Apple stellt seine neue KI-Version von Siri vor. Zuvor war der Konzern kritisiert worden, im Wettlauf um Künstliche Intelligenz zurückzuliegen.
Auf der Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple in seiner Keynote neue, lange erwartete Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz vorgestellt. Dazu gehört auch ein deutlich aufgerüsteter Siri-Assistent.
Es war zugleich die letzte WWDC-Keynote von CEO Tim Cook. Im September übergibt er den Posten an John Ternus.
Cook erhielt langen Stehapplaus und sagte dem Publikum, er sei „unendlich dankbar, diese Reise mit euch gegangen zu sein“. Die Dynamik rund um die Apple-Plattformen sei „so stark wie nie zuvor“.
Dies sind die wichtigsten Punkte der Präsentation.
Die neue Siri-KI
Die neue Version von Siri, die Apple Siri AI nennt, soll auf Apple-Geräten laufen. Sie analysiert den aktuellen Bildschirminhalt und verknüpft ihn mit Informationen von den Apple-Geräten einer Person, um Fragen präziser zu beantworten.
Apple betonte den Fokus auf Datenschutz und Alltagstauglichkeit. So will der iPhone-Konzern beim Thema KI zu den Rivalen aufschließen.
Siri AI wird sowohl als eigene App als auch quer durch die Software des Unternehmens verfügbar sein. Apple will die Beta-Version noch in diesem Jahr starten.
Apple spricht von einem „deutlich leistungsfähigeren Assistenten“, der Nutzerinnen und Nutzern hilft, Inhalte zu finden und Aufgaben auf verschiedenen Apple-Geräten zu erledigen.
So kann Siri etwa ein Menü zusammenstellen und Rezepte aus dem Netz oder aus eigenen Textnachrichten für eine WM-Party sammeln und Freundinnen und Freunde aus einem Gruppenchat einladen.
Im Kameramodus beschreibt Siri, was im Bild zu sehen ist, und liefert passende Informationen, etwa die Nährwerte eines Tellers mit Essen.
Die visuelle Intelligenz funktioniert auch mit Bildern auf dem Bildschirm. Siri kann zum Beispiel einschätzen, ob ein Rucksack als Handgepäck im Flugzeug durchgeht oder ob ein Paar voluminöser Wanderstiefel hineinpasst.
Apple setzt auf hilfreiche KI
Softwarechef Craig Federighi teilte Seitenhiebe an andere KI-Anbieter aus, ohne sie beim Namen zu nennen. Manche verfolgten KI nur um der KI willen, ohne die Menschen im Blick zu haben, denen sie eigentlich dienen soll, sagte er.
Bei Apple, so Federighi, müsse „wirklich hilfreiche KI“ beim Menschen beginnen und sich an dessen Bedürfnissen orientieren. Deshalb integriere Apple KI direkt in die Produkte, die Menschen täglich nutzen, und stelle den Datenschutz nach eigenen Angaben in den Mittelpunkt.
Für die neuen Siri-Modelle und weitere Funktionen arbeitet Apple mit Google zusammen.
Apple kündigte zudem Verbesserungen seiner beliebten KI-Werkzeuge zur Fotobearbeitung an, darunter ein räumliches Neurahmen. Damit lässt sich nachträglich verändern, wie ein Foto beschnitten ist – fast so, als hätte man die Kamera beim Auslösen in eine bessere Position gebracht.
Die Ankündigung folgt auf neue Werkzeuge von Google und OpenAI, mit denen Nutzerinnen und Nutzer Fotos und andere Medien in KI-Anfragen einbinden können.
Eine eigenständige Siri-AI-App soll noch in diesem Jahr starten. Zum Auftakt wird sie jedoch nicht in Europa verfügbar sein, und auch in China zunächst nicht, solange Apple dort noch Regulierungsfragen klärt.
Tim Cooks letzte WWDC
Cook hatte im April seinen Rückzug angekündigt und damit eine 15-jährige Amtszeit beendet. In dieser Zeit stieg der Börsenwert des Unternehmens um mehr als 4 Billionen Dollar (3,47 Billionen Euro), befeuert vor allem vom Erfolg des iPhone.
John Ternus arbeitet seit einem Vierteljahrhundert bei Apple. In den vergangenen fünf Jahren verantwortete er die Technik hinter iPhone, iPad und Mac – ein Aufgabenbereich, der ihn zum Favoriten für die Cook-Nachfolge machte.
Auf der Hauptbühne trat Ternus am Montag noch nicht auf.
Der Wechsel an der Spitze kommt für Apple zu einem heiklen Zeitpunkt. Künstliche Intelligenz gilt als der größte Umbruch in der Techbranche seit Steve Jobs 2007 das erste iPhone präsentierte. Ausgerechnet Apple, das Unternehmen, das er aufgebaut hat, geriet hier zuletzt ins Hintertreffen.
Die Firma hatte Schwierigkeiten, zugesagte KI-Funktionen zu liefern, und hat den Rückstand bisher nicht vollständig aufgeholt. Cook nannte seine Zeit bei Apple „die Ehre seines Lebens“.
„Ich glaube fest daran, dass das Beste noch vor uns liegt.“