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Kroatien auf Rädern: große Adriatikroute im Wohnmobil

Panorama von Rovinj, einer Stadt an der kroatischen Küste
Panorama von Rovinj, einer Stadt an der kroatischen Küste Copyright  David del Valle
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Von David del Valle
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Auf einer 25-tägigen Autoreise entdecken wir eine Küste der Gegensätze: römische Städte, venezianische Dörfer, Steinstrände, Inseln und Straßen mit Blick auf einige der spektakulärsten Landschaften Europas.

Mit dem Wohnmobil lässt sich Kroatien im Rhythmus der Landschaft entdecken. Man kann anhalten, wo in einem klassischen Reiseplan kaum Platz wäre. Wir starten in Rovinj im Norden der Halbinsel Istrien und fahren hinunter bis nach Dubrovnik an der südlichsten Spitze des Landes. Unterwegs reiht sich eine Folge aus historischen Städten, Naturparks, Fischerdörfern, Festungen und Inseln aneinander – immer vor der Kulisse der Adria.

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Trotzdem ist eine Reise auf vier Rädern durch Kroatien nicht immer unkompliziert. Die Küstenstraße ist auf einigen Abschnitten schmal und sehr kurvig. Zudem darf das Wohnmobil nicht überall stehen. Man ist auf Campingplätze und ausgewiesene Stellflächen angewiesen, die oft weit von den Altstädten entfernt liegen und gelegentlich extrem teuer sind.

In der Hochsaison, vor allem im Juli und August, verschärft sich das Problem. Deshalb eignen sich Frühling, der Frühsommer oder der Herbst meist besser für diese Route.

Istrien: Kroatiens italienischste Seite

Die Reise beginnt in Rovinj, einem der Höhepunkte Istriens. Die Altstadt mit ihren engen, kopfsteingepflasterten Gassen liegt auf einer ehemaligen Insel und wird von der Kirche der heiligen Eufemia überragt. Bunte Fassaden, der Hafen und die kleinen Inseln vor der Küste machen die Stadt zu einem der bekanntesten Motive an der kroatischen Adria.

Weiter südlich liegt Pula an der Südspitze Istriens. Hier treffen glasklares Wasser und eines der bedeutendsten römischen Erbe Kroatiens aufeinander. Die Arena von Pula, im ersten Jahrhundert nach Christus erbaut, gehört zu den sechs größten erhaltenen römischen Amphitheatern der Welt. Heute finden auf den Rängen Konzerte, Festivals und Shows statt – die Antike ist damit fest in das moderne Kulturleben eingebunden.

Beim Rundgang durch Pula darf auch der Sergierbogen in der Hauptstraße nicht fehlen, ebenso das Herkules-Tor und die Festung Kaštel. Diese venezianische Burg aus dem 17. Jahrhundert steht auf einer Anhöhe und bietet einen weiten Blick über den Hafen und die Dächer der Stadt.

Istrien unterscheidet sich deutlich vom Rest der kroatischen Küste. Die herzförmige Halbinsel ist zwischen Kroatien, Slowenien und Italien aufgeteilt und stark italienisch geprägt. Sanfte Hügel, Weinberge, Olivenhaine, Wälder und mittelalterliche Dörfer haben ihr den Beinamen „Toskana der Adria“ eingebracht. Im Hinterland thronen Orte wie Motovun über der Landschaft. Wegen fehlender Stellplätze für Wohnmobile mussten wir diesen Teil allerdings auslassen.

Von der Eleganz Opatijas zu den Plitvicer Seen

Nach mehreren Stationen in Istrien ging es weiter nach Opatija, das sich deutlich vom Rest der Küste abhebt. Hier dominieren große Villen, historische Hotels, gepflegte Gärten und ein Hauch k.u.k.-Eleganz. Jahrzehntelang zählte der Ort zu den liebsten Kur- und Ferienzielen der Aristokratie der Habsburgermonarchie, die seine Bäder und das milde Klima schätzte.

Der Lungomare, eine etwa zehn Kilometer lange Uferpromenade, führt zwischen Villen, kleinen Buchten und klarem Wasser an der Küste entlang. Am schönsten ist es, ohne Eile zu schlendern, an versteckten Stellen anzuhalten und ins Meer zu springen. Ein Abstecher nach Volosko, einem ehemaligen Fischerdorf mit viel Charme, lohnt sich ebenfalls.

Der Fischereihafen von Volosko
Der Fischereihafen von Volosko David del Valle

Von Opatija aus kann man auf der Küstenstraße weiter südwärts unterhalb des Velebit-Gebirges fahren – einer der spektakulärsten Abschnitte der Reise. Wir entschieden uns jedoch für die Autobahn bis nach Nin nahe Zadar. Dort verändert sich die Landschaft erneut.

Die kleine Altstadt von Nin liegt auf einer winzigen Insel inmitten von Lagunen. Der Ort bewahrt einige der ältesten Zeugnisse der kroatischen Geschichte. Eines der wichtigsten Symbole ist die Kirche des heiligen Kreuzes aus dem neunten Jahrhundert, die traditionell als kleinste Kathedrale der Welt gilt. Nin ist außerdem bekannt für seine Sandstrände, Heilschlamm und Salinen.

In Zadar ist es für Wohnmobile schwieriger, einen Parkplatz zu finden, doch der Besuch lohnt sich. Zwischen römischen und mittelalterlichen Relikten liegen an der Uferpromenade zwei besondere Attraktionen: die Meeresorgel, die die Bewegung der Wellen über im Stein verborgene Röhren in Töne verwandelt, und der Gruß an die Sonne, ein Kreis aus Solarpaneelen, der bei Einbruch der Dunkelheit zu leuchten beginnt.

Der Sonnenuntergang ist Zadars Markenzeichen. Alfred Hitchcock soll ihn einst als den schönsten der Welt bezeichnet haben – ein Satz, der heute fest zur touristischen Erzählung der Stadt gehört. Von hier aus verlassen wir für einen Tag das Blau der Adria und tauchen ein in das Grün des Nationalparks Plitvicer Seen. Seine 16 Seen liegen in verschiedenen Höhenstufen und sind durch Bäche und Wasserfälle miteinander verbunden – eine der beeindruckendsten Naturlandschaften Kroatiens. Der Park gehört zum UNESCO-Welterbe und bildet einen starken Kontrast zur Küste.

Blick auf den Nationalpark Plitvicer Seen, fernab der Küste
Blick auf den Nationalpark Plitvicer Seen, fernab der Küste David del Valle

Besucher bewegen sich auf Holzstegen und Wanderwegen; auf einigen Routen kommen zudem Elektroboote und Parkbusse zum Einsatz. Der große Wasserfall Veliki Slap ist mit rund 78 Metern der höchste des Landes. Das türkisfarbene Wasser und die Wärme laden zwar zum Baden ein, doch das Schwimmen in den Seen ist streng verboten.

Šibenik, Trogir und das Herz Dalmatiens

Zurück an der Küste erreichen wir Šibenik, eine Stadt aus weißem Stein mit Gassen, Treppen und kleinen Plätzen. Die vollständig aus Stein errichtete Jakobskathedrale gehört zum UNESCO-Welterbe. Auffällig ist ein Fries mit 71 unterschiedlichen menschlichen Köpfen. Rund 50 Kilometer weiter liegt Trogir, eine kleine Inselstadt, die wie Dalmatien im Miniaturformat wirkt.

Am besten lässt man sich zuerst durch die engen Steingassen treiben und fährt dann weiter nach Split, dem urbanen Herz der Region. Split wuchs rund um den gewaltigen Palast des Kaisers Diokletian, der vor mehr als 1.700 Jahren entstand. Heute bilden seine Mauern, Gänge und Räume eine lebendige Altstadt, in der Wohnungen, Läden, Restaurants und Cafés dicht beieinander liegen.

Der Hafen ist zugleich eines der wichtigsten Tore zu den Inseln der Adria. Von hier legen Fähren und Katamarane nach Brač, Hvar, Šolta oder Vis ab. In der Hochsaison herrscht hektischer Andrang, und die Ticketpreise können deutlich steigen. Kroatien verfügt über mehr als 1.200 Inseln, doch nur etwa 60 sind bewohnt. Auf unserer Route standen Korčula, Lopud und Lokrum auf dem Programm; Lokrum liegt direkt vor der Altstadt von Dubrovnik und ist für seinen kleinen Salzwassersee bekannt, der den Namen Totes Meer trägt.

Makarska-Riviera und Halbinsel Pelješac

Hinter Split nähert sich die Straße wieder der Adria, und einer der schönsten Abschnitte der Reise beginnt: die Makarska-Riviera. Auf der einen Seite liegt das Meer, auf der anderen ragen die steilen Biokovo-Berge auf. Küste und Gebirge liegen dicht beieinander, und die vielen Kurven eröffnen immer neue Panoramablicke auf dem Weg nach Dubrovnik. Kurz vor der Stadt biegen wir auf die Halbinsel Pelješac ab.

Ston ist eine der großen Überraschungen: ein kleiner Ort, den eine Wehrmauer den Berg hinauf schützt – einer der beeindruckendsten Verteidigungsringe Europas. Die Bucht von Mali Ston ist für ihre Austern bekannt. Sie frisch geöffnet, roh und nur mit ein paar Tropfen Zitrone zu probieren, gehört zu den kulinarischen Pflichtprogrammen der Region.

Nach einem Stopp am Strand von Prapratno fahren wir weiter nach Orebić und setzen mit der Fähre auf die Insel Korčula über. Die Altstadt ist wie eine Fischgräte angelegt. So konnte die Luft besser zirkulieren und die Gassen waren vor Wind geschützt. Korčula beansprucht, der Geburtsort Marco Polos zu sein, und seine Figur ist überall präsent. Mauern, Türme und Steinhäuser erinnern an die Jahrhunderte unter venezianischem Einfluss.

Bevor wir Pelješac verlassen, wartet mit Žuljana noch ein ruhigerer Höhepunkt: glasklares Wasser, Berge und Buchten mit mediterraner Stimmung. Ein praktischer Tipp für den Strand: Kroatische Strände bestehen meist aus Kies. Wie die Einheimischen sollte man daher eine Matte oder Luftmatratze mitnehmen – und Badeschuhe nicht vergessen.

Dubrovnik, der große Abschluss

Auf der letzten Etappe nach Dubrovnik wechselt Kroatien noch einmal die Rolle – von der entspannten Küste zum wichtigsten touristischen Hotspot des Landes. Nach einer letzten Kurve liegt die mächtige Stadtmauer vor uns, eines der markantesten Bilder der Adria.

Das beeindruckende Dubrovnik, nach dem Balkankrieg zu einem der meistbesuchten Reiseziele Europas geworden
Das beeindruckende Dubrovnik, nach dem Balkankrieg zu einem der meistbesuchten Reiseziele Europas geworden David del Valle

In der Hochsaison drängen sich Tausende Besucher über die Hauptstraße Stradun und fotografieren jede Ecke. Stadtmauern, Kathedrale und Gassen der Altstadt lassen sich an einem Tag erkunden. Angenehmer sind jedoch drei Tage: So bleibt Zeit für einen ruhigeren Rundgang und einen Ausflug auf eine der Inseln. Besonders stimmungsvoll präsentiert sich Dubrovnik bei Sonnenuntergang, wenn viele Tagestouristen schon wieder unterwegs sind.

Von Rovinj bis Dubrovnik zeigt Kroatien viele Gesichter. Istrien steht für das italienische Erbe, Dalmatien für seine Steinstädte und Inseln, Plitvice für Wälder und Wasserfälle. Dubrovnik bildet die große historische Bühne am Meer. Diese Vielfalt auf vergleichsweise kurzer Küstenlinie erklärt, warum Kroatien heute mit den großen Urlaubsländern Europas konkurriert und weit mehr bietet als Sonne und Strand.

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