Temperaturen im Mai über 30 Grad: Die Hitzewelle hat Europa im Griff. Wetterexperten nennen das Ausmaß beispiellos und historisch. In Frankreich sind schon mehrere Todesfälle zu beklagen.
Frankreich ächzt unter einer Hitzewelle, ebenso wie weite Teile Europas: "Völlig beispiellos und historisch", sagt der Meteorologe von Météo-France, Adrien Warnan.
Frankreich hat den zweiten Tag in Folge seine Hitzerekorde für den Monat Mai gebrochen, mit Spitzenwerten von bis zu 39 Grad Celsius in einigen Regionen, und diese Woche wird es weiter so gehen. Dennoch sollen die schriftlichen Abiturprüfungen für Donnerstag und Freitag aufrechterhalten werden, wie Bildungsminister Edouard Geffray an diesem Mittwoch bestätigte.
Frankreich hat bereits mehrere Todesopfer wegen der Hitze zu beklagen: Mindestens fünf Menschen ertranken nach Regierungsangaben, weitere zwei starben beim Sport.
13 Departements wurden unter Alarmstufe Orange für tropische Hitze gestellt. Die derzeitige Hitzewelle sei kein Notfall, erklärt Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist. Sie ruft die Bevölkerung jedoch zu Vorsicht auf und mahnt, die Sicherheitsratschläge zu befolgen.
In Paris passen Touristinnen und Touristen ihre Besuche an die außergewöhnliche Hitzewelle an: "Am ersten Teil des Tages ist alles gut und interessant. Danach gehe ich in meine Wohnung zurück und schlafe erst einmal, weil ich wieder mehr Energie brauche. Es ist im Moment einfach so, so heiß", erzählt Sabina, eine 29‑jährige Touristin aus der Ukraine.
Ob Frankreich, Deutschland, Spanien - 30 Grad sind derzeit keine Besonderheit. Auch Großbritannien erlebt den wärmsten Mai seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Nähe von London kletterten die Temperaturen am Wochenanfang auf 35 Grad.
„Also, ich arbeite in der Küche, das ist unerträglich“, klagt Renata Stankeviciute, eine litauische Köchin, die in England lebt.
Rund 1.500 Menschen sind nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde im vergangenen Sommer in England an den Folgen der Hitze gestorben.
Bob Ward, Politik- und Kommunikationschef des Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment an der London School of Economics erklärt, Großbritannien müsse Wohnungen und Arbeitsplätze umrüsten, damit sie weniger riskant werden.
"Wir wissen, dass die Temperaturen, die wir gestern erreicht haben – in London waren es fast 35 Grad – leider wahrscheinlich hunderte Menschen im ganzen Land das Leben gekostet haben. Betroffen sind Menschen mit Vorerkrankungen, vor allem mit Atemwegserkrankungen. Die meisten sterben in überhitzten Wohnungen."