Eine neu angelegte Johannisbeer-Route in Frankreich lockt Besucher an; weiter südlich folgen wir einem alten Fischerpfad an Spaniens Küste.
Sich auf kulinarische Erlebnisse einzulassen, ist eine der besten Möglichkeiten, Kultur, Gemeinschaft und Geschichte eines Reiseziels kennenzulernen.
In Europa führen unzählige lokale Spezialitäten außerdem weg von den ausgetretenen Pfaden und fern der Menschenmassen.
Von einer neu ausgeschilderten Schwarze-Johannisbeer-Route in Frankreich bis zu einer historischen Strecke der Fischer in Spanien: Diese fünf Genussrouten sorgen für eine kulinarische Reise durch Europa.
Burgunds „schwarzes Gold“ entdecken
Die französische Region Burgund ist berühmt für ihre Trauben und Weine. Doch auch eine andere Frucht hat hier tiefe Wurzeln geschlagen.
Seit dem siebzehnten Jahrhundert gedeihen hier Schwarze Johannisbeeren. Mönche brachten sie einst in die Gärten und nutzten sie als Heilpflanze. Heute sind sie Grundlage ikonischer Produkte wie des Likörs Crème de Cassis de Bourgogne.
Die Beeren stehen nun auch im Mittelpunkt einer neuen gastronomischen Reiseroute durch die Region.
Die Route du Cassis, die Schwarze-Johannisbeer-Route, zieht sich über mehr als 55 Kilometer. Sie beginnt im Le Cassissium in Nuits-Saint-Georges. Das Museum erzählt die Geschichte von Burgunds „schwarzem Gold“ und seinen Produkten und bietet Kostproben von Speisen und Getränken auf Johannisbeerbasis.
Auf dem Weg nach Dijon laden familiengeführte Höfe zu Stopps ein. Dort gibt es Fruchtaufstriche und -butter, alkoholische und alkoholfreie Getränke sowie Würzmittel wie Schwarze-Johannisbeer-Ketchup.
Wandernde und Radfahrende können der Route mit Hilfe der Balades en Bourgogne App (Quelle auf Englisch) folgen. Sie bietet GPS-gestützte Karten und Audio-Anekdoten.
Unterwegs auf Spaniens Olivenöl-Routen
Im Jahr 2025 entstand in ganz Spanien ein weites Netz an Wegen, das einem der wertvollsten Produkte des Landes gewidmet ist: dem Olivenöl.
Oleotourism Spain (Quelle auf Englisch) bündelt mehr als 100 kulinarische Erlebnisse in acht Provinzen. Das Angebot soll Reisende aus überfüllten Hotspots in ländliche Regionen und Landschaften lenken.
Nahe Córdoba verläuft die Olive Oil Greenway (Vía Verde del Aceite) auf der ehemaligen Bahntrasse eines „Ölzugs“. Der Weg führt durch Olivenhaine und über historische Metallviadukte.
In den Dörfern entlang der Strecke öffnen traditionelle Ölmühlen und Olivenölmuseen ihre Türen.
Der Naturpark Serra Calderona bei Valencia eignet sich ideal für Wanderungen und Radtouren. In nahegelegenen Orten wie Olocau, Gàtova und Segorbe kommen Besucherinnen und Besucher in den Genuss seltener Öle von mehrere hundert Jahre alten Bäumen.
In der Provinz Huelva führt die Ölroute bei Beas an Olivengütern vorbei. Dort können Gäste an gastronomischen Workshops und geführten Verkostungen teilnehmen.
Italiens Käseroute in den Dolomiten entdecken
In Norditalien zieht sich die Dolomites Cheese Route durch die malerischen Täler Valle di Primiero, Val di Fiemme und Val di Fassa. Hier pflegen Menschen seit Jahrhunderten ihre alpinen Küchentraditionen.
Entlang der Strecke locken Sennereien, Berghütten und Restaurants. Dort warten etwa der kräftig duftende Puzzone di Moena, Ziegen-Ricotta und Scheiben des frischen Käses Tosèla, der in der Pfanne in Butter gebräunt wird.
Zwischendurch lassen sich die Kalorien auf Wegen durch bunte Blumenwiesen und dichte Wälder abbauen, im Schatten majestätischer Gipfel.
Auf den Spuren der Fischer im spanischen Baskenland
Die 166 Kilometer lange Wein-und-Fisch-Route schlängelt sich durch Spaniens Baskenland. Sie folgt einer historischen Handelsroute, die einst Fischer und Landwirte nutzten.
Der Weg startet im historischen Städtchen Oyón. Von dort geht es – wie der Name vermuten lässt – durch weinberankte Landschaften bis hinauf in das Kantabrische Gebirge.
Unterwegs gibt es reichlich Gelegenheiten, die Fischspezialitäten der Region zu probieren. Im kleinen Ort Getaria können Gäste eine Sardellenfabrik besichtigen, in Pasaia locken Fischer-Tavernen und familiengeführte Fischrestaurants.
Wandern auf Bayerns Bier-und-Hopfen-Route
In Deutschland können Bier-Fans auf einer 170 Kilometer langen Route wandern oder radeln – mitten durch das größte Hopfenanbaugebiet der Welt.
Der Hallertauer Hopfenweg beginnt vor den Toren Münchens. Entlang der Strecke informieren Tafeln über das „grüne Gold“ der Region, das an bis zu sieben Meter hohen Gerüsten die Wege säumt.
Immer wieder ragen turmartige Darren auf, in denen der Hopfen trocknet. Wer im September unterwegs ist, erlebt zudem den Beginn der Ernte.
Für Erfrischungen sorgen zahlreiche Brauereien am Wegesrand. Im Gasthaus Spitzer im Ort Osterwaal kommen zudem Slow-Food-Gerichte auf den Tisch, die mit Hopfen gewürzt sind.
In Wolnzach lohnt sich ein Stopp, um die Maibäume auf dem Marktplatz zu bewundern und das Deutsche Hopfenmuseum (Quelle auf Englisch) zu besuchen.