Seit Beginn der großangelegten Invasion in der Ukraine sperren viele Staaten ihren Luftraum für russische Flugzeuge. Direkte Flugverbindungen schrumpfen, Ziele werden rar, doch die Nachfrage nach Auslandsreisen steigt weiter.
Ab Juni 2026 können Menschen aus Russland nur noch ohne Umstieg in höchstens 30 Länder fliegen. Das sind rund ein Viertel weniger Ziele als im Winter, als Flugpläne für Direktflüge noch 43 Staaten aufführten. Darauf weist die Assoziation der Reiseveranstalter Russlands (ATOR) hin. Sie erklärt das Verschwinden mancher Ziele mit der Saison, mit Treibstoffpreisen und geopolitischen Faktoren sowie mit Beschränkungen im Zusammenhang mit der Krise im Nahen Osten.
Direktverbindungen bleiben nach Angaben von ATOR weiterhin nach Aserbaidschan, Armenien, Afghanistan, Belarus, Vietnam, Georgien, Ägypten, Israel, Indien, Indonesien, Jordanien, Iran, Kasachstan, Katar, China, Nordkorea, Kirgisistan, auf die Malediven, nach Marokko, in die Mongolei, in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Oman, Serbien, Tadschikistan, Thailand, Turkmenistan, in die Türkei, nach Usbekistan und nach Äthiopien möglich. Die Liste könnte sich um Saudi-Arabien erweitern, falls das Land den Flugverkehr mit Russland wieder aufnimmt.
Aus dem Sommerflugplan verschwinden dagegen Verbindungen nach Algerien, Venezuela, Kuba, Malaysia, auf die Seychellen, auf die Philippinen und nach Sri Lanka sowie nach Kuwait und Bahrain – wegen des Kriegs mit Iran. Aus demselben Grund hat das russische Wirtschaftsministerium bereits im März Reiseveranstaltern verboten, Pauschalreisen in Staaten der Region zu verkaufen. Das Außenministerium riet russischen Staatsbürgern zudem, von Reisen dorthin abzusehen.
Schlechter als zu Zeiten des Eisernen Vorhangs
Außerdem waren Ziele wie Irak oder Afghanistan unter russischen Urlaubern nie besonders gefragt, betont ATOR. Damit bleiben von der gesamten Liste im Sommer höchstens fünfzehn Länder, die für den Massentourismus zumindest einigermaßen taugen, lautet die Einschätzung der Expertinnen und Experten.
Die Assoziation erinnert auch daran, dass selbst zu Zeiten der Sowjetunion drei Mal so viele Länder mit Direktflügen erreichbar waren.
Nach Angaben der Organisation bediente „Aeroflot“ in den 1980er-Jahren rund achtzig bis einhundert Strecken. Viele Destinationen, die heute als Ausland gelten, galten damals allerdings noch als Inlandsziele.
ATOR schließt dennoch nicht aus, dass im aktuellen Sommerflugplan noch neue Routen auftauchen, etwa nach Sansibar oder Tunesien.
Wenn die Auswahl fehlt: Reisen durch Russland und nach Asien
Steigende Ticketpreise und in manchen Fällen strengere Visaauflagen setzen dem Auslandstourismus zu. Ausnahmen sind die inzwischen gewohnten Ziele Türkei und Ägypten sowie die relativ neuen Favoriten Vietnam und China, wohin der Strom russischer Touristinnen und Touristen in den vergangenen Jahren zugenommen hat.
Bei eingeschränkter Auswahl reisen viele nun häufiger innerhalb des Landes. Offiziellen russischen Medien zufolge wächst der heimische Tourismus pro Jahr um sieben Komma fünf bis acht Komma fünf Prozent. Dennoch ist die Zahl der Reisen in russische Regionen in diesem Jahr zurückgegangen, das haben sogar die Behörden eingestanden. Auch das Wirtschaftsministerium beklagte kürzlich einen Rückgang der Sommerbuchungen im Vergleich zum Vorjahr und führte dies auf die Lage in Anapa und auf Einschränkungen im Flugverkehr zurück. Zu diesen Störungen tragen offenkundig die häufiger werdenden Angriffe ukrainischer Drohnen bei.
In Anapa, einem der beliebtesten Badeorte, beseitigen Einsatzkräfte noch immer die schweren Folgen der Ölpest von 2024. Anfang April tauchte vor der Schwarzmeerküste erneut ein riesiger Ölteppich auf. Ein weiterer Ferienort, Tuapse, erlebt ebenfalls eine Umweltkatastrophe – nach einer Serie von Drohnenangriffen der ukrainischen Streitkräfte auf lokale Ölanlagen.
Schengen-Visa und Auslandsflüge weiter gefragt
Trotz des eher mageren Angebots scheint der Wunsch vieler Menschen in Russland, ins Ausland zu reisen, ungebrochen. Die Airline "Aeroflot" meldet, im April dieses Jahres 7,3 Prozent mehr Auslandsflüge durchgeführt zu haben als im selben Monat 2025. Nach Einschätzung von ATOR reisen Russinnen und Russen damit wieder aktiver ins Ausland als vor einem Jahr. Die Nachfrage konzentriert sich nur stärker auf einzelne Ziele.
Dazu passt die Statistik zu Schengen-Visa. Obwohl die EU-Kommission die Vergabe an russische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger verschärft hat, stieg die Zahl der im Jahr 2025 erteilten Visa im Vergleich zu 2024 um 10,2 Prozent. Auch die Zahl der Anträge auf ein Schengen-Visum nahm zu – um acht Prozent gegenüber 2024. Am häufigsten stellten Frankreich, Italien und Spanien Einreisegenehmigungen aus.