Das Projekt soll den besonderen Charme des Inseltourismus in kleinen Dörfern bekannter machen und neue Jobs für die Bewohner schaffen.
Haben Sie Lust, auf eine Mittelmeerinsel zu ziehen, auf der Gnocchetti sardi und Spezialitäten wie Bottarga, gesalzener und getrockneter Fischrogen, zum Alltag gehören? Wenn Ihnen dabei sofort Italien und Sardinien in den Sinn kommen, sollten Sie weiterlesen.
Sardinien will der zunehmenden Entvölkerung entgegenwirken und neue Gesichter als feste Bewohnerinnen und Bewohner gewinnen, heißt es vom Regionalrat (Quelle auf Englisch). Die autonome Region will sich neu aufstellen: Fünfzehn zertifizierte Dörfer erhalten Mittel aus einem Topf von 38 Millionen Euro, geregelt in einer Vereinbarung mit dem Titel „Turismo nei borghi“ – „Tourismus in den Dörfern“.
Vom Küstenort Bosa bis zu den malerischen Gassen von Castelsardo umfasst die Liste außerdem Aggius, Atzara, Carloforte, Galtellì, Gavoi, Laconi, La Maddalena, Lollove (Nuoro), Oliena, Posada, Sadali, Sardara und Tempio Pausania. Jedes dieser Dörfer soll bis zu zweieinhalb Millionen Euro erhalten.
Die Vereinbarung, die Franco Cuccureddu, Sardiniens Regionalrat für Tourismus, Handwerk und Handel, gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der fünfzehn Dörfer unterzeichnet hat, ebnet den Weg, um die besondere Form des Dorftourismus auf der Insel bekannter zu machen. Sie soll ein entschleunigtes Leben, Wanderwege und die lokale Küche in den Mittelpunkt stellen.
„Dieses Memorandum, das 38 Millionen Euro aus dem Fondo Sviluppo e Coesione, dem Fonds für Entwicklung und Kohäsion, vorsieht und gleichmäßig auf die fünfzehn Gemeinden verteilt, ermöglicht es Sardinien endlich, voll in den Markt für Dorftourismus einzusteigen und sich dort zu positionieren. Dieser Markt wächst in Europa rasant und, ich würde sagen, weltweit“, sagte Cuccureddu.
„Zugleich unterstützt es die beiden zentralen Strategien, die die Region Sardinien verfolgt: die Dezentralisierung, die den Druck auf die Küstengebiete verringern soll – sie machen rund 70 der 377 Gemeinden der Insel aus – sowie die Entzerrung der Saison, indem ein touristisches Angebot gefördert wird, das das ganze Jahr über nutzbar ist.“
Das Projekt will zudem die Erreichbarkeit und die Gastfreundschaft verbessern und neue Arbeitsplätze schaffen.
Sardinien: Fast jedes dritte Haus steht leer
Mit einer Küste von fast zweitausend Kilometern verfügt Sardinien über etwas mehr als eine Million Wohnimmobilien. Fast ein Drittel – 319.211 Einheiten – steht leer, berichtete die Nachrichtenagentur ANSA (Quelle auf Englisch) unter Berufung auf Daten des italienischen Verbands der Kurzzeitvermietungs-Manager Aigab. Die Untersuchung ergab außerdem, dass rund dreieinhalb Prozent der Häuser auf der Insel als Kurzzeitvermietungen angeboten werden.
Je nach Lage fallen diese Werte jedoch sehr unterschiedlich aus.
In stärker urbanisierten Gebieten wie Cagliari, Olbia und Alghero sind viele Wohnungen dauerhaft bewohnt. In besonders gefragten Ferienorten wie Arzachena, La Maddalena, Palau und Santa Teresa Gallura stehen dagegen deutlich mehr Häuser leer. In beiden Kategorien liegt der Anteil der als Kurzzeitvermietung angebotenen Objekte allerdings unter dem regionalen und dem landesweiten Durchschnitt.
In Gemeinden wie San Teodoro, Budoni, Villasimius und Stintino sinken die Quoten noch weiter. Dort gibt es viele leerstehende Häuser und nur wenige Menschen mit dauerhaftem Wohnsitz.