Die Europäische Weltraumorganisation und der Mobilfunkverband GSMA schmieden eine neue Allianz, um Europas sechste Mobilfunkgeneration und KI voranzutreiben.
Europa will bei 6G und Künstlicher Intelligenz (KI) ganz vorn mitspielen und setzt dafür auf die nächste Generation der globalen Kommunikation: Non-terrestrial Networks (NTN), also nicht-terrestrische Netze.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA und die GSMA Foundry haben auf dem Mobile World Congress ein Förderprogramm von bis zu 100 Millionen Euro angekündigt. Damit wollen sie die Annäherung von Satelliten- und Mobilfunktechnologien beschleunigen.
Diese Konnektivität bildet das Rückgrat, um das Potenzial von 6G und KI freizusetzen, sagte Antonio Franchi, Leiter des Programmbüros 5G/6G NTN bei der Europäischen Weltraumorganisation.
„Mit diesen Mitteln entwickeln wir Technologien, Netze und Dienste, die am Ende der gesamten Gesellschaft zugutekommen und Unternehmen bei der Digitalisierung aller Lebensbereiche helfen“, sagte er Euronews Next.
Zu den möglichen Anwendungen zählen neue digitale Dienste wie Telemedizin, Operationen aus der Ferne, autonomes Fahren und Präzisionslandwirtschaft.
Es handelt sich um eines der bislang wichtigsten öffentlichen europäischen Engagements für die Vermarktung hybrider Satelliten-Boden-Netze. Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der globale Wettbewerb um die nächste Generation der Konnektivität deutlich zunimmt.
Der Fonds steht EU-Mitgliedstaaten offen, die über Unternehmen oder Organisationen verfügen und einen formellen Antrag einreichen. Über die Vergabe entscheidet anschließend die ESA.
Die Förderung konzentriert sich auf vier Bereiche: KI-gesteuerte Verwaltung von Satelliten- und Bodennetzen in mehreren Umlaufbahnen, Direct-to-Device-(D2D)-Verbindungen für Smartphones und IoT-Geräte, gemeinsame 5G/6G-Testumgebungen sowie frühe 6G-Forschung zu Edge Intelligence und fortgeschrittenem IoT.
„Indem wir die Reichweite der Mobilfunkbranche mit der Weltraumkompetenz der ESA verbinden, eröffnen wir eine neue Ära der Konnektivität“, sagte der Technikchef der GSMA, Alex Sinclair, und ergänzte, die Initiative werde „selbst in den entlegensten Regionen“ tiefgreifende Vorteile bringen.
Europas Offensive
US-Konzerne liegen im „Weltraumrennen“ um Satelliteninternet derzeit vorn. Franchi ist jedoch überzeugt, dass Europas Stärke in Hightech-Fertigung und spezialisierter Software eine wettbewerbsfähige, unabhängige Alternative ermöglichen kann.
„Wir wollen der europäischen Industrie helfen, einen Gang höher zu schalten und zu zeigen, was in ihr steckt“, sagte Franchi. „Öffentliche Förderung federt das Risiko ab und gibt Unternehmen den Mut, Lösungen zu entwickeln, die weltweit skalieren können.“
Auf dem Mobile World Congress rückt das Programm europäische Unternehmen in den Mittelpunkt, darunter Nokia, Filtronic, Celeste, Lasting Software, OQ Technology und MinWave Technologies.
Sie zeigen in Live-Demonstrationen, wie diese Zukunft aussehen könnte – mit der Orchestrierung von NTN-Netzen und hybriden Netzwerkarchitekturen.
Herzstück der Präsentation sind Europas Weltraumpläne: ein Mixed-Reality-Modell des ESA-Mondlanders Argonaut, eines in Europa gebauten Transporters für Fracht zum Mond. Besucherinnen und Besucher können darüber einen Trainingsrover aus der Ferne steuern – über eine Live-Satellitenverbindung. 360-Grad-Kameras von Nokia RXRM übertragen dazu Bilder aus dem Inneren der LUNA-Anlage, Europas Mond-Analoglabor.
Die Botschaft dahinter: Europas Konnektivitätsinfrastruktur ist nicht nur für Technologien auf der Erde entscheidend, sondern auch für künftige Einsätze auf dem Mond.