Das neue System bringt bereits spürbare Verzögerungen. Flugreisende stehen in langen Schlangen, verpassen Anschlüsse und sind oft frustriert.
Ab heute, Freitag, dem neunten Januar, ist das Einreise-/Ausreisesystem (EES) der EU an Dutzenden weiteren Flughäfen und Häfen in Betrieb.
Die neuen Grenzkontrollen starteten im Oktober 2025. Zunächst lag die Schwelle für EU-Länder, Einreisen von Drittstaatsangehörigen zu registrieren, bei nur zehn Prozent. Jetzt liegt sie bei 35 Prozent.
Das neue System sorgt bereits für spürbare Verzögerungen bei Flugreisenden.
Mit der Ausweitung des EES drängt der Reiseverband ABTA EU-Grenzbehörden, die verfügbaren Notfallmaßnahmen häufiger anzuwenden.
EES sorgt an Flughäfen für Wartezeiten von bis zu drei Stunden
An Flughäfen, an denen das EES in Betrieb ist, müssen visafreie Reisende aus dem Vereinigten Königreich, den USA und anderen Nicht-EU-Staaten ihre biometrischen Daten an speziellen Terminals registrieren.
Die neuen Grenzkontrollen bereiten Passagieren bereits Kopfzerbrechen. Viele berichten von langen Schlangen, weil viele das Verfahren zum ersten Mal durchlaufen.
In einigen Fällen führten die Verzögerungen dazu, dass Passagiere ihre Flüge verpassten.
Im Dezember vergangenen Jahres zeigte ein Bericht von Airport Council International (ACI) Europe das Ausmaß der Störungen und forderte eine dringende Überprüfung des Systems.
„Die schrittweise Ausweitung der Registrierung und Erfassung biometrischer Daten von Drittstaatsangehörigen bei der Einreise in den Schengenraum hat die Bearbeitungszeiten bei Grenzkontrollen an Flughäfen um bis zu 70 Prozent verlängert, mit Wartezeiten von bis zu drei Stunden in Spitzenzeiten“, heißt es in der ACI-Analyse.
Reiseverband fordert Einsatz von Notfallmaßnahmen, um Verzögerungen zu verringern
Laut ABTA fällt die Erfahrung der Reisenden mit dem EES-Rollout bislang sehr unterschiedlich aus, von relativ reibungslos bis hin zu Vorfällen, bei denen sich große Schlangen an der Passkontrolle gebildet haben.
Da die Länder nun 35 Prozent der Einreisen von Drittstaatsangehörigen in die EU verarbeiten müssen, wächst die Sorge, dass sich die Probleme verschärfen.
ABTA drängt die Grenzbehörden, die ihnen zur Verfügung stehenden Notfallmaßnahmen anzuwenden.
„Das EES verändert, wie wir nach Europa reisen und von dort zurückkehren. Langfristig beschleunigt es die Passkontrollen, zunächst kann es jedoch länger dauern“, sagte Mark Tanzer, Chief Executive von ABTA.
Je mehr Orte das System einführen und je mehr Passagiere darüber abgefertigt werden, desto größer ist das Risiko von Warteschlangen und Verzögerungen, warnte er.
„Wir fordern die Grenzbehörden zudem auf, alles zu tun, um Verzögerungen zu minimieren. Ihnen stehen Notfallmaßnahmen zur Verfügung, etwa das System zeitweise auszusetzen oder Kontrollen zu begrenzen, und diese sollten eingesetzt werden, um den Fluss der Menschen zu steuern“, ergänzte Tanzer.
„Viele der bisher aufgetretenen Probleme ließen sich vermeiden, wenn die Notfallmaßnahmen angewandt würden.“
Wie sich Reisende auf das EES vorbereiten können
ABTA gibt auch Tipps für Reisende, die das EES nutzen müssen.
„Wer die EU verlässt, sollte nach Check-in und Sicherheitskontrolle direkt zur Passkontrolle gehen. So sind die EES-Checks so früh wie möglich erledigt“, heißt es vom Verband.
Zudem rät der Verband, die Hinweise der Verkehrsunternehmen zur Ankunftszeit an Flughäfen, Häfen und anderen Abfahrtsorten zu beachten.
„Als Faustregel gilt, bei einem Flug nach Europa mindestens zwei Stunden vorher am Flughafen zu sein. Das sollte als Minimum gelten. Zugleich sollte man die Angaben des jeweiligen Anbieters prüfen“, heißt es.