Als einziges Quality-Time-Familienresort Südtirols beworben: Hält Das Mühlwald sein Versprechen? Laut Ruth Wright ja, es schenkte ihrer Familie Raum für all ihre laute, erschöpfte, chaotische Unberechenbarkeit.
„Alle Breigläschen für Babys finden Sie im Restaurant.“ Verwundert schaute ich meinen Mann an. „Oh nein“, sagten wir. „Er isst keinen Brei.“
Es war nachvollziehbar, dass die Rezeptionistin davon ausging, mein Sohn würde Brei essen – offiziell ist er ja noch ein Baby. Aber er ist kein typischer 13 Monate alter Knirps. Er verschlingt ganze Teller Pasta, klettert Leitern hinauf (meist unter Aufsicht) und schläft kaum. Warum schlafen, wenn man Gläser aus den Schränken räumen oder die Nachbarn über den Zaun anschreien kann?
Bei all dem klingt er vielleicht wie ein kleiner Wirbelsturm. Zum Glück hat mein Sohn aber einen wunderbaren Charakter: Er „unterhält sich“ mit allen, verteilt kostenlose Umarmungen und Küsse und lacht fast ständig. Nur hat er eben enorm viel Energie. Deshalb wurden wir sofort neugierig, als wir von Das Mühlwald hörten – einem Resort, das Familien gemeinsame Qualitätszeit ermöglichen will.
Die meisten Reisenden fahren ins Hotel, um abzuschalten und sich zu erholen. Bei Santiagos lautem, ungestümem Temperament habe ich ständig Angst, er könnte die Ruhe stören, die viele Hotels ausstrahlen wollen. Im Das Mühlwald kam mir dieser Gedanke kein einziges Mal – dort sind alle mit Kindern angereist.
Als Santiago ausprobieren wollte, wie nah er einen Teller an die Tischkante balancieren kann, und dieser – keine große Überraschung – auf dem Boden zerschellte, räumte das Servicepersonal die Scherben kommentarlos weg. Als er im Pool herumplanschte, stiegen die Kinder neben ihm einfach mit ein. Das Mühlwald gibt Familien Raum, sie selbst zu sein – laut, müde und herrlich chaotisch.
Dolomiten bilden perfekte Kulisse für den Spielbereich
Das Mühlwald (Quelle auf Englisch) liegt im Trentino, der nordöstlichsten Provinz Italiens. Da hier nur vier Prozent der Bevölkerung Italienisch sprechen, fühlt man sich eher wie in Deutschland.
Nach dem Check-in wurden wir mit einem atemberaubenden Blick auf die majestätischen Dolomiten belohnt und mussten gleichzeitig verhindern, dass Santiago sich durch die Balkonstreben zwängt. Die noch schneebedeckten Gipfel bilden die Kulisse für Außenpool, Spielplatz und Streichelzoo. Wir verbrachten wegen der 30 Grad fast unsere gesamte Zeit im Garten. Man sieht aber sofort, wie attraktiv die Gegend das ganze Jahr über ist – besonders für Skifahrer und Snowboarder.
Unser Zimmer war relativ schlicht, fiel aber durch die liebevollen Details auf: ein Babybett, ein Windeleimer und ein Poncho für Santiago, dazu flauschige Bademäntel für uns Eltern. Beim Check-in bekamen wir eine lange Liste mit Dingen, die man im Hotel ausleihen kann. Für Babys gibt es Babyphones, Flaschenwärmer und Wasserkocher. Für größere Kinder sind Poolspielzeug, Rückentrage und Buggy besonders praktisch.
Fünf Etagen Indoorspielbereich und zwei Pools
Santiago braucht enorm viel Bewegung und Reize. Zu Hause ist es manchmal schwer, ihm das zu bieten. Im Das Mühlwald gab es so viel für ihn zu entdecken, dass die Tage verflogen – und Gott sei Dank war er abends völlig erledigt.
Der Indoorspielbereich zieht sich durch alle fünf Etagen. Für größere Kinder gibt es Rutschen und Kletterseile zwischen den Stockwerken. Wir liebten die große Indoor-Rennstrecke, auf der sich Santiago auf Zwei-, Drei- und Vierrad-Flitzern austoben konnte – ohne ernsthafte Blessuren. Die Tischtennisplatte war bei den Vätern besonders beliebt, die ihre Kinder offenbar für das chinesische Olympiateam trainieren wollten.
Die Außen- und die beheizten Innenpools waren großartig, ebenso die riesige Wasserrutsche, auf die mein Mann Santiago zu seiner Freude trotz der Warnhinweise mitnahm. Wichtig zu wissen: Es gibt keine Bademeister oder Aufsicht, man muss die Kinder also gut im Blick behalten. Jede Zone verfügt über einen Wasserbrunnen und Toiletten – viel entspannter, als die Kinder ständig zurück ins Zimmer zu überreden.
Wir nutzten im Wechsel den Erwachsenenbereich mit Spa und hervorragenden Massagen. Ist das eigene Kind älter als zwei, muss man nicht einmal Schichtdienst machen: Im Kinderclub können sie den ganzen Tag bleiben, werden dort sogar verköstigt – ideal für ein Abendessen in Ruhe.
Wer einen halben oder ganzen Tag aus dem Haus möchte, findet im Infoheft, das man beim Check-in erhält, ausführliche Tipps zur Region. Wir liehen uns E‑Bikes und fuhren durch die nahen Apfelplantagen, für die Südtirol berühmt ist, über sanft geschwungene Hügel. Santiago liebte seinen Sitz auf dem Gepäckträger. Wir fühlten uns sicher, denn die Umgebung ist ruhig und kaum befahren.
Restaurant entspannter als erwartet
Ich hatte ein lautes, chaotisches Restaurant erwartet. Abgesehen von zerbrochenen Tellern und zerdrücktem Essen waren die Mahlzeiten aber erstaunlich ruhig. Jede Familie behält für alle Mahlzeiten denselben Tisch, mit Hochstuhl und Lätzchen schon vorbereitet.
Frühstück und Mittagessen werden als Buffet angeboten, mit vielen gesunden Optionen – darunter eine Saftmaschine für eigene Smoothies – und einigen eher üppigen. Besonders mochte ich das frisch gebackene deutsche Brot und die warm servierten Brezeln. Das Dessertbuffet am Nachmittag war ein Höhepunkt: Ein Teller voller Süßigkeiten am Pool brachte Santiago neue Energie und verschaffte uns den Zuckerkick, den wir brauchten, um bis zum Abendessen durchzuhalten.
Das Abendessen beginnt mit einem Salatbuffet für alle, danach können die Kinder zu Pasta, Chicken Nuggets und natürlich Eis übergehen. Erwachsene wählen Vorspeise, Hauptgericht und Dessert von einer Karte, die morgens beim Frühstück ausgeteilt wird. Serviert wurden eine köstliche Auswahl deutscher und italienischer Gerichte, mit guten vegetarischen und Fleischoptionen.
Familiengeführt, familienfreundlich
Das Mühlwald gehört der Familie Tauber, die das Haus auch selbst führt. Man sieht sie ständig: Die drei Kinder sind oft im Haus unterwegs, und Mutter Sara hat mich eines Abends sogar persönlich an der Bar bedient. Wenn Eltern, die das Familienleben kennen, hinter einem Hotel stehen, erklärt das, warum der Aufenthalt dort mit Kindern so unkompliziert ist.
Ein Kind, das kaum schläft, sorgt nicht nur für herrlich verrücktes Chaos, sondern macht einen auch schlicht fertig. Unter lauter ebenso müden Eltern zu sein, die alle das gleiche Ziel verfolgen – ihre Kinder glücklich, sicher und beschäftigt zu halten –, schafft ein starkes Gefühl von Zusammenhalt und gegenseitigem Verständnis.
Und nun zur entscheidenden Frage: Hat Santiago die Nacht durchgeschlafen? Leider nein. Von drei auf zwölf Stunden Schlaf an einem Wochenende zu kommen, wäre wohl etwas viel verlangt gewesen. Wir freuten uns trotzdem über kleine Erfolge: ein problemloses Zubettgehen, weil er völlig ausgepowert war, und weniger nächtliche Ein-Mann-Tanzpartys.
Ruth Wright und ihre Familie waren Gäste im Das Mühlwald (Quelle auf Englisch). Zimmer mit Vollpension und Kinderbetreuung gibt es ab 150 € pro Erwachsenen, für Kinder je nach Alter mit 30–80 Prozent Ermäßigung.