Die Huthi erklärten, sie hätten zwei saudische Öltanker angegriffen, die ihre Blockade der Meerenge Bab al-Mandab missachtet hätten. US-Präsident Donald Trump warnte daraufhin, dass sowohl dem Iran als auch den Huthi bei weiteren Angriffen eine „massive militärische Vergeltung“ drohe.
US-Präsident Donald Trump hat den Huthi mit „massiver militärischer Vergeltung“ gedroht, nachdem die vom Iran unterstützte Miliz im Jemen am Donnerstag erklärt hatte, zwei saudische Öltanker im Roten Meer angegriffen zu haben.
„Die USA werden den Iran zur Verantwortung ziehen, denn die Huthi sind ein Stellvertreter beziehungsweise eine Proxy-Gruppe des Iran. Dem Iran und natürlich auch den Huthi selbst wird eine massive militärische Vergeltung drohen“, falls die Rebellen weitere Angriffe verüben, schrieb Trump auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social.
Bereits Anfang der Woche hatte Trump erklärt, die USA würden sich „um die Huthi kümmern“, falls eine mögliche Blockade der Meerenge Bab al-Mandab die Schifffahrt und Energieexporte gefährden sollte. Durch die schmale Meerenge am Eingang zum Roten Meer werden normalerweise rund zwölf Prozent des Welthandels sowie etwa ein Viertel des weltweiten Containerverkehrs abgewickelt.
Anfang der Woche hatten die Huthi – offiziell als Ansar Allah bekannt – erklärt, sie hätten die Meerenge Bab al-Mandab für Schiffe mit Verbindungen zu Saudi-Arabien gesperrt. Dies sei eine Vergeltung für die saudische Blockade des Jemen sowie für einen jüngsten Angriff auf den internationalen Flughafen in der von den Rebellen kontrollierten Hauptstadt Sanaa.
Die Miliz erklärte am Donnerstag auf Telegram, sie habe „eine gezielte Militäroperation gegen zwei saudische Öltanker durchgeführt, die gegen die Blockade verstoßen hatten“. Dabei nannte sie die Schiffe „Encelia“ und „Layla“.
Die staatliche saudische Nachrichtenagentur berichtete nach einem Angriff von einem Brand auf einem Öltanker im Roten Meer. Auch das britische UK Maritime Trade Operations Centre (UKMTO) bestätigte den Vorfall. Verletzte wurden demnach nicht gemeldet.
Nach Angaben aus Schifffahrtsdaten änderten nach der Ankündigung der Huthi-Blockade mindestens neun Tanker ihren Kurs. Darunter befanden sich auch drei Schiffe, die zuvor Öl am saudischen Rotmeerhafen Yanbu geladen hatten.
Beobachter fürchten Eskalation in der Region
Eine Sperrung der Meerenge Bab al-Mandab würde Schiffe zwingen, den deutlich längeren Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung zu nehmen. Dadurch würden sich Fahrten zwischen Asien und Europa um zwei bis drei Wochen verlängern.
Ahmed Nagi, Jemen-Experte der International Crisis Group, erklärte, die Drohungen gegen Saudi-Arabien kämen auch dem Verbündeten der Huthi, dem Iran, zugute – insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem die USA ihre täglichen Luftangriffe wieder aufgenommen haben.
„Aus Sicht des Iran schafft die Eröffnung zusätzlicher Konfliktherde in der Region mehr politischen Spielraum“, sagte Nagi. „Die Huthi verschaffen Teheran Einfluss auf einen der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt.“
Die Huthi, die Ende 2014 nach der Einnahme der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, des Präsidentenpalasts und wichtiger Militärstützpunkte an die Macht kamen und die Regierung ins Exil zwangen, gehören zur sogenannten „Achse des Widerstands“ des Iran.
Dabei handelt es sich um ein Netzwerk verbündeter Milizen und bewaffneter Gruppen in der Region, darunter die Hisbollah im Libanon, die Hamas im Gazastreifen sowie schiitische Milizen im Irak.
Zwar kontrollieren die Huthi nicht den Küstenabschnitt des Jemen entlang der Meerenge Bab al-Mandab, sie halten jedoch Gebiete, die weniger als 100 Kilometer davon entfernt liegen.
Die Huthi hatten auf dem Höhepunkt des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der Hamas bereits mehr als 100 Schiffe im Roten Meer angegriffen. Erst eine massive Luftoffensive der USA und Israels setzte den Angriffen Anfang 2025 ein Ende.
Kallas appelliert an die Huthi
Unterdessen forderte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Huthi am Donnerstag auf, ihre Angriffe auf Schiffe im Roten Meer einzustellen.
„Der Angriff auf einen Öltanker im Roten Meer ist inakzeptabel, rechtswidrig und verschärft die ohnehin angespannte Lage in der Region weiter“, erklärte Kallas in einer Stellungnahme.
„Die Huthi müssen sämtliche Handlungen einstellen, die die internationale Schifffahrt und das Leben von Seeleuten gefährden“, fügte sie hinzu.
Kallas betonte zudem, die EU-Marinemission im Roten Meer, die Schiffe bei der Durchfahrt durch die strategisch wichtige Wasserstraße unterstützt, bleibe „fest entschlossen, die Freiheit der Schifffahrt für alle zu schützen“.
Iran und USA drohen sich mit weiteren Angriffen
Die Erklärung der Huthi fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Die Vereinigten Staaten teilten mit, in der zwölften aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran angegriffen zu haben.
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) erklärte, seine Streitkräfte hätten in der Nacht zum Mittwoch mehrere militärische Ziele attackiert. Dazu gehörten Einrichtungen der Marine, Lager für Raketen und Drohnen, Küstenüberwachungsanlagen sowie Luftverteidigungssysteme.
„Die Angriffe schränken die Fähigkeit des Iran weiter ein, zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen“, erklärte CENTCOM. Zudem veröffentlichte das US-Militär in sozialen Netzwerken Videoaufnahmen, die die Luftangriffe zeigen sollen.
Bereits zuvor hatte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social dem Iran mit weiteren Vergeltungsschlägen gedroht, falls dessen Streitkräfte weiterhin die Schifffahrt in der Straße von Hormus ins Visier nehmen sollten.
„Von diesem Zeitpunkt an werden die Vereinigten Staaten jedes Mal, wenn die Islamische Republik Iran ein Schiff in der Straße von Hormus mit Raketen, Drohnen oder anderen Waffen angreift, eine Brücke oder ein Kraftwerk bombardieren und zerstören – auch wenn sich dieses in oder nahe der Hauptstadt Teheran befindet“, schrieb Trump auf Truth Social.
Irans Außenminister Seyed Abbas Araghchi kündigte daraufhin an, Teheran werde nach dem Prinzip „Auge um Auge“ handeln.
„Jede Aggression gegen den Iran, auch gegen unsere Infrastruktur, wird eine entschlossene und schlagkräftige Antwort nach sich ziehen“, schrieb Araghchi auf der Plattform X.