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Polnische Kennzeichen, italienische Fahrer: Der Trick mit der billigen Versicherung

Polizeiliche Verkehrskontrolle
Polizeiliche Verkehrskontrolle Copyright  Czarek Sokołowski, AP Photo
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Von Jan Bolanowski
Zuerst veröffentlicht am
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Über 5.000 Unfälle mit polnischen Kennzeichen registrierte Italien allein im vergangenen Jahr. Viele der Autos haben Polen nie gesehen, ihre Fahrer nutzen ein Schlupfloch bei den Versicherungskosten, das jetzt teuer wird, vor allem für polnische Institutionen.

Im vergangenen Jahr gab es auf italienischen Straßen mehr als 5.000 Unfälle mit Autos, die in Polen zugelassen sind. Dahinter stehen nicht nur polnische Fahrer, sondern auch Italiener, die ihre Fahrzeuge bewusst in Polen registrieren lassen.

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Viele dieser Wagen sehen aus, als würden sie kaum bis in die nächste Stadt kommen, und doch legen sie mehrere Tausend Kilometer von Polen nach Italien zurück. In Neapel und anderen italienischen Städten sind Autos mit polnischen Kennzeichen häufig Teil eines großen internationalen Tricks, streng genommen einer Umgehung von Vorschriften.

Für polnische Fahrer ist dieser Trick teuer. Der Hintergrund ist der starke Anstieg der Versicherungskosten in Italien. Für die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht, die jedes Auto haben muss, werden dort teils mehr als 2.000 Euro fällig. Für Roller und Motorräder gelten ähnliche Preise. Das System führt dazu, dass die Versicherung mitunter mehr kostet als das geschützte Fahrzeug selbst.

Hinzu kommen italienische Steuern. Je nach Alter, Euro-Norm und Motorleistung eines Autos wird eine jährliche Abgabe ("bollo auto") von rund 150 bis mehreren Hundert Euro fällig. Außerdem gibt es die Luxussteuer "Superbollo". Für das italienische Finanzamt ist nicht Marke oder Ausstattung entscheidend, sondern die Motorleistung. Ein Auto mit 250 PS gilt noch als normal, doch bei 252 PS wird es offiziell zum Luxusgut.

Wer profitiert davon?

Die Kombination aus Geschäftssinn auf beiden Seiten und einem löchrigen System sorgt für eine besondere polnisch-italienische Autofreundschaft, halb legal, halb Grauzone. Dazu kommt das in Polen wenig strenge System der technischen Untersuchungen und die insgesamt geringere Abgabenlast für Autobesitzer. Daraus ist ein internationales Geschäft entstanden.

Italienische Fahrer sparen, weil sie statt mehrerer Tausend Euro nur einige Hundert oder etwas über eintausend Złoty zahlen. Die durchschnittliche Haftpflichtprämie in Polen liegt bei knapp 700 Złoty, also unter 200 Euro. Verdienen daran polnische Firmen, die Fahrzeuge registrieren und nach Italien schicken. Sie kaufen dort günstiger, bieten sie in Italien teurer zur Nutzung an, das Geschäft läuft. Offiziell werden die Autos nicht verkauft, sondern italienischen Kunden nur überlassen. So wächst ein halb legaler Markt, an dem alle verdienen und den deshalb niemand stoppen will.

Millionen Euro Schaden

Der Umfang des Geschäfts steigt Jahr für Jahr. Die Zahl der in Polen zugelassenen Autos, die in verschiedenen Ländern unterwegs sind, längst nicht mehr nur in Italien, wächst rasant. Entsprechend nimmt auch die Zahl der Unfälle mit diesen Fahrzeugen zu.

Nach Angaben von "Interia" hat sich die Zahl der Schadensfälle mit in Polen registrierten, im Ausland fahrenden Autos innerhalb von vier Jahren zwischen 2021 und 2025 versiebzehnfacht. Italienische Reporter des Portals IlPost.it fanden in einer Recherche heraus, dass allein im Jahr 2025 in Italien 5.364 Kollisionen mit polnischen Kennzeichen registriert wurden. 2.263 dieser Fahrzeuge hatten keine gültige Haftpflichtversicherung. Die Schäden übernimmt zunächst die italienische Stelle UCI, die sich die Kosten anschließend beim polnischen Pendant zurückholt.

In Polen hat man mittlerweile erkannt, dass viele dieser Autos das Land nie gesehen haben. Seit rund einem Jahr häufen sich Klagen auf Rückzahlung bereits geleisteter Entschädigungen. Laut "Il Post" wurden bis August 2026 etwa 100 Klagen gegen Behörden oder direkt gegen beteiligte Fahrer eingereicht. Es geht um hohe Summen: Seit 2025 haben polnische Institutionen rund 5 Millionen Euro für Schäden bezahlt, die Fahrer mit längst ins Ausland verbrachten Fahrzeugen verursacht haben.

Ein Beispiel zeigt die Dimension: Ein Italiener verursachte mit einem Fiat Panda, dessen Wert bei etwa 10.000 Złoty lag, einen Unfall, bei dem eine Person ums Leben kam. Das Auto war nicht versichert, der Schaden betrug 1,3 Millionen Euro. Ein polnischer Garant zahlte die Summe aus und fordert sie nun vom Fahrer zurück.

Bis dahin verlieren Millionen Euro vor allem polnische Autofahrer. Sie gleichen die Schäden über steigende Prämien für ihre eigenen Versicherungen gemeinsam aus.

Problem: Unwissenheit der italienischen Autofahrer

Für einige Nutzer der Autos aus dem "italienischen Trick" endet die Sache finanziell böse. Viele Italiener wissen schlicht nicht, worauf sie sich einlassen. Ihnen ist auch nicht klar, dass ihr Wagen jedes Jahr eine vorgeschriebene technische Untersuchung in Polen bestehen muss, damit sie legal fahren dürfen.

Manche verlassen sich auf das löchrige System an der Weichsel. In einigen Regionen lässt sich noch immer eine Untersuchung "organisieren", bei der der Prüfer das Auto gar nicht sieht, doch das wird zunehmend schwieriger. Ein in Italien durchgeführter Check taucht im polnischen Register CEPIK nicht auf. Gleichzeitig nimmt in Neapel die Polizei Fahrzeuge mit polnischen Kennzeichen verstärkt ins Visier und kontrolliert, ob Versicherung und technische Untersuchung gültig sind.

Wie geht es weiter? Experten rechnen nicht damit, dass der "italienische Trick" verschwindet. Das Modell dürfte sich jedoch von billigen auf neuere und teurere Fahrzeuge verlagern. Bei ihnen lohnt es sich, für die Untersuchung nach Polen zu fahren und eine Vermietfirma zu bezahlen, die sich um die passende Versicherung kümmert. Dann bleibt der gesamte Ablauf formal legal.

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