In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Touristen in dem Balkanstaat verdoppelt; sie locken vor allem Geschichte, Traumstrände und spektakuläre Wanderwege.
Die Tourismusgeschichte Albaniens ist einzigartig. Unter der Herrschaft des Diktators Enver Hoxha war das Land über Jahrzehnte von der Außenwelt abgeschottet. Erst nach seinem Tod und dem Ende des Kommunismus kamen langsam die ersten ausländischen Besucher.
Heute verzeichnet das Land einen regelrechten Besucherboom. Im Jahr 2025 kamen laut UN Tourism (Quelle auf Englisch) 11,9 Millionen Reisende, das sind 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr und 93,6 Prozent mehr als 2019.
Für diesen Aufschwung gibt es nicht einen einzigen Auslöser. Die vielen Reiseberichte, die den Balkanstaat – auch Euronews Travel – als „Malediven Europas“ feiern, dürften ihren Anteil daran haben.
Wir werfen einen Blick auf den Boom – und darauf, wohin sich Ihre nächste Reise lohnen könnte.
Albanien: Vom Geheimtipp zum Ferien-Hotspot
Reisende suchen ständig nach dem nächsten „verborgenen Schatz“. Sobald ein Ort sehr gefragt ist, beginnt die Suche nach alternativen Zielen abseits der Massen.
Vor rund einem Jahrzehnt rückte Kroatien, vor allem Dubrovnik, durch „Game of Thrones“ ins Rampenlicht. Danach wollten viele Urlauber ruhigere Orte an der dalmatinischen Küste entdecken und landeten in Montenegro. Inzwischen zieht es sie noch weiter nach Süden: Die Albanische Riviera sammelt Lob für ihr klares Wasser und ihre moderaten Preise.
Dass man die Region relativ bequem mit dem Bus bereisen kann, lockt zusätzlich Gäste an. Viele verbinden Nordmazedonien, Kosovo und andere Ziele mit Aufenthalten in Albanien.
Für alle, die mit dem Flugzeug anreisen, spielt auch der Ausbau des Flughafens Tirana International eine Rolle. Noch wichtiger war jedoch, dass Wizz Air 2020 hier eine Basis eröffnete. Seitdem gibt es günstige Verbindungen zu Städten in ganz Europa, etwa nach Barcelona, Budapest, London, Madrid, Rom und Stockholm.
Ein weiterer Grund für Albaniens Erfolg ist die Vielfalt des Angebots – vom Geschichtsinteresse bis zum einfachen Strandurlaub.
Tirana: Hauptstadt für Geschichtsinteressierte
Albaniens Hauptstadt Tirana ist ein idealer Einstieg in die Geschichte des Landes und seine rasante Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.
Beginnen Sie mit einem Besuch des Skanderbeg-Platzes. Dort steht die Statue des Nationalhelden, der im 15. Jahrhundert den Widerstand gegen die Osmanen anführte.
Das Nationale Historische Museum bleibt zwar bis 2028 geschlossen. Die große Mosaikfassade erzählt jedoch weiterhin vom früheren Albanien. Zu sehen sind unter anderem ein illyrischer Krieger, ein Kämpfer der albanischen Nationalen Wiedergeburtsbewegung, eine Darstellung der „Mutter Albanien“ und ein kommunistischer Arbeiter.
Die Geschichte Albaniens in der kommunistischen Ära ist besonders spannend. Ein Besuch im „House of Leaves“ lohnt sich. Das Museum widmet sich der Sigurimi, dem Geheimdienst des Landes. Besucher sehen ehemalige Verhörzimmer und originale Dokumente, Tonaufnahmen und Fotos aus dieser Zeit.
Brutalistische Architektur ist nicht das einzige Erbe Hoxhas. Überall im Land stehen Bunker – 5,7 pro Quadratkilometer. Die meisten verfallen. Doch nahe dem Skanderbeg-Platz können Sie Bunk’art 2 besuchen. Die Ausstellung zeigt das Leben unter der ständigen Angst vor der Geheimpolizei.
Bunk’art 1, die größere Anlage, liegt am Stadtrand von Tirana. Sie beleuchtet verschiedene Epochen von den 1930er-Jahren bis 1990. Wer mit der Dajti-Bergseilbahn fahren möchte, findet den Eingang nur wenige Schritte von der Talstation entfernt.
Für Souvenirs und lokale Küche empfiehlt sich ein Abstecher zur Burg von Tirana, auch Festung des Justinian genannt. In dem historischen Gemäuer sind heute unabhängige Restaurants, Cafés und kleine Läden untergebracht.
Tirana gilt im Vergleich zu Nachbarländern als günstiges Ziel für einen Städtetrip und hat sich eine lebendige Ausgehszene erarbeitet.
Ein guter Ausgangspunkt ist das Viertel Blokku. Cocktailfans sollten die Bar Hemingway mit Live-Jazz und Rumdrinks ausprobieren oder die Radio Bar. Für Bier hat mir Ruka's Bar 1991 besonders gefallen.
Egal wohin Sie ausgehen: Probieren Sie unbedingt einmal Raki.
Shkodër: Entspannung am See
Der größte See Südeuropas gehört sowohl zu Albanien als auch zu Montenegro.
Auf albanischer Seite heißt er Shkodër-See, auf montenegrinischer Skadar-See. In der Stadt selbst können Sie zu Fuß bummeln und die Burg Rozafa besuchen. Am schönsten ist es jedoch, ein Fahrrad zu mieten und am Wasser entlangzufahren.
Shkodër ist der richtige Ort, um das Tempo herauszunehmen und einfach wenig zu tun. Ich übernachtete im Hotel Tradita, einem Boutique-Haus in einem Gebäude aus dem Jahr 1694, das einst dem Dichter Filip Shiroka gehörte.
Auch wenn Sie dort nicht wohnen, sollten Sie zumindest im Restaurant einkehren. Es serviert traditionelle Küche, Wein und Raki und bietet häufig Live-Musik aus Albanien.
Beliebte Tagesausflüge von Shkodër aus führen zum Fluss Shala und zum Koman-See. Viele Touren in die Albanischen Alpen starten ebenfalls hier.
Albanische Alpen: Paradies für Naturfans
Der Valbona-Pass zählt zu den bekanntesten Wanderrouten in den Albanischen Alpen. Unsere Autorin Rebecca Ann Hughes hat den Weg erkundet und ihre Eindrücke hier ausführlich beschrieben.
In der Kurzfassung: Der Weg zwischen Valbona und Theth ist zwölf Kilometer lang und dauert je nach Tempo etwa sieben bis zehn Stunden. Unterwegs erwarten Sie unberührte Landschaften, dramatische Gipfel und blumenreiche Bergwiesen.
Albanische Riviera: Sonne, Strand und Meer
Am meisten von sich reden macht derzeit die Albanische Riviera, oft als „Malediven Europas“ bezeichnet. Kristallklares Wasser und weiche Sandstrände prägen die Küste.
Besonders stark wächst der Besucherstrom in Vlorë, der drittgrößten Stadt des Landes. Entlang der Küste gehören außerdem Dhërmi, Sarandë und Ksamil zu den gefragten Ferienorten.
Mit dem Tourismusboom fließen auch Investitionen in die Infrastruktur. An der Küste sind mittlerweile mehrere Fünf-Sterne-Hotels entstanden, darunter das Green Coast Hotel - MGallery Collection, eröffnet im Juni vergangenen Jahres, das Crowne Plaza Durres by IHG, das Anfang dieses Jahres startete, und das Miamar Luxury Hotel & Spa.
Anreise nach Albanien
Direktflüge zum Flughafen Tirana International gibt es von großen Drehkreuzen in Europa, etwa aus London, Frankfurt, Amsterdam und Istanbul. Viele dieser Verbindungen werden jedoch nur saisonal angeboten.
Alternativ fahren Fernbusse nach Tirana, zum Beispiel aus Skopje und Ohrid in Nordmazedonien, aus Podgorica und Budva in Montenegro oder aus Prishtina und Prizren im Kosovo.