Das Unternehmen betont, dass Werbung deutlich gekennzeichnet ist und die Antworten von ChatGPT nicht verändert. Gespräche bleiben für Werbekunden tabu.
OpenAIs ChatGPT, der weltweit populärste KI-Chatbot, testet in den USA erstmals Werbung. Für ein Angebot, das seit seinem Start im Jahr 2022 weitgehend ohne Anzeigen auskam, ist das ein deutlicher Kurswechsel.
Was sich ändert und was nicht.
Wer sieht die Anzeigen?
Getestet wird das zunächst bei angemeldeten Nutzerinnen und Nutzern in den USA, die den kostenlosen Zugang von OpenAI oder das neue Go-Abo verwenden.
Das Go-Angebot, das Mitte Januar gestartet ist, kostet in den USA acht Dollar (rund 6,70 Euro) im Monat. Wer einen höherpreisigen Tarif wie Plus, Pro, Business, Enterprise oder Education gebucht hat, bekommt laut Unternehmen weiterhin keine Werbung zu sehen.
Im Mittelpunkt dieses Tests stehe das Lernen, heißt es im Blogeintrag von OpenAI. Man beobachte Rückmeldungen sehr genau, um sicherzustellen, dass Anzeigen nützlich seien und sich natürlich in die ChatGPT-Nutzung einfügen, bevor das Programm ausgeweitet werde.
In den vom Unternehmen veröffentlichten Beispielen sehen die Anzeigen wie klassische Banner aus.
Beeinflussen Anzeigen die Antworten von ChatGPT?
OpenAI betont, Werbung habe keinen Einfluss auf die Antworten von ChatGPT.
In einem Blogeintrag ging das Unternehmen auf die Sorge ein, Werbung könne Antworten verfälschen, und versuchte, Nutzerinnen und Nutzer zu beruhigen: „Anzeigen beeinflussen nicht die Antworten, die ChatGPT Ihnen gibt, und wir halten Ihre Unterhaltungen mit ChatGPT gegenüber Werbekunden unter Verschluss. Unser Ziel ist, mit Hilfe von Werbung den Zugang zu leistungsfähigeren ChatGPT-Funktionen zu verbreitern und zugleich das Vertrauen zu bewahren, das Menschen ChatGPT bei wichtigen und persönlichen Aufgaben entgegenbringen.“
Demnach werden Anzeigen klar als gesponsert gekennzeichnet und von den eigentlichen Antworten getrennt.
Wie personalisiert OpenAI die Werbung?
In den Tests ordnet OpenAI Anzeigen den Nutzenden nach Gesprächsthemen, vergangenen Chats und früheren Werbekontakten zu.
Wer etwa nach Rezepten sucht, kann Werbung für Lebensmittellieferdienste oder Kochboxen eingeblendet bekommen.
Werbekunden erhalten laut OpenAI keinen Zugriff auf persönliche Daten einzelner Personen, sondern nur zusammengefasste Kennzahlen wie Aufrufe und Klicks.
Nutzerinnen und Nutzer können sich ihre Historie von Werbekontakten anzeigen lassen, sie jederzeit löschen, Anzeigen ausblenden, Feedback geben, nachsehen, warum ihnen eine Anzeige gezeigt wurde, und ihre Personalisierungsoptionen verwalten.
Wie fallen die Reaktionen auf die Werbepläne aus?
Die bereits im Vormonat angekündigten Pläne sorgten am Sonntag während der Super-Bowl-Übertragungen für Kritik und Spott.
Anthropic, der Konkurrent hinter dem KI-Assistenten Claude, schaltete eine Reihe von Werbespots, die sich über den Gedanken lustig machten, Werbung direkt in KI-Antworten einzubauen. In einem Spot sucht ein Mann Rat, wie er besser mit seiner Mutter reden kann und wird auf „eine Datingseite für reifere Singles, die sensible Jungtiere mit brüllenden Raubkatzen zusammenbringt“ hingewiesen, falls sich das Verhältnis nicht kitten lässt.
Am Ende jedes Spots erschien der Slogan: „Werbung kommt in die KI. Aber nicht zu Claude.“ ChatGPT wird zwar nie namentlich erwähnt, die Anspielung ist jedoch unübersehbar.
OpenAI-Chef Sam Altman reagierte scharf, nannte die Kampagne „unehrlich“ und bezeichnete Anthropic als „autoritäres Unternehmen“.