In der kasachischen Region Schjetysu findet der erste Gleitschirm-Weltcup Zentralasiens statt. Rund 150 Pilotinnen und Piloten aus 33 Ländern fliegen im Cross-Country-Wettbewerb.
Diese Woche füllen Gleitschirme den Himmel über der Region Zhetysu in Kasachstan. Die Region liegt im Südwesten des Landes und gilt als eines der besten Fluggebiete. Sie gewinnt zunehmend internationale Aufmerksamkeit, denn Gleitschirmfliegen in Kasachstan ist längst mehr als ein Freizeitangebot für Touristinnen und Touristen.
In diesem Sommer richtet das Land den ersten Gleitschirm-Weltcup in Zentralasien aus. Rund 150 Pilotinnen und Piloten aus 33 Ländern kommen dafür zusammen.
Hinter dem prestigeträchtigen Wettbewerb steht die Familie Virshki. Seit mehr als 15 Jahren treibt sie die Entwicklung des Gleitschirmfliegens in Kasachstan voran und wirbt für Extremsport im Land.
Igor Virshki gründete nahe der Stadt Tekeli den Tourismuskomplex Tau Zhetysu. Der Standort hat sich im Laufe der Jahre zu einem der bekanntesten Gleitschirmgebiete Kasachstans entwickelt und zieht regelmäßig Pilotinnen und Piloten aus aller Welt an.
Heute ist sein Sohn David Virshki Gleitschirm-Weltmeister. Für ihn ist es eine große Ehre, den Gleitschirm-Weltcup an dem Ort zu empfangen, an dem seine eigene Fluglaufbahn begann.
„Es war immer mein Traum, ein solches Event an meinem Hausberg zu haben, denn ich bin hier geboren und habe hier das Fliegen gelernt“, sagt David Virshki. „Wir haben festgestellt, dass das Gebiet auch für Wettbewerbe sehr spannend und vielversprechend ist.“
„Ein Weltcup im Streckenfliegen ist ein äußerst prestigeträchtiger Wettbewerb. Eine spezielle Gleitschirmkommission legt strenge Kriterien an und wählt die Austragungsorte aus. Wir sind sehr stolz, dass wir dieses Event hier auf unserem Heimfluggebiet austragen“, sagt er.
Neuer Aufschwung für Gleitschirmfliegen in Kasachstan
Die Vorbereitungen auf den Weltcup starteten im vergangenen Jahr. Bevor ein Gebiet einen Wettbewerb dieser Größenordnung austragen darf, prüfen internationale Expertinnen und Experten die Flugbedingungen, Sicherheitsstandards, Infrastruktur und Organisationskraft.
„Ich mache das seit 30 Jahren und habe in vielen Teilen der Welt gearbeitet. Neue Ziele zu finden, die wirklich gut sind und genügend Potenzial bieten, ist nicht einfach, weder sportlich noch wirtschaftlich noch organisatorisch“, sagt Goran Dimishkovski, Präsident der Paragliding World Cup Association.
„In Kasachstan wollen wir nun eine Basis schaffen, einen neuen Standort, der künftig große internationale Wettbewerbe beherbergen soll“, sagt er.
Warum Kasachstan für Pilotinnen und Piloten attraktiv ist
Zu den Pilotinnen und Piloten, die inzwischen regelmäßig in Zhetysu fliegen, gehört der Kanadier Jimmy Giroux. Seine ersten Besuche in der Region fielen in eine schwierige Phase seines Lebens nach einem schweren Unfall.
„Ich habe in Europa trainiert und mir den Rücken gebrochen, ohne es zunächst zu merken“, erzählt Giroux. „Ich bin nach Kasachstan geflogen, die Reise dauerte zwei Tage. Als ich ankam, konnte ich mein Bein nicht bewegen. Ein Chirurg aus der Stadt Taldykorgan hat mir dann das Leben gerettet. Er heißt Almaz.“
Heute sieht er Kasachstan nicht nur als Wettkampfort, sondern als Ort, der ihm geholfen hat, gesund zu werden und zu seinem geliebten Sport zurückzukehren. Er ist überzeugt, dass Kasachstan im Gleitschirmfliegen ein großes, noch kaum genutztes Potenzial hat.
„Ich liebe die Wildnis. Für mich ist Kasachstan ein wunderschöner Ort“, sagt er. „Es ist zudem sehr sicher, denn es gibt nicht so viele Bäume wie in Europa. Wir können fast überall sicher landen, auch für Pilotinnen und Piloten, die erst anfangen.“
Tourismus in Zhetysu erlebt Höhenflug
Die Berge, Hügel, weiten Täler und stabilen Aufwinde in Zhetysu schaffen ideale Bedingungen für Flüge. Das offene Gelände bietet gute Sicht und viele sichere Landemöglichkeiten für Pilotinnen und Piloten auf langen Streckenflügen.
„Die Natur Kasachstans ist sehr ursprünglich, sehr wild. Pilotinnen und Piloten sagen mir, das sei der entscheidende Unterschied zu Europa“, erklärt David Virshki. „In Europa ist die Natur stark erschlossen. Man findet alle fünf Kilometer ein Café, überall Hotels.“
Die lokalen Behörden unterstützen die Initiative. Sie sehen darin eine Chance, das touristische Potenzial der Region zu stärken.
„Wir sehen derzeit Teilnehmende aus Kanada, Australien, den Vereinigten Staaten und fast ganz Europa und Asien“, sagt Yersin Ibrashev, Leiter der Tourismusbehörde der Region Zhetysu. „Für uns ist das ein klares Signal: Die Region entwickelt sich zu einem Magneten für große internationale Veranstaltungen. Wir wollen diesen Weg weitergehen.“
Parallel dazu prüft Kasachstan bereits ein ähnliches Projekt am Balchaschsee.
„Wir wollen die Idee testen, Akrobatik-Gleitschirmfliegen über dem Balchaschsee anzubieten“, sagt Ibrashev. „Da es dort keine Berge gibt, würden die Pilotinnen und Piloten per Winde gestartet. Das Format könnte sich zu einem äußerst spektakulären Sportevent entwickeln.“
Der Wettbewerb läuft noch bis zum 28. Juni. Diese Weltcup-Etappe spielt zudem eine wichtige Rolle im internationalen Rankingsystem. Die Pilotinnen und Piloten sammeln hier Punkte für die Weltrangliste und die Qualifikation zu großen Meisterschaften.
Der Blick geht bereits weiter: Kasachstan richtet 2028 erstmals die asiatischen Meisterschaften im Strecken-Gleitschirmfliegen aus.