-Direktor nach Moskau fliegt und ihnen sagt, sie sollen sich zurückhalten.“

US-Medien berichteten, Ratcliffe sei entsandt worden, um Moskau vor Angriffen auf NATO-Mitglieder zu warnen. Hintergrund seien Befürchtungen, Russland könnte das Bündnis testen, etwa mit einem Angriff auf Estland, Lettland oder Litauen.

Ilves stellte diese Darstellung infrage und sagte, es habe „keine Änderung der US-Bedrohungsanalyse für die baltischen Staaten“ gegeben.

„Wenn der Zweck wirklich gewesen wäre, den Russen zu sagen, sie sollen in den baltischen Staaten nichts unternehmen, wie behauptet wurde, dann würde man hier auch etwas davon merken.“

Auch Estlands Außenminister Margus Tsahkna sagte am Donnerstag, die Bedrohungsanalyse des Landes habe sich „nicht verändert“. Zugleich betonte er, mögliche russische Provokationen gegen die NATO müssten ernst genommen werden.

„Wir bleiben wachsam, doch Estlands Bedrohungsanalyse hat sich nicht geändert“, sagte Tsahkna.

Ratcliffe reiste in dieser Woche zu vertraulichen Gesprächen mit Vertretern der russischen Geheimdienste nach Moskau, traf nach Berichten jedoch nicht Präsident Wladimir Putin. Er kam allerdings mit Sergej Naryschkin zusammen, dem Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR.

Ilves vermutete, die Darstellung, Ratcliffes Besuch habe den baltischen Staaten gegolten, könne dazu dienen, vom eigentlichen Thema der Gespräche abzulenken.

„Ich glaube nicht, dass es eine Scheinoperation ist, sondern eher eine erfundene Geschichte, um vom wirklichen Problem abzulenken, mit dem die USA derzeit konfrontiert sind“, sagte er.

Der ehemalige estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves während eines Interviews mit der Nachrichtenagentur AP in Tallinn, Estland, am Donnerstag, 16. Mai 2024
Der ehemalige estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves während eines Interviews mit der Nachrichtenagentur AP in Tallinn, Estland, am Donnerstag, 16. Mai 2024 AP Photo

„Das ist alles Spin“

Auch Berichte über eine wachsende militärische Bedrohung der baltischen Staaten durch Russland sieht der frühere estnische Präsident äußerst skeptisch.

Auf die zahlreichen Warnungen der vergangenen Monate angesprochen, Moskau könne gegen Estland, Lettland oder Litauen eskalieren, sagte Ilves: „Ich halte das alles für Spin.“

„Warum sollten sie gerade jetzt irgendetwas in den baltischen Staaten unternehmen?“

Ilves argumentierte, Russland habe aus strategischer Sicht wenig Anlass, eine direkte Konfrontation mit der NATO zu riskieren, da es im Krieg gegen die Ukraine feststeckt.

„Warum sollte man davon ablenken und einen Krieg mit der NATO riskieren, wenn man in der Ukraine in einer Patt-Situation steckt?“, sagte er.

Sollte Moskau eine weitere Front eröffnen wollen, hätte Russland nach Ansicht von Ilves mehrere Nachbarn außerhalb von NATO und Europäischer Union, in denen ein Eingreifen deutlich weniger riskant wäre.

„Es gibt so viele Länder an Russlands Grenze, die nicht in der NATO sind, nicht in der EU“, sagte er und verwies auf Staaten entlang der südlichen Flanke Russlands. „Sie können dort alles Mögliche tun, von Armenien bis Tadschikistan.“

Ilves stellte zudem infrage, warum Russland ausgerechnet im Baltikum die NATO militärisch testen sollte, wo jeder Angriff rasch zu einem deutlich größeren Konflikt eskalieren könnte.

Auf die Frage, ob Russland von einer Konfrontation mit der NATO in der Region abgeschreckt sei, sagte Ilves, es gehe nicht darum, ob Moskau Angst habe, sondern darum, warum der Kreml ein solches Risiko eingehen sollte.

„Finnland wäre sofort hineingezogen. Wenn Finnland etwas unternimmt, ist Schweden dabei, Dänemark ist dabei, Polen wäre dabei“, sagte er.

Besonders Polen, so Ilves, habe eine der größten Armeen Europas aufgebaut und grenzt direkt an Litauen.

Warnung an Moskau: „Wenn ihr so weitermacht, werden wir X tun“

Falls es in Ratcliffes Gesprächen tatsächlich um Iran ging, rechnet Ilves damit, dass der CIA-Direktor eine Warnung überbracht hat, untermauert mit der Drohung möglicher US-Maßnahmen.

„Ratcliffe ist viel zu klug, um zu sagen: ‚Oh, bitte, bitte, macht nichts‘ oder: ‚Bitte hört auf, ihnen Satelliteninformationen zu schicken.‘“

„Ich bin sicher, sie haben etwas gesagt wie: ‚Nun, wenn ihr mit diesen Aktivitäten fortfahrt, werden wir X tun.‘“

Ilves äußerte deutlich größere Zweifel, dass die Ukraine Teil eines möglichen Deals zwischen Washington und Moskau über Russlands Rolle im Iran-Konflikt sein könnte.

„Angesichts der Tatsache, wie wenig die Vereinigten Staaten derzeit in der Ukraine tatsächlich tun, kann ich mir das nicht vorstellen“, sagte er. „Was soll man da sagen? ‚Wir geben euch dies, wenn ihr uns Iran gebt?‘ Was haben sie in der Ukraine überhaupt anzubieten?“

Ilves betonte, dass Europa inzwischen den Großteil der Last bei der Unterstützung der Ukraine trägt, einschließlich der Bezahlung für US-Waffen, die nach Kyjiw geliefert werden.

„Seit Januar 2025 hat es keine wirklich umfassende Unterstützung für die Ukraine gegeben. Die ganze Last liegt auf den Schultern der Europäer“, sagte er.

Nach seiner Einschätzung bleibt Washington deshalb nur wenig, was es Moskau auf Kosten der Ukraine anbieten könnte.

„Ich sehe nicht, dass die USA da viel in der Hand haben.“

Mit Verweis auf Donald Trumps eigene Sprache über Verhandlungsvorteile fügte Ilves hinzu: „Die Karten haben sie nicht.“

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