Osteuropa bringt bei einem Bruttogehalt von 100.000 Euro meist mehr Netto ein, Westeuropa und Nordeuropa weniger. Steuern sind komplex, Euronews Business liefert nur ungefähre Schätzungen.
Die Steuerbelastung variiert in Europa deutlich. Entscheidend ist meist die Einkommenshöhe. Einige Länder setzen auf eine Einheitssteuer, andere auf progressive Systeme, bei denen Besserverdienende einen größeren Anteil abgeben.
Ob jemand alleinstehend ist oder in einer Partnerschaft lebt, ob ein oder zwei Einkommen vorhanden sind und ob Kinder mitversorgt werden müssen, beeinflusst ebenfalls das Nettogehalt.
Angenommen, jemand verdient 100.000 € brutto im Jahr. Die Person ist alleinstehend und hat keine Kinder. Wie viel bleibt dann netto übrig? Und wie unterscheiden sich die Nettogehälter in den europäischen Ländern?
Berechnungen schwierig: Zahlen sind Schätzwerte
Die Berechnung ist kompliziert, weil mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Auch die Steuersysteme unterscheiden sich: In manchen Ländern sind sie relativ einfach, in anderen deutlich komplexer.
Euronews Business hat das Nettogehalt aus einem Bruttolohn von 100.000 € anhand des OECD-Berichts Tax Wedge 2026, der OECD-Länderprofile, der PwC Worldwide Tax Summaries und nationaler Quellen geschätzt.
Verwendet wurden die Steuersätze für das Jahr 2025. Währungen außerhalb des Euro-Raums haben wir mit den Referenzkursen der EZB vom 31. Dezember 2025 umgerechnet. Die Ergebnisse spiegeln damit vor allem die Schätzungen für 2025 wider.
Einige Einflussfaktoren bleiben unberücksichtigt. Zusätzliche Einkommensquellen fließen nicht in die Berechnung ein. Es handelt sich also um Näherungswerte, die vor allem einen groben Vergleich der Steuerbelastung in Europa ermöglichen sollen.
Bulgarien liegt im Ranking vorn
Unter 31 europäischen Ländern (EU-Staaten plus Vereinigtes Königreich, Schweiz, Norwegen und Türkei) reicht das Nettogehalt bei 100.000 € brutto von 50.750 € in Belgien bis 86.930 € in Bulgarien.
Bulgarien ist das einzige Land, in dem das Nettogehalt über 85.000 € liegt. Dahinter folgt Estland mit 74.400 €. In Tschechien (72.800 €), Malta (72.500 €), der Schweiz (70.500 €) und Zypern (70.300 €) bleiben Beschäftigten aus 100.000 € brutto jeweils mindestens 70.000 € netto.
Vereinigtes Königreich: höchste Nettoeinkommen unter den großen Volkswirtschaften
Im Vereinigten Königreich behalten Beschäftigte bei diesem Einkommen fast 70 % ihres Bruttolohns.
Das entspricht einem Nettogehalt von 69.900 € und ist der höchste Wert unter den fünf größten Volkswirtschaften Europas. Spanien (64.200 €) und Frankreich (63.000 €) liegen im Mittelfeld, während Deutschland (57.900 €) und Italien (56.700 €) unter den großen fünf die geringsten Nettolöhne aufweisen.
Niedrigste Nettogehälter: Belgien, Dänemark und Schweden
Am unteren Ende der Skala steht Belgien mit 50.750 € und bildet damit das Schlusslicht. Dahinter folgen zwei nordische Länder: Dänemark mit 51.500 € und Schweden mit 52.000 €. Auch Österreich (54.200 €), Slowenien (55.060 €) und Griechenland (56.615 €) zählen zu den Staaten, in denen 100.000 € brutto zu den niedrigsten Nettogehältern in Europa führen.
Portugal (57.000 €) und Rumänien (58.500 €) bleiben ebenfalls unter 60.000 € netto.
Polen (60.225 €), die Niederlande (60.500 €), Litauen (60.500 €), Kroatien (61.000 €) und Luxemburg (61.500 €) liegen knapp darüber.
Unter den nordischen Ländern bietet Norwegen mit 66.900 € das höchste Nettogehalt, gefolgt von Finnland mit 62.200 €. Beide Werte liegen deutlich über denen in Dänemark und Schweden, die jeweils nur knapp über 50.000 € erreichen.
In Irland (64.000 €) und der Türkei (63.200 €) erhalten Beschäftigte weniger als zwei Drittel ihres Bruttogehalts von 100.000 € ausgezahlt. Die Slowakei (67.855 €) und Ungarn (66.500 €) liegen etwas darüber, mit einem Abstand von rund 2.000 bis 3.000 €.
Regionale Trends: Osteuropa im Vergleich zu West- und Nordeuropa
In Osteuropa behalten Beschäftigte aus 100.000 € brutto meist mehr Geld. Dort sind die Einkommensteuersysteme oft flacher, die Spitzensteuersätze niedriger oder die Sozialabgaben gedeckelt.
In West- und Nordeuropa fällt das Nettogehalt bei diesem Einkommen in der Regel geringer aus. Länder wie Belgien, Dänemark, Deutschland, Österreich, Frankreich, Schweden und die Niederlande tragen eine höhere Last durch progressive Einkommensteuern, Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung und weitere Abgaben.
Auch kommunale und regionale Steuern können die Rangfolge verändern. Für die Schätzungen haben wir die Hauptstadtregionen zugrunde gelegt.
Wie 100.000 € im Vergleich zum Durchschnittslohn dastehen
In einigen Ländern gelten 100.000 € brutto als gutes, aber nicht außergewöhnliches Gehalt. In den meisten Teilen Europas liegt dieser Betrag aber deutlich über dem Durchschnitt. Nach OECD-Daten für 2025 ist die Schweiz das einzige europäische Land, in dem der Durchschnittslohn einer alleinstehenden Person ohne Kinder diesen Wert übertrifft – mit 107.487 €.
Innerhalb der EU verzeichnet Luxemburg mit 77.844 € den höchsten Durchschnittslohn. 13 der 22 aufgeführten EU-Staaten liegen unter 50.000 € im Jahr, die Slowakei bildet mit 19.590 € das Schlusslicht.
Spitzensteuersätze auf Einkommen
Die Spitzensteuersätze auf Einkommen der höchsten Verdiener unterscheiden sich in Europa stark und folgen regionalen Mustern. In den nordischen und westeuropäischen Ländern liegen die obersten Grenzsteuersätze meist am höchsten, typischerweise zwischen 45 und 60 %. In Mittel- und Osteuropa, einschließlich der Balkanstaaten, fallen sie dagegen oft deutlich niedriger aus.