Zum zweiten Mal binnen weniger Tage fängt die NATO eine iranische Rakete ab, die Richtung Türkei unterwegs war. Ankara bestellt den iranischen Botschafter ein, während das Bündnis seine Abwehrbereitschaft erhöht und zugleich betont, nicht Kriegspartei zu sein.
Die NATO-Streitkräfte haben zum zweiten Mal binnen weniger als einer Woche eine iranische Rakete abgefangen. Nach Angaben aus Bündniskreisen war die Rakete in Richtung Türkei unterwegs. Hintergrund sind die US-amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran, die die Spannungen im Nahen Osten weiter verschärfen.
Am vergangenen Mittwoch fing das türkische Verteidigungsministerium nach eigenen Angaben eine iranische ballistische Rakete ab. Sie sei in der Nähe der syrischen Grenze auf den türkischen Luftraum zugesteuert.
NATO-Sprecherin Allison Hart bestätigte den Vorfall. "Die NATO ist fest entschlossen, alle Verbündeten gegen jegliche Bedrohung zu verteidigen", sagte sie.
Aus NATO-Kreisen heißt es, es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass die Türkei ein formelles Verfahren im Bündnis anstoßen will. Solche Schritte könnten Maßnahmen gegen den Iran nach sich ziehen.
Die türkische Regierung reagierte dennoch diplomatisch. Sie bestellte den iranischen Botschafter nach Ankara ein, um den Vorfall offiziell zu rügen.
Die USA unterhalten zudem eine Militärpräsenz auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik im Süden des Landes.
"Die NATO hat deutlich gemacht, dass sie über starke Abfangkapazitäten verfügt", sagte Oberst Martin O'Donnell, Sprecher des Obersten Hauptquartiers der Alliierten Mächte Europa, gegenüber Euronews. Er erklärte, der Iran nehme zwar "den US-Fußabdruck in verschiedenen Ländern ins Visier". Zugleich würden aber auch öffentliche Räume "wahllos" angegriffen.
Die NATO habe ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht und wolle sie aufrechterhalten, bis die Bedrohung abklinge. O'Donnell betonte zugleich, das Bündnis sei keine Konfliktpartei. Das gelte auch dann, wenn die USA als stärkstes Mitglied militärisch beteiligt seien.
"Der Generalsekretär hat deutlich gemacht, dass die NATO nicht Teil dieses Krieges ist, aber die NATO wird sich verteidigen", sagte O'Donnell am Montag im NATO-Hauptquartier in Brüssel.