Extremes Wetter und Erderwärmung machen manche Wanderwege unsicher. Zu viele Besucher schaden den Ökosystemen vor Ort massiv.
In den vergangenen Jahren haben sich Wanderwege zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen entwickelt. Sie locken Menschen an, die langsam reisen wollen, authentischere Seiten eines Zielorts sehen und der steigenden Sommerhitze entkommen.
Dutzende neue Strecken wurden eröffnet oder erneuert, von der längsten Rundwanderroute der Welt in Portugal bis zum Weg der Liebe in Italien.
Doch der Wanderboom hat Schattenseiten. Extremes Wetter und die Erderwärmung machen manche Wege unsicher, zu viele Besucher schaden der Natur vor Ort.
Die Folge: Viele Pfade beschränken den Zugang, erhöhen Besuchergebühren oder schließen ganz.
Wanderwege in Europa schließen wegen Stein- und Erdrutschgefahr
Vergangenen Sommer wurden in den Alpen Dutzende Wege vorübergehend gesperrt, nachdem es zu gefährlichen Felsstürzen gekommen war.
Im Juli wurden Hunderte Wanderer und Touristinnen und Touristen von den Hängen der Cima Falkner in den Brenta-Dolomiten in Norditalien evakuiert. Fachleute warnten, der plötzliche Anstieg von Erdrutschen stehe mit auftauendem Permafrost in Verbindung.
„Noch nie haben wir einen so unglaublichen Anstieg von Felsstürzen gesehen“, sagte Piero Carlesi, Präsident des wissenschaftlichen Ausschusses des Italienischen Alpenvereins (CAI), damals der Tageszeitung La Repubblica. „Erdrutsche nehmen zu, und der Hauptgrund ist die Klimakrise. Daran besteht kein Zweifel.“
Auch in der Schweiz blieben im vergangenen Jahr Wanderwege bis weit in den Herbst gesperrt – aus Sorge um Wetter- und Klimarisiken.
Mehr als 70 Routen, vom Unterengadin im Osten der Schweiz bis ins Unterwallis an der Grenze zu Frankreich, waren aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Vera In-Albon, Leiterin der digitalen Kommunikation bei der Organisation Schweizer Wanderwege, sagte der lokalen Presse, trockenere Sommer, stärkere Niederschläge, heißere Tage und schneearmere Winter erhöhten die Risiken für Wandernde.
„Langanhaltende und intensive Niederschläge begünstigen mancherorts Felsstürze, Sturzfluten und Erdrutsche“, sagte sie.
„Felsstürze tendieren dazu, in alpinem und hochalpinem Gelände zuzunehmen, wo der Permafrost taut, während Erdrutsche auch in den Voralpen oder im Jura häufiger werden könnten."
Wachsende Wanderlust belastet die Natur
Zu Jahresbeginn kündigten die Behörden des Nationalparks Mount Rinjani auf der indonesischen Insel Lombok die vorübergehende Schließung aller Wanderwege bis zum 31. März 2026 an.
„Diese Schließung dient der Sicherheit der Besucherinnen und Besucher und der Zukunft des Rinjani selbst“, sagte Budhy Kurniawan, Leiter der Parkverwaltung.
Die Regenzeit bringt erhöhte Risiken mit sich: rutschiges Gelände, dichter Nebel und überlaufende Gewässer.
„Das Risiko für Unterkühlung und Unfälle steigt deutlich. Sicherheit hat daher oberste Priorität“, so Kurniawan.
Er betonte zugleich, die Schließung solle dem Ökosystem des Berges Zeit zur Erholung geben, damit sich die Flora regenerieren und die Fauna wieder ansiedeln kann.
Mehr Menschen auf den Wegen setzen Naturräume weltweit unter Druck.
Japan führte im vergangenen Sommer eine Gebühr für alle ein, die den Mount Fuji über einen seiner vier Hauptwege besteigen wollen.
Der höchste Berg des Landes leidet unter Overtourism, was zu Verschmutzung und Sicherheitsproblemen führt. Die Abgabe soll beim Aufräumen helfen und die Umwelt des Berges erhalten.
Schon bisher mussten Besucherinnen und Besucher ¥2.000 (zwölf Euro und 35 Cent) zahlen, um den Yoshida-Weg zu gehen. Er ist der beliebteste Aufstieg, weil er von Tokio aus leicht erreichbar ist und unterwegs viele Berghütten Unterkunft und Mahlzeiten anbieten.
Jetzt hat sich die Gebühr für den ikonischen Weg auf ¥4.000 (24,70 Euro) verdoppelt, eine Abgabe, die nun auch für drei weitere Strecken gilt, die zuvor kostenlos waren.
Die lokalen Behörden haben zudem eine Obergrenze von 4.000 Personen pro Tag für den Yoshida-Weg eingeführt, um Staus zu vermeiden.
Europa stemmt sich gegen den Ansturm von Wandernden
Brütende Sommertemperaturen treiben in Europa mehr Reisende zu sogenannten „Coolcations“, die oft Wanderungen in Bergregionen beinhalten.
Mancherorts überfordert der Boom die Natur.
Madeira führte im vergangenen Jahr auf einigen seiner beliebtesten Wanderwege eine neue Gebühr für Nichtansässige ein, um Naturschutzmaßnahmen zu finanzieren.
Zunächst galt der Aufpreis für sieben besonders stark frequentierte Strecken, seit Januar 2025 erstreckt er sich auf alle empfohlenen Wege im portugiesischen Archipel.
Mit steilen Gipfeln, grünen Wäldern und üppigen Wasserfällen zählen die Wanderwege des Archipels zu seinen größten Besuchermagneten.
Die Wegegebühr soll den Besucherstrom lenken und die natürliche Landschaft schützen, indem sie die Instandhaltung, Reinigung und Erhaltungsmaßnahmen finanziert.
In Italien wachsen Spannungen zwischen Gemeinden und Kommunen wegen Overtourism in den Alpen, ein Wanderweg am Seceda-Berg ist zum Sinnbild dieses Konflikts geworden.
Die Strecke in den Dolomiten ist berühmt für den dramatischen Blick auf die gezackten Odle-Gipfel, und Touristen mit Kameras werden im Sommer für die Anwohnerinnen und Anwohner in Südtirol zur Plage.
Anfang Juli stellten frustrierte lokale Bäuerinnen und Bauern kurzzeitig ein Drehkreuz mit Maut am Odle-Weg auf, um gegen den ständigen Durchmarsch von Touristen zu protestieren, die die Gegend, wie sie sagen, missachten.
„Die Wege sind verwahrlost und die Wiesen sind voller Müll“, hieß es in einer Mitteilung.
Die Grundeigentümer erklärten, sie seien gezwungen, eine Maut zu erheben, um Schäden an ihren Flächen zu kompensieren und die Pflege der Hänge zu finanzieren.