Zuletzt war von mehr als 540 Opfern die Rede. Die Rettungskräfte waren am Freitag weiter auf der Suche nach Verschütteten. Nepalesische und chinesische Behörden warnten vor weiteren Überschwemmungen durch einen neu entstandenen See.
Nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde (NDRRMA) vom Freitag ist die Zahl der Todesopfer zuletzt auf 538 gestiegen. Die Zahl umfasst sowohl die Todesopfer in Rasuwa als auch diejenigen, deren Leichen in weit flussabwärts gelegenen Distrikten geborgen wurden. Die nepalesische Polizei aktualisierte die Angaben später und sprach von 547 Toten. Die Zahl dürfte weiter nach oben korrigiert werden.
Die Behörden suchten zuletzt weiter nach Hunderten Vermissten. Nepalesische und chinesische Behörden warnten vor weiteren Überschwemmungen durch einen See, der sich nach der Katastrophe am Mittwoch flussaufwärts gebildet hatte und bereits über die Ufer getreten war. Sie riefen die Bevölkerung in potenziell betroffenen Gebieten dringend dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen.
Einem Bericht der Zeitung The Kathmandu Post zufolge wird vielerorts der Platz zur Unterbringung von Leichen knapp, so im Distrikt Chitwan. Deswegen würden provisorische Lagerräume eingerichtet. Die Stadtverwaltung von Bharatpur übernehme die Instandsetzung und Ausstattung eines Gebäudes zu diesem Zweck.
Deutsche gelten weiter als vermisst
Nach der Rettung einer vierköpfigen deutschen Familie per Hubschrauber galten zuletzt weitere Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft als vermisst. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes stehen die Botschaften in Kathmandu und in Peking in Kontakt mit den Familen weiterer deutscher Vermisster. Es handele sich um eine niedrige zweistellige Zahl von Vermissten. Das Auswärtige Amt informiert auf seiner Internetseite über eine Hotline des nepalesischen Außenministerium für Familenangehörige.
Dramatische Lage im Himalaya
Die Rettung der Familie ist ein Hoffnungsschimmer inmitten einer der schwersten Naturkatastrophen der Region. Eine gewaltige Sturzflut hatte am 26. August Teile des Himalaya-Grenzgebiets zwischen Nepal und China verwüstet. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde die Flut durch einen Eis- und Felsabgang beziehungsweise den Zusammenbruch eines Gletschers ausgelöst. Wassermassen, Schlamm und Geröll rissen Menschen, Tiere, Häuser, Straßen und Brücken mit sich.
Besonders betroffen sind die nepalesischen Distrikte Rasuwa, Nuwakot und Dhading. Die Zerstörungen erschweren die Rettungsarbeiten erheblich. Viele Gebiete sind auf dem Landweg kaum noch erreichbar, deshalb spielen Hubschrauber bei der Evakuierung von Überlebenden und beim Transport von Hilfsgütern eine wichtige Rolle.
Rettungskräfte kämpfen gegen die Zeit
Die Such- und Rettungsmaßnahmen laufen unter schwierigsten Bedingungen weiter. Nepalesische Einsatzkräfte setzen neben den Hubschraubern auch Bodentruppen ein, um Menschen aus abgeschnittenen Regionen zu holen. Nach Angaben internationaler Medien wurden bereits Tausende Menschen aus den betroffenen Gebieten gebracht.
Die betroffene Region ist ein beliebtes Wandergebiet und zugleich ein wichtiger Pilgerweg für Buddhisten und Hindus, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet reisen. Bereits im Juli 2025 hatte eine schwere Flut in der Region Todesopfer gefordert und eine Brücke zerstört. Nach Angaben nepalesischer Medien war damals am Oberlauf des Lhende-Flusses in Tibet ein Gletschersee plötzlich übergelaufen und hatte große Wassermassen in den Bhotekoshi-Fluss geleitet.