Die EU verschiebt zentrale Vorgaben des AI-Act für Hochrisiko-KI bis Ende 2027. Zugleich soll nach dem Fall gefälschter Nacktbilder von Giorgia Meloni ein Verbot sogenannter "Nudification-Apps" kommen.
Die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament haben am siebten Mai eine vorläufige Einigung über Änderungen am AI Act erzielt, dem wegweisenden Gesetzespaket zur Regulierung künstlicher Intelligenz, das im August 2024 in Kraft getreten ist.
Die Einigung verschiebt strenge Regeln für Hochrisiko-KI-Systeme um sechzehn Monate. Sie betreffen Biometrie, kritische Infrastruktur, die Strafverfolgung und Entscheidungen im Personalbereich. Durch die Verschiebung greifen die Vorschriften erst ab Dezember 2027. Befürworter sprechen von einer pragmatischen Entlastung für Unternehmen, die im Wettbewerb mit den USA und China stehen. Kritiker sehen dagegen einen Sieg der Tech-Giganten auf Kosten von Beschäftigten und grundlegenden Rechten.
Zugleich kommt eine neue Vorgabe hinzu: ein vollständiges Verbot sogenannter Nudification-Apps. Diese KI-Werkzeuge erzeugen ohne Einwilligung scheinbar explizite Nacktdarstellungen realer Personen. Das Verbot umfasst Bild-, Video- und Tonmaterial und schließt ausdrücklich auch KI-generiertes kinderpornografisches Material ein.
Auslöser war unter anderem der Fall von in sozialen Netzwerken kursierenden KI-generierten intimen Bildern der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Anfang Mai 2026.
Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Umsatzes geahndet werden. Das Verbot tritt am zweiten Dezember 2026 in Kraft.
Die Einigung braucht noch die formelle Bestätigung. Auch in der geänderten Fassung bleibt der AI Act das weltweit strengste KI-Gesetz.