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Marokko erhebt Anspruch: Was hinter dem Streit um Ceuta und Melilla steckt

Abbildung einer Karte mit den spanischen autonomen Städten Ceuta und Melilla.
Kartenabbildung mit den spanischen Autonomiestädten Ceuta und Melilla. Copyright  Wikimedia Commons/Canva
Copyright Wikimedia Commons/Canva
Von Maria Muñoz Morillo
Zuerst veröffentlicht am
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Nach dem Ansturm auf die Grenze bei Ceuta fordern marokkanische Politiker erneut, die Stadt solle zu Marokko gehören. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Spanien regiert dort schon länger, als es den modernen marokkanischen Staat überhaupt gibt.

„Ceuta und Melilla sind nicht nur spanisch, sie sind zutiefst spanisch und unantastbar", erklärte Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles wenige Tage nach dem Ansturm irregulärer Migranten aus Marokko auf die spanische Grenze im vergangenen Juli.

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Die Frage der Souveränität über Ceuta und Melilla kehrt regelmäßig in die öffentliche Debatte zurück. Auslöser sind Forderungen aus Rabat und steigende Migrationsspannungen an der nordafrikanischen Grenze. Nach der Krise in Ceuta nutzten mehrere marokkanische Politiker die Gelegenheit und forderten, die beiden spanischen Autonomstädte sollten Teil Marokkos werden.

Die Darstellung, beide Städte seien koloniale Überbleibsel, dient häufig als politisches Argument. Geschichte, Völkerrecht und die Vereinten Nationen widerlegen diese These jedoch.

Seit wann gehören die Städte zu Spanien

Um den besonderen Status der beiden Städte zu verstehen, muss man ins 15. und 16. Jahrhundert zurückgehen. Damals gab es den Begriff Kolonialismus in seiner heutigen Bedeutung noch nicht.

Melilla wurde am 17. September 1497 in die Krone von Kastilien eingegliedert. Die Expedition stand unter dem Kommando von Pedro de Estopiñán und war von den katholischen Königen Isabella und Ferdinand genehmigt. Ihr Ziel war rein defensiv: die Straße von Gibraltar zu sichern und die spanische Festlandsküste vor berberischer Piraterie zu schützen.

Ceuta eroberte Portugal im Jahr 1415. 1580 gelangte die Stadt mit der dynastischen Union unter Philipp II., der den portugiesischen Thron geerbt hatte, unter spanische Souveränität. Als Portugal 1640 erneut unabhängig wurde, entschied sich Ceuta bewusst dafür, bei der hispanischen Monarchie zu bleiben. Der Vertrag von Lissabon von 1668 bestätigte diese Entscheidung völkerrechtlich.

Beide Städte stehen seit zwischen 358 und 529 Jahren ununterbrochen unter spanischer Souveränität und gehörten nie zum Königreich Marokko.

Fliesentableau von Jorge Colaço (1864-1942) im Bahnhof São Bento, das Prinz Heinrich den Seefahrer während der Eroberung Ceutas zeigt.
Fliesentableau von Jorge Colaço (1864-1942) im Bahnhof São Bento, das Prinz Heinrich den Seefahrer während der Eroberung Ceutas zeigt. Wikimedia Commons

Gab es Marokko schon damals

Nein, jedenfalls nicht als geeinter moderner Staat. Die Alaouiten-Dynastie, die das Land heute unter Mohamed VI. regiert, bestieg erst 1666 den Thron. Das bedeutet: Melilla gehörte bereits seit mehr als 160 Jahren zur kastilischen Krone, bevor sich die Dynastie etablierte, die als Stammhaus des modernen Marokko gilt.

Wachstum im 19. Jahrhundert und das Protektorat

Historiker verweisen auf einen wichtigen Punkt: Rund 90 Prozent der heutigen bebauten Fläche beider Städte geht auf Gebietserweiterungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert zurück. Diese Phase fiel mit der europäischen Expansion in Afrika und mit dem spanischen Protektorat in Marokko von 1912 bis 1956 zusammen.

Die Städte wuchsen durch Grenzverträge deutlich an. Ihre Souveränität bestand jedoch bereits seit rund drei Jahrhunderten, und sie wurden nie als zeitweilige Kolonie verwaltet, sondern als nationales Staatsgebiet. Dennoch gibt es einen wichtigen juristischen Unterschied: Der Souveränitätstitel über das ursprüngliche Gebiet entstand mehrere Jahrhunderte vor der marokkanischen Unabhängigkeit. Zudem gehörten weder Ceuta noch Melilla jemals zum Protektorat. Während marokkanisches Territorium zeitweise unter befristeter Verwaltung stand, behielten beide Städte ununterbrochen ihren Status als nationales Territorium unter voller spanischer Souveränität.

Was die Vereinten Nationen sagen

Die wichtigste juristische Absicherung der spanischen Position kommt aus dem multilateralen Rahmen. 1975 beantragte die marokkanische Regierung bei den Vereinten Nationen, Ceuta und Melilla in die Liste der Gebiete aufzunehmen, die noch zu dekolonisieren sind. In dieser Liste erscheint auch das von Marokko besetzte Westsahara, dessen Bürger Spanien einbürgern will. Die UNO wies den marokkanischen Antrag zurück.

Bis heute betrachtet die UNO die beiden Städte nicht als Kolonien und führt sie in keiner Liste zu dekolonisierender Gebiete. Strategische Partner wie die Vereinigten Staaten, trotz ihrer derzeitigen Nähe zum marokkanischen Regime, erkennen beide Städte formell als Teil des souveränen Staatsgebiets Spaniens an.

Mit dem Inkrafttreten ihrer Autonomiestatute 1995 festigten sie ihren Status als Autonome Städte, voll integriert in die Europäische Union und mit Vertretung im spanischen Kongress und im Senat.

Die Behauptung, Ceuta und Melilla seien Kolonialgebiete, spiegelt oft kurzfristige geopolitische Strategien Rabats wider. Sie hält jedoch weder einer historischen Analyse noch dem völkerrechtlichen Rahmen stand.

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