Der sinkende Eindruck von Sicherheit in mehreren Golfstaaten und erste Stornierungen könnten dazu führen, dass sich ein Teil der touristischen Nachfrage auf europäische Ziele wie Spanien verlagert.
Der Krieg im Nahen Osten beginnt bereits, den internationalen Reiseverkehr zu verändern. Die eskalierenden Spannungen führten zur vorübergehenden Schließung von zwei der wichtigsten Luftverkehrsdrehkreuze der Region. Für Fluggesellschaften und Reisende hat das Folgen. Es kam zu Annullierungen und Umleitungen, zudem wächst die Unsicherheit.
Die Auswirkungen könnten aber über den Luftverkehr hinausgehen. Mit zunehmenden Spannungen überdenken erste Touristen ihre Reisepläne. Das könnte die internationalen Tourismusströme verschieben.
Sicherheit wird zum Buchungsfaktor
Ein Bericht des Tourismusberatungsunternehmens Mabrian sieht bereits eine deutliche Verschlechterung des Sicherheitsempfindens in mehreren Reisezielen im Nahen Osten. Zudem gebe es erste Anzeichen, dass sich die Nachfrage verlagert.
Die Analyse stützt sich auf Daten zur Stimmung von Reisenden und zum Nachfrageverhalten in wichtigen Auslandsmärkten. Genannt werden die USA, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich und Italien. Mabrian sieht einen Rückgang des Vertrauens in mehreren Golfdestinationen. Das könnte wiederum Chancen für andere Tourismusmärkte eröffnen.
Laut Studie hat sich der Trend durch die wachsenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran verstärkt. Besonders stark seien die Werte in Bahrain, Oman und Katar gefallen. Der Security Perception Index (PSI) misst, wie Reisende die Stabilität eines Reiseziels bewerten. In Bahrain sank der Indikator demnach um 81 Punkte auf 9,6 von 100. In Oman ging er um 56,7 Punkte auf 24,8 zurück. In Katar fiel er um 54,9 Punkte auf 18,4.
Andere Ziele am Golf zeigten sich laut Bericht robuster. Die Vereinigten Arabischen Emirate verloren 48,3 Punkte und lagen zuletzt bei 51,9. Saudi-Arabien fiel um 13,6 Punkte auf 85,3. Mabrian warnt jedoch: Auch moderate Rückgänge könnten die internationale Nachfrage belasten. Sicherheit bleibe einer der wichtigsten Faktoren bei der Wahl des Reiseziels.
Spanien als möglicher Nutznießer
In diesem Umfeld könnte Spanien zu den Reisezielen gehören, die von einer möglichen Verlagerung profitieren. Mabrian sieht erste Hinweise, dass ein Teil der Nahost-Nachfrage auf europäische Ziele umgelenkt werden könnte. Genannt werden Spanien, Italien und Griechenland, die als sicherer und etabliert gelten.
Einige Reiseveranstalter rechnen bereits mit einer solchen Verschiebung. Nach Angaben der Zeitung El País steigt die Zahl der Stornierungsanfragen für konfliktnahe Ziele. Genannt werden Ägypten, Jordanien und Dubai. Ein Teil dieser Nachfrage könnte demnach nach Europa abwandern.
Erinnerungen an den Arabischen Frühling
Die Studie betont, dass das Interesse an Spanien in mehreren der untersuchten Quellmärkte hoch bleibt. Besonders aus den USA und aus Westeuropa könnte zusätzliche Nachfrage kommen. Diese Regionen reagieren laut Mabrian besonders sensibel auf Veränderungen in der Sicherheitswahrnehmung.
Hinzu komme ein praktischer Vorteil. Spanien verfüge über viele Flugverbindungen und ein breites touristisches Angebot. Das reiche von Städten und Kultur bis zu klassischen Strandzielen. Dadurch könne das Land leichter Reisende auffangen, die ihre Pläne für den Nahen Osten überdenken.
Es wäre nicht das erste Mal, dass geopolitische Krisen die Ströme im Mittelmeerraum verändern. Nach dem Arabischen Frühling 2011 gingen die Besucherzahlen in nordafrikanischen Zielen wie Ägypten und Tunesien zurück. Ein Teil der europäischen Nachfrage verlagerte sich damals in nördliche Mittelmeerländer. Spanien gehörte zu den Gewinnern, weil viele Reisende ihren Urlaub dorthin umleiteten.
Mabrian warnt allerdings, dass es noch zu früh für Aussagen über eine dauerhafte Trendwende sei. Bislang zeigten die Daten vor allem Veränderungen in Wahrnehmung und Reiseabsichten. Ob daraus messbare Verschiebungen bei Buchungen werden, hänge auch davon ab, wie lange der Konflikt andauert.