British Airways kooperiert nun wie andere große Airlines mit Starlink, um Internet samt Sprach- und Videoanrufen an Bord zu bieten. Doch Lärm im Kabinenraum und strenge US-Regeln gegen Telefonate im Flug sorgen für Streit.
Schon einmal im Flugzeug gesessen und sich gewünscht, schnell jemanden anzurufen – nur um kurz Bescheid zu geben oder ein Update zu teilen? Oder schreckt Sie die Vorstellung von Telefonaten an Bord ab? Bei British Airways (BA) könnte genau das bald Realität werden.
Im März hob erstmals eine BA-Maschine vom Typ 787-8 nach Houston mit WLAN von Starlink ab – ein Novum für eine britische Airline. Das System liefert Download-Geschwindigkeiten von über 500 Megabit pro Sekunde und erlaubt Streaming, Scrollen (ob Doomscrolling oder nicht), Gaming und Videoanrufe.
BA sprach von einem „Meilenstein bei den Investitionen in ein neues Kundenerlebnis“. Der kostenlose Dienst soll es Passagieren ermöglichen, an Bord zu streamen, zu arbeiten und online zu bleiben.
„Dieser Meilenstein ist Teil umfassender Investitionen, mit denen wir jeden Aspekt der Reise unserer Kundinnen und Kunden aufwerten, während wir unsere Airline modernisieren“, sagte Sean Doyle, Vorstandsvorsitzender und Chief Executive von BA.
Die Technik stammt von Elon Musks Satellitennetz Starlink und gilt als weiterer Schritt in der digitalen Erneuerung der Airline. Lückenloses Internet über den Wolken klingt für viele verlockend. Doch längst nicht alle sind begeistert – vor allem die Aussicht auf Telefonate an Bord sorgt für Stirnrunzeln.
Telefonate an Bord: Streitfall?
In den kommenden zwei Jahren will BA das Hochgeschwindigkeits-WLAN in der gesamten Flotte mit mehr als 300 Flugzeugen einführen. Der Dienst soll für alle Reisenden kostenlos sein, unabhängig von der gebuchten Klasse.
Mit der besseren Verbindung wächst allerdings auch der Bedarf an Regeln. Das Oneworld-Mitglied bittet seine Gäste schon jetzt um Zurückhaltung – besonders bei Telefonaten – und mahnt: „Bitte nehmen Sie Rücksicht.“
Neben Hinweisen, beim Hören oder Anschauen von Inhalten Kopfhörer zu benutzen, verweist BA auf mögliche Konflikte durch Gespräche. „Wenn Sie telefonieren, sprechen Sie leise und nutzen Sie Kopfhörer“, heißt es in den Empfehlungen.
Im Netz loben manche den Schritt. Sophie Dickinson, stellvertretende Reise-Ressortleiterin der britischen Zeitung The Independent, erinnert jedoch daran, dass Flugzeuge früher „ein wohltuender Rückzugsort vor aufdringlichen (und einseitigen) Gesprächen“ gewesen seien.
Reiseexperte Simon Calder zitiert sie in demselben Blatt mit der Formulierung, sie „verurteile die Entscheidung“. Sie plädiere dafür, Besprechungen lieber ganz zu verschieben, um das beruhigende, allgegenwärtige ASMR-Brummen der Triebwerke in der Kabine zu bewahren.
Calder hält es zudem für möglich, dass Airlines als Reaktion auf Bordtelefonate spezielle Ruhebereiche einführen – ähnlich wie in manchen Zugabteilen.
Weltweite Airlines kontra US-Auflagen
BA reiht sich nach Air France und Qatar Airways in die Liste der Airlines ein, die mit Starlink zusammenarbeiten und Internet an Bord anbieten.
Die lettische Fluggesellschaft airBaltic führte den Dienst im Februar 2025 als erste Airline in Europa ein, später im Jahr folgten Air France und SAS.
Air France startete mit rund 30 Prozent der Flotte und will bis Ende 2026 alle Maschinen ausrüsten. Wie BA ruft auch die französische Airline zu „diskreter“ Gerätenutzung auf, um „eine ruhige Umgebung an Bord“ zu wahren.
In den USA ist die Lage etwas komplizierter.
Das Bord-WLAN von American Airlines wird zwar von AT&T gesponsert. Die Gesellschaft verbietet Telefonate an Bord jedoch ausdrücklich; alle Geräte müssen in den Flugmodus.
Das entspricht dem Verbot der US-Kommunikationsaufsicht FCC, Mobiltelefone auf bestimmten Funkfrequenzen auf Inlandsflügen zu nutzen. Laut einer Studie des US-Verkehrsministeriums (DOT) unterstützten 96 Prozent von 1.700 Befragten das Verbot von Telefonaten an Bord. Weitere zwei Prozent wären nur im Notfall für Ausnahmen.
Das Ministerium stellte zudem fest, dass viele Befragte „Air Rage“ befürchten: Streit und Aggressionen, die durch Telefonate die Stimmung an Bord belasten und etwa den Schlaf stören könnten.
Nur zwei Prozent der Teilnehmenden sprachen sich gegen das Verbot aus.
Nicht untersagt sind hingegen Gespräche über WLAN-basierte Dienste, betont das DOT (Quelle auf Englisch). Das lässt den Airlines eine Hintertür, um Telefoniefunktionen dennoch anzubieten.
„Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf klare und genaue Informationen darüber, ob eine Airline Sprachgespräche erlaubt, bevor sie ein Ticket kaufen und an Bord gehen“, erklärte der damalige US-Verkehrsminister 2016.