GSMA-Generaldirektor Vivek Badrinath erklärte Euronews, was die Tech-Konferenz bringen dürfte, und richtete eine deutliche Warnung an Europa zur schleppenden 5G-Einführung.
Der Mobile World Congress öffnet am Montag seine Tore – zum zwanzigsten Mal in Barcelona.
Die Technologiemesse, auf der sich alles um Konnektivität dreht, ist längst über ihre Anfänge als Bühne für neue Smartphones hinausgewachsen. In diesem Jahr stehen KI-Innovationen, die sogenannte IQ-Ära – also die Integration von KI –, die Zukunft des Reisens über Flughäfen sowie Debatten über 5G und 6G im Mittelpunkt.
Neben vielen Technologieversprechen gibt es auch eine deutliche Warnung: Regulierung und Investitionshemmnisse bremsen Europa beim Ausbau von 5G, sagte Vivek Badrinath, Generaldirektor des Veranstalters GSMA, Euronews Next.
Die USA und China liegen bei 5G-Stand-alone-Netzen (5G SA) vorn und nutzen sie bereits für Automatisierung in Häfen und Fabriken. Europa kommt nach Angaben des GSMA-Chefs bislang nur auf rund drei Prozent 5G-SA-Abdeckung – „da stimmt etwas nicht“.
Henne-oder-Ei-Problem
Die Verzögerung sei ein klassisches „Henne-oder-Ei-Problem“, sagte er. Ohne flächendeckende Netze investieren Unternehmen in Europa nicht in 5G-abhängige Robotik oder KI. Es fehlt Nachfrage – und der Ausbau tritt auf der Stelle.
„Wenn wir 5G nicht konsequent ausrollen, sind wir aus dem Spiel. Wir können noch so viel über Wettbewerbsfähigkeit reden, doch ohne Netze für diese Technologien kommen wir nicht voran“, so Badrinath.
Die europäische Regulierung wird deshalb in Barcelona ein Kernthema. Telekomkonzerne drängen dort auf Reformen beim Digital Network Act (DNA), mit dem die EU ihre Regeln für Konnektivitätsnetze modernisieren, vereinfachen und angleichen will.
Im Oktober hatten Telekomunternehmen in einem gemeinsamen Brief (Quelle auf Englisch) EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zu „mutigen Reformen“ für bessere Konnektivität aufgerufen und vor dem Verlust der digitalen Zukunft gewarnt.
Ein Grund: Die USA und China haben je drei große Netzbetreiber mit Kundenzahlen zwischen 150 und 450 Millionen pro Unternehmen. In Europa ist der Markt stark zersplittert, mit rund 200 Anbietern, die im Schnitt etwa fünf Millionen Kundinnen und Kunden versorgen.
Diese fehlende Größe mache es finanziell unmöglich, bei Forschung, Entwicklung und Infrastruktur mit globalen Konkurrenten mitzuhalten, argumentieren die Telekomkonzerne.
Da mehrere EU-Kommissarinnen und -Kommissare zum MWC reisen, bietet der Kongress auch Gelegenheit für direkten Austausch zwischen Aufsichtsbehörden in Europa und der Branche.
Das Ministerprogramm dürfte erneut viele Regierungen anziehen: Im vergangenen Jahr kamen 111 Chefinnen und Chefs von Regulierungsbehörden sowie 66 Ministerinnen und Minister – eine der größten Runden von Regierungsvertretern weltweit.
Was es sonst noch beim MWC zu sehen gibt
Die Debatten beim MWC 2026 drehen sich aber nicht nur um Politik.
„Der MWC ist der Ort, an dem Geschäfte gemacht werden“, sagte Badrinath. Zudem zeigen die Aussteller zahlreiche „ziemlich coole Geräte“.
Unter den Neuheiten ist unter anderem Honors faltbares „Robot“-Smartphone, das Badrinath andeutete. Zu Spekulationen über den ersten humanoiden Roboter des chinesischen Unternehmens auf der Messe wollte er sich nicht äußern.
Der MWC bietet in diesem Jahr auch zwei neue Sonderbereiche.
Der erste trägt den Titel Airport of the Future. Dort zeigen Unternehmen, wie Konnektivität die Luftfahrt und das Reisen über Flughäfen verändert – von Fluggesellschaften und Airports bis zu Gepäcksystemen.
Die zweite Neuerung heißt New Frontiers. Dieser Bereich blickt über KI hinaus und präsentiert aufstrebende Technologien wie Quantencomputing, Robotik und nicht-terrestrische Netze (NTN) etwa über Satelliten.