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Gestank der Verwesung: Seetang-Teppich verschmutzt unberührte Strände Mexikos und Belizes

Seetang-Plage Playa del Carmen, Quintana Roon, Mexiko, 06.04.2022
Seetang-Plage Playa del Carmen, Quintana Roon, Mexiko, 06.04.2022   -   Copyright  ELIZABETH RUIZ/AFP or licensors
Von Maeve Campbell  & Reuters

Millionen Tonnen brauner Algen werden an den Stränden Mexikos angeschwemmt und drohen schon jetzt, dem Reiseboom nach der Covid-Pandemie einen Dämpfer zu versetzen.

Sargassum-Algen wurden in Rekordmengen an die Karibikküsten angespült. Nach Angaben der Universität von Südflorida färbt es das kristallklare Wasser braun und verströmt einen abwasserähnlichen Gestank, wenn es an Land gespült wird.

Im letzten Monat wurden in der Karibik 24,2 Millionen Tonnen der Algen gezählt, gegenüber 18,8 Millionen Tonnen im Mai.

Das Auftreten von Sargassum stellt eine "erhebliche Bedrohung" für die Erholung des Tourismus im Land nach der Pandemie dar, warnen die Analysten der Bank BBVA. Dies gilt insbesondere für den Bundesstaat Quintana Roo, in dem Reiseziele wie Cancun, Tulum und Playa del Carmen liegen.

Die mexikanische Marine und einheimische Arbeitskräfte wurden eingesetzt, um den Seetang aus dem Wasser und vom Strand zu entfernen.

"Das Sargassum ist kein Problem, das gelöst werden kann, sondern muss ständig bekämpft werden, vor allem in den Sommermonaten", erklärte die BBVA am Montag.

Im letzten Monat wurden in der Karibik 24,2 Millionen Tonnen der Algen gezählt.

Aufgrund der Pandemie musste Mexikos Bruttoinlandsprodukt 2020 Einbuße von 25 Prozent im Tourismussektor hinnehmen, obwohl das Land seine Grenzen nicht geschlossen hatte. 2021 erreichte der Sektor jedoch wieder annähernd das Niveau von vor der Pandemie - doch der Aufwärtstrend ist in Gefahr, wenn die Algenplage nicht erfolgreich bekämpft wird.

Forscher:innen machen mehrere Faktoren für den massenhaft auftretenden Seetang verantwortlich, darunter den Klimawandel, menschliche Abwässer, landwirtschaftliche Abflüsse (Wasser, das von den Feldern abfließt) und Staub, der von der afrikanischen Wüste Sahara nach Westen geweht wird.

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Angestellte von Ferienressorts am Playa del Carmen beseitigen Seetang, 02.03.2021DANIEL SLIM/AFP or licensors

Ist der Seetang auch anderswo ein Problem?

Seit 2011 ist die Algenpopulation in Mexiko und in der Karibik aus Gründen, die Wissenschaftler:innen noch nicht vollständig verstehen, explodiert. Bekannt ist allerdings, dass sie besonders in nährstoffreichen Gewässern besonders schnell gedeihen.

Auch in Belize hat die Verschmutzung der Strände durch Sargassum-Algen in letzter Zeit zugenommen. Besonders schlimm sind die hohen Konzentrationen in Hopkins und Placencia im Süden des Landes.

Euronews Travel sprach mit Laura McMullen, einer Nachhaltigkeitsberaterin aus Großbritannien, die im Mai 2022 Urlaub in Caye Caulker in Belize machte.

Laura McMullen
Saragassum-Algen am Strand in BelizeLaura McMullen

"Überall im mesoamerikanischen Riff wurde dieser seltsame Seetang angeschwemmt", berichtet sie Euronews Travel.

"Letztes Jahr gab es schon etwas davon, aber [die Einheimischen] haben es noch nie so schlimm gesehen. Es wird auf allen Inseln angespült. Es zersetzt sich und riecht dann wirklich übel. Man versucht, es loszuwerden, aber es wächst wegen des Klimawandels - die Temperaturen sind viel höher und die Meere sind viel wärmer - viel stärker.

"Das wirkt sich auf das Tauchen, den Tourismus und alles andere aus", sagt Laura.

Laura McMullen
Strand in Caye Caulker, BelizeLaura McMullen

Wie gehen die ortsansässigen Unternehmen mit dem Algenproblem um?

Hotelketten und Restaurants an den Stränden in Mexiko und Belize haben eine Taskforce mit Dutzenden von Inselarbeiter:innen gebildet, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Sie versuchen, ihre Bereiche für die Kunden sauber zu halten, aber die öffentlichen Strände sind mit den ausgedehnten Algenteppichen überfordert.

Der Stadtrat von San Pedro in Belize kündigte im März an, dass er jedes Jahr rund 20.000 US-Dollar (umgerechnet rund 19.454 Euro) ausgeben werde, um die Strände von Algen zu befreien.