Weltraumgärtnerei wird immer beliebter: NASA-Astronaut Don Pettit berichtet, wie er im All Gemüse zieht und was er dabei über Anbau im Orbit lernt.
Der NASA-Astronaut Don Pettit hat kürzlich auf der Plattform X ein Foto eines merkwürdigen, lilafarbenen, eiförmigen Objekts mit „Tentakeln“ veröffentlicht. Es stammt von der Internationalen Raumstation ISS.
Der Anblick erinnert leicht an ein außerirdisches Wesen. Tatsächlich handelt es sich aber nur um eine Kartoffel, die Pettit im All gezogen hat.
Die Farbe ist zwar ungewöhnlich, doch Kartoffeln können durchaus violett sein, vor allem wegen ihres hohen Gehalts an Anthocyanen.
In einem Beitrag auf X erzählte Pettit mehr über sein Hobby, im All Lebensmittel anzubauen.
„Spudnik-1, eine im Orbit kreisende Kartoffel auf der Internationalen Raumstation. Für meine Mission Expedition 72 habe ich Kartoffeln für meinen Weltraumgarten mitgenommen, ein Projekt, das ich in meiner Freizeit betreibe. Dies ist eine frühe violette Kartoffel, versehen mit einem Stück Hakenklett, damit sie in meinem improvisierten Terrarium mit Pflanzenlampe nicht davonschwebt“, erklärte Pettit.
„Kartoffeln gehören zu den effizientesten Nutzpflanzen, wenn man den essbaren Nährwert mit der gesamten Pflanzenmasse inklusive Wurzeln vergleicht. Andy Weir hat das in seinem Buch und Film ‚Der Marsianer‘ aufgegriffen; Kartoffeln werden auch in der künftigen Erforschung des Alls eine Rolle spielen. Also wollte ich lieber jetzt schon damit anfangen“, fügte er hinzu.
Seit seinem ersten Flug im Jahr 2002 hat Pettit auf vier Reisen ins All zahlreiche Aufnahmen gemacht und insgesamt 590 Tage im Orbit verbracht.
Zu seinen Motiven gehören unter anderem Kometen wie C/2023 A3 und C/2024 G3 sowie Polarlichter, etwa das Spektakel im Oktober 2024.
Lebensmittelanbau im All boomt
Technologien für den Anbau von Nahrungsmitteln im All, vor allem auf dem Mars und auf dem Mond, rücken seit einigen Jahren bei vielen Raumfahrtagenturen stark in den Fokus.
Dazu zählen unter anderem die NASA, die Europäische Weltraumorganisation ESA, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und die japanische Raumfahrtagentur JAXA.
Ihr Ziel: Langzeitmissionen zum Mars und zum Mond sowie dauerhafte Siedlungen möglich machen. Die gesamte benötigte Nahrung von der Erde nachzuliefern, gilt als kaum machbar.
Die NASA hat mit ihren Weltraumgewächshäusern Veggie und Advanced Plant Habitat (APH) bereits erfolgreich Salat und andere Blattgemüse sowie Paprika angebaut.
Die ESA konzentriert sich dagegen stärker auf bioregenerative Systeme. Dort entstehen Lebensmittel aus Mikroorganismen und Stammzellen, ergänzt durch im Labor erzeugte Produkte.
Das DLR arbeitet zudem an automatisierten Gewächshaustechniken. Sie dienen sowohl der Erforschung von Weltraumfarmen als auch Studien in der Antarktis.
Zu den Schlüsseltechnologien gehören Hydroponik, also der Anbau von Pflanzen in nährstoffreichem Wasser statt in Erde, sowie Bioreaktoren, die Hefe- oder Bakterienkulturen in Eiweiß umwandeln.