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Deutscher Experte über Schattenflotte: Russland setzt wieder auf eigene Flagge

Der Tanker "Boracay", der mutmaßlich zur russischen Schattenflotte gehören soll, vor der französischen Atlantikküste, Oktober 2025
Der Tanker "Boracay", der mutmaßlich zur russischen Schattenflotte gehören soll, vor der französischen Atlantikküste, Oktober 2025 -  Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Laura Fleischmann
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Mehr als 40 Prozent der russischen Ölexporte auf dem Seeweg passieren die Ostsee – trotz westlicher Sanktionen. In der Vergangenheit setzte Russland dabei auf fremde Flaggen. Doch nun scheint der Kreml zurück zur eigenen Flagge zu kehren.

Seit Jahren umgehen Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte in Nord- und Ostsee Sanktionen. Mit fremder Beflaggung versuchen sie, unter dem Radar zu bleiben. Doch inzwischen kehrt Russland zunehmend von dieser Strategie ab und setzt wieder vermehrt auf Schiffe unter russischer Flagge.

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"Russland sieht sich gezwungen, sich wieder mit den Schiffen zu assoziieren, weil immer öfter Schiffe der Schattenflotte gestoppt werden. Russland versucht so, die Hemmschwelle anzuheben, gegen diese Schiffe vorzugehen", erklärt der Politikwissenschaftler und Experte für maritime Sicherheit Johannes Peters im Gespräch mit Euronews.

"Strategisch ist es eine Niederlage für Russland, dass es sich gezwungen sieht, die Möglichkeit der Abstreitbarkeit aufzugeben", so Peters weiter. Fährt ein Schiff unter nicht-russischer Flagge kann Russland behaupten, keine Verbindung zu diesem Schiff zu haben und so versuche, Sanktionen zu umgehen.

Der Kreml versuche mit seiner Rückkehr zur russischen Flagge, die Schiffe "unter staatlichen Schutz" zu stellen und sich so eine wichtige Einnahmequelle zu sichern, so Peters. Denn unter fremder Beflaggung habe "Russland rein rechtlich gar keinen Bezug zu diesen Schiffen". Bislang konnten russische Marineschiffe die Tanker zwar begleiten, es gab aber keine Rechtsgrundlage für ein Eingreifen.

Im September exportierte Russland laut Daten des US-amerikanischen Finanzkonzerns S&P Global 4,1 Millionen Barrel (Anmerkung der Redaktion: ein Barrel Öl entspricht rund 159 Litern) Rohöl pro Tag über See, rund 651,9 Millionen Liter. Es sind acht Prozent mehr als im Vormonat und drei Prozent mehr als vor einem Jahr – und das trotz Sanktionen. Umgerechnet sind das rund 650 Millionen Liter Rohöl pro Tag. Zu den größten Käufern gehören China und Indien.

Insgesamt nahm Russland im September rund 5,01 Milliarden Euro aus Öl und Gas ein, wie das unabhängige russische Onlinemedium "The Bell" berichtete. Das sind 22 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft werden in Moskau dringend benötigt, denn seit Anfang 2022 führt der Kreml einen kostspieligen groß angelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Russlands Drohkulisse

Der Kreml versuche mit seiner Rückkehr zur russischen Flagge, die Schiffe "unter staatlichen Schutz" zu stellen und sich so eine wichtige Einnahmequelle zu sichern, so Peters. Denn unter fremder Beflaggung habe "Russland rein rechtlich gar keinen Bezug zu diesen Schiffen". Bislang konnten russische Marineschiffe die Tanker zwar begleiten, aber durften nicht eingreifen.

Soldaten an Bord eines mutmaßlichen Tankers der sogenannten Schattenflotte Russlands, vor der französischen Atlantikküste, 2. Oktober 2025
Soldaten an Bord eines mutmaßlichen Tankers der sogenannten Schattenflotte Russlands, vor der französischen Atlantikküste, 2. Oktober 2025 Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.

Unter russischer Beflaggung sei das wieder möglich. "Es ist in erster Linie eine Drohkulisse, die Russland aufbaut", erklärt Peters. Insgesamt wolle "Russland Unsicherheit kreieren". Moskau erhoffe sich, dass Schiffe durch die Umflaggung wieder seltener aufgehalten würden.

Wie eine solche Drohkulisse aussehen könnte, zeigt sich kürzlich vor Rügen: Der knapp 190 Meter lange Tanker "Sled" blieb kurzzeitig zwischen Rügen und der dänischen Insel Møn liegen – beladen mit russischem Rohöl. Das Schiff selbst fuhr unter der Flagge der Bahamas.

Nach Informationen des TV-Senders NDR beobachtete die Bundespolizei zwei russische Marineschiffe in der Nähe, die den Tanker möglicherweise begleitet hatten, darunter das Kriegsschiff "Aleksandr Shabalin" aus Kaliningrad. Allerdings ist unklar, ob "Sled" tatsächlich zur russischen Schattenflotte gehört.

Fast ein Fünftel fährt wieder unter russischer Flagge

Laut dem ukrainischen Auslandsgeheimdienst laufen mehr als 40 Prozent der russischen Ölexporte über See durch die Ostsee, wie UATV, das staatliche ukrainische Auslandsfernsehen, im März berichtet hat.

Der Tanker Eventin vor Rügen, 13. Januar 2025
Der Tanker Eventin vor Rügen, 13. Januar 2025 (c) Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Im dritten Quartal des Jahres 2026 hat Russland 84 Tanker, die zur Schattenflotte gehören sollen, ins eigene Register übernommen, wie das ukrainische Forschungsinstitut "Kyiv School of Economics Institute" veröffentlicht hat. Ende 2024 lag der Anteil russisch beflaggter Schiffe an den Lieferungen der Schattenflotte bei 4,3 Prozent Ende 2024. Bis Anfang 2026 ist er auf 19,5 Prozent angestiegen.

Hintergrund der Schattenflotte sind westliche Sanktionen: Unter anderem hat die Europäische Union einen Preisdeckel für russisches Öl eingeführt. Westliche Reedereien und Versicherer dürfen es nur transportieren, wenn es billig verkauft wird. Die EU hat zusätzlich ein Importverbot für russisches Rohöl verhängt.

Russland versucht die Sanktionen zu umgehen, indem es auf eigene Schiffe setzt, die teils unter fremden Flaggen fahren. Zudem sanktionierte die EU 673 Schiffe, die zur Schattenflotte gehören sollen. Sie dürfen keine EU-Häfen mehr anlaufen. Europäische Firmen dürfen ihnen keine Dienstleistungen mehr anbieten.

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