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Irlands Bevölkerungswachstum: Sind 99 % auf Ausländer zurückzuführen?

Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen die jährliche St.-Patrick’s-Day-Parade in Boston, USA, 2016.
Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen die jährliche St.-Patrick’s-Day-Parade in Boston, USA, 2016 Copyright  AP/Steven Senne
Copyright AP/Steven Senne
Von Alessio Dell'Anna & James Thomas
Zuerst veröffentlicht am
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Kurz gesagt lautet die Antwort: Nein. Die Behauptung ist zwar falsch, kommt der Realität aber insofern nahe, als Migration tatsächlich für den Großteil des Bevölkerungswachstums verantwortlich war.

Die sinkenden Geburtenraten in der EU machen zunehmend deutlich, wie stark Migration die Bevölkerungsentwicklung prägt.

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Seit 2012 sterben in der EU jedes Jahr mehr Menschen, als geboren werden. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Neugeborenen mit 3,46 Millionen auf dem niedrigsten bisher gemessenen Stand. Zuwanderung bremst diesen demografischen Rückgang zwar. Doch die Zahlen, die im Internet kursieren, stimmen nicht immer.

Ein Beispiel ist dieses Video, das der britische rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson verbreitet hat. Es wurde fast 700.000-mal angesehen und behauptet, dass das Bevölkerungswachstum im vergangenen Jahr fast ausschließlich auf Ausländer zurückzuführen sei.

Quellen nennt das Video nicht. Daten des irischen Central Statistics Office zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Zunächst einmal wurden die meisten Kinder – rund 70 Prozent – von irischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern geboren. Dieser Anteil ist allerdings deutlich gesunken. 2022 lag er noch bei 76 Prozent.

Geburten von irischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern 2022 bis 2025
Geburten von irischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern 2022 bis 2025 Ireland's Central Statistics Office

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Migration.

Die jüngsten Schätzungen für den Zeitraum von April 2025 bis April 2026 gehen von einem Nettozuzug von rund 53.000 Menschen ohne irische Staatsangehörigkeit aus. Damit machten sie etwa 72 Prozent des gesamten Bevölkerungswachstums aus. Gleichzeitig verließen mehr irische Staatsbürger das Land, als zurückkehrten. Unterm Strich ergibt sich ein Minus von rund 5.000 Personen.

Zum Vergleich: Die Bevölkerung Irlands wuchs zwischen April 2025 und April 2026 um knapp 67.000 Menschen. Etwa 28 Prozent dieses Zuwachses entfielen auf das "natürliche Wachstum" – also darauf, dass es fast 19.000 mehr Geburten als Todesfälle gab. Zuwanderung trägt damit erheblich zum Bevölkerungswachstum in Irland bei.

Das bestätigt auch Eurostat. Die Statistikbehörde zählt Irland zu den Ländern, in denen das Bevölkerungswachstum vor allem auf einen positiven Wanderungssaldo zurückgeht. In Ländern wie Spanien, Portugal, dem Vereinigten Königreich und Frankreich ist dieser Effekt noch stärker. Dort beruhte das Bevölkerungswachstum im vergangenen Jahr laut Eurostat ausschließlich auf einem positiven Wanderungssaldo. In keinem der von Eurostat untersuchten Länder wächst die Bevölkerung ausschließlich durch natürliche Veränderungen.

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