VivaTech: Foxconn, Nvidia und Mistral AI sichern große KI-Infrastrukturprojekte in Europa. Frankreich lockt Investoren mit günstiger Atomenergie und heimischen Fachkräften.
Diese Woche verlagert sich das Rennen um die KI-Zukunft Europas nach Paris. Die Leitkonferenz VivaTech zieht dort Technologiekonzerne aus aller Welt an, die Frankreich als Schlüsselstandort für künstliche Intelligenz in Europa sehen.
Aus einer Messe mit 45.000 Besucherinnen und Besuchern ist Europas größte Start-up- und Tech-Konferenz geworden. Inzwischen reisen mehr als 200.000 Teilnehmende aus 170 Ländern an. In diesem Jahr ist sie stärker als je zuvor politisch aufgeladen: KI-Souveränität und der Aufbau der nötigen Infrastruktur bestimmen das Programm.
Der taiwanische Fertigungskonzern Foxconn und das französische IT-Unternehmen Bull haben am Donnerstag eine Partnerschaft angekündigt. Sie wollen in Europa leistungsstarke KI-Rechner bauen, die das rasch wachsende Netz von KI-Fabriken auf dem Kontinent versorgen – jene großen Rechenzentren, die das Rückgrat der KI-Infrastruktur bilden.
„Frankreich ist eines der größten Länder Europas und verfügt über sehr viel Talent. Wir wissen auch, dass Frankreich im Hightech-Bereich sehr stark ist, insbesondere in der Raumfahrtindustrie“, sagte Foxconns Vizepräsident und Sprecher James Wu gegenüber Euronews Next.
„Frankreich hat große Ambitionen bei KI-Projekten, und wir sind überzeugt, dass wir eine wichtige Rolle spielen können, damit das Land diese Ziele erreicht“, fügte er hinzu.
Die Komponenten entstehen und werden getestet in Foxconn-Werken in Tschechien. Die Endmontage und die Abnahme finden anschließend im Bull-Werk im französischen Angers statt. Die Server richten sich an Cloud-Anbieter und an den wachsenden Markt der KI-Fabriken in ganz Europa.
Die Ankündigung erfolgte auf der VivaTech in Paris. Für Foxconn ist es der erste Auftritt auf der Messe.
Neben den neuen, von Nvidia-Chips angetriebenen KI-Servern zeigte das Unternehmen zwei Elektroautos, eines davon mit Massagesitz, sowie einen humanoiden Roboter auf Rädern, der präzise Montagearbeiten ausführen kann.
Die Vereinbarung zwischen Foxconn und Bull ist Teil einer breiten Investitionswelle in Europas KI-Infrastruktur, die sich stark um Nvidia dreht.
Schon auf der VivaTech im vergangenen Jahr kündigte Nvidia-Chef Jensen Huang an, mehr als 20 KI-Fabriken in Europa aufzubauen. Zugleich kürte er das französische Start-up Mistral AI zum Vorreiter für souveräne Rechenkapazitäten auf dem Kontinent.
In diesem Jahr legen Nvidia und Mistral AI nach: Sie gründen Mistral Compute, ein Projekt für souveräne KI-Infrastruktur und eine GPU-Cloud-Plattform, die speziell auf Europas Bedarf zugeschnitten ist.
Warum Frankreich für KI-Giganten so attraktiv ist
Unter Präsident Emmanuel Macron hat sich Frankreich als „Start-up-Nation“ präsentiert und als ernstzunehmender Akteur im Bereich künstliche Intelligenz etabliert.
Frankreich hat gegenüber anderen europäischen Ländern einen besonderen Vorteil: Energie ist deutlich günstiger, weil das Land stark auf Atomkraft setzt. Das machte den Standort für Foxconn attraktiv.
„Heute sprechen alle über Rechenleistung als Machtfaktor. Aber ohne Stromversorgung gibt es keine Rechenleistung“, sagte Wu. „Frankreich hat hier sehr gute Voraussetzungen, vor allem wegen seines Energiesystems – mit einem großen Anteil aus Atomkraft, der eine sehr stabile Versorgung gewährleistet.“
„Ich bin überzeugt, dass fortgeschrittene Industrieländer neue Energiequellen erschließen müssen, um den Bedarf des KI-Zeitalters zu decken. Und dabei hat Frankreich einen wirklich großen Vorteil“, so Wu weiter. Hinzu komme der politische Wille, die heimische KI-Branche konsequent voranzutreiben.
Wu betonte, Foxconn bringe nicht nur die Serverracks nach Frankreich, die die KI-Fabriken antreiben. Das Unternehmen könne das gesamte heimische KI-Ökosystem stärken – von Elektroautos über Smartphones bis hin zu PCs, in denen zunehmend KI-Technik steckt.
Foxconn liefert die Infrastruktur für die KI-Fabriken, der US-Konzern Nvidia steuert die neuesten KI-Chips bei.
Nvidia-Chef Jensen Huang verglich KI in diesem Monat mit einer Torte aus fünf Schichten: Energie, Chips, Infrastruktur, Rechenzentrums-Server sowie die KI-Modelle und Anwendungen.
„Nvidia versucht, allen Beteiligten zu helfen, damit all diese Schichten zusammenarbeiten und sich gemeinsam weiterentwickeln“, sagte Nat Ives, bei Nvidia zuständig für das Unternehmenskundengeschäft in den Benelux-Ländern, Frankreich & Nordics, gegenüber Euronews Next.
Besonders deutlich werde das in Frankreich, so Ives. Dort gebe es mit dem Energiekonzern EDF, der dem französischen Staat gehört und sowohl Atom- als auch erneuerbare Energie liefert, ideale Voraussetzungen.
„Wenn Unternehmen entscheiden, wo sie ein Rechenzentrum bauen oder Kapazitäten einkaufen, spielt Nachhaltigkeit eine riesige Rolle – also wie groß der CO₂-Fußabdruck ist oder eben nicht“, erklärte Ives.
Die Planung orientiert sich zunehmend an Nvidias eigenen Umweltzielen. Der Konzern versorgt alle seine Büros und Rechenzentren weltweit mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Außerdem verbraucht die jüngste Chip-Generation mit der Blackwell-Architektur nach Nvidias Angaben bei KI-Aufgaben bis zu 25-mal weniger Energie als die Vorgängerprodukte.
Frankreich punkte zudem mit eigenen KI-Vorzeigeunternehmen wie Mistral AI, AMI oder H Company sowie einer starken Software-Szene, fügte er hinzu. Das Land verfüge seit Langem über gut ausgebildete Fachkräfte, die aus den Universitäten nachrücken.
„Diese Modellentwickler in Europa spielen eine enorme Rolle“, so Ives. „Ich freue mich, dass ich die Mistral-Leute schon kenne, seit sie zu dritt im Café saßen, noch bevor das Unternehmen überhaupt Mistral hieß – und wir haben sie auf dem ganzen Weg begleitet.“
Offene Unternehmen, die auf Open Source und Open Science setzen, verschaffen auch Organisationen und Entwicklerinnen oder Entwicklern Zugang zu KI, die sich geschlossene Angebote wie etwa OpenAI nicht leisten können. Das sorgt für fairere Wettbewerbsbedingungen.
„Darum arbeiten wir seit Beginn mit diesen Projekten zusammen, unterstützen sie und investieren in sie“, sagte Ives. „Wir sind überzeugt, dass Open Source und Open Science, auf die die meisten von ihnen setzen, entscheidend sind, um echte Wahlmöglichkeiten zu schaffen.“