Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Italiens verletzliche Küsten: Regierung verstärkt Schutz gegen zunehmende Erosion

Laut einem aktuellen Bericht könnte das Land bis 2050 rund 20 Prozent und bis 2100 etwa 45 Prozent seiner Strände verlieren.
Laut einem aktuellen Bericht könnte das Land bis 2050 rund 20 Prozent seiner Strände verlieren, bis 2100 sogar 45 Prozent. Copyright  George Karelitsky
Copyright George Karelitsky
Von Rebecca Ann Hughes
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Laut einem aktuellen Bericht könnte das Land bis 2050 rund 20 Prozent seiner Strände verlieren und bis 2100 sogar 45 Prozent.

Italien verfügt über mehr als 8.000 Kilometer Küste, von endlosen Sandstränden bis zu spektakulären Felsformationen.

WERBUNG
WERBUNG

Doch die Erosion dieser Naturwunder ist inzwischen zu einem akuten Umwelt-Notfall geworden.

Nach einem aktuellen Bericht könnte das Land bis 2050 rund zwanzig Prozent seiner Strände verlieren und bis 2100 etwa 45 Prozent.

Dutzende Kommunen arbeiten bereits an Gegenmaßnahmen und installieren Schutzbauten, um die Entwicklung zu bremsen. Mit der Zunahme klima­bedingter Extremwetter stellt sich jedoch die Frage, ob Italien einen kaum zu gewinnenden Kampf führt.

Italiens Küsten erodieren rasant

Bis 2050 könnte rund ein Fünftel der italienischen Strandflächen fast vollständig im Meer verschwunden sein, warnt ein Bericht aus dem Jahr 2024 (Quelle auf Englisch) der Universität La Sapienza in Rom.

Besonders betroffen wären den Berechnungen zufolge Sardinien, Kampanien, Latium und Apulien: Dort droht mehr als die Hälfte der bewirtschafteten Strände zu verschwinden.

„Steigende Temperaturen, ein höherer Meeresspiegel und häufigere Extremwetterereignisse verändern die Küstenlandschaften, vor allem in flachen Gebieten, und gefährden die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen“, schreiben die Forschenden.

„In diesem Kontext sind Sandküsten und Strände besonders verletzlich und zugleich äußerst wertvoll, denn sie sind hochkomplexe Lebensräume mit großer ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Bedeutung.“

Zugleich setzen Sturmfluten und Erdrutsche Steilküsten und Felsufer massiv zu.

Anfang dieses Jahres stürzte nach mehreren Tagen schweren Unwetters in Apulien das berühmte Felsentor „Arco degli Innamorati“, der sogenannte Liebesbogen, am Valentinstag ins Meer.

Barrieren und künstliche Riffe sollen Strände schützen

Die Zerstörung der Küsten gefährdet Ökosysteme, Freizeit und Tourismus, aber auch Siedlungen und Infrastruktur.

Gemeinden in ganz Italien mobilisieren, um ihre Küsten zu schützen.

Laut einem Bericht (Quelle auf Englisch) des staatlichen Instituts für Umweltschutz und -forschung ISPRA ist inzwischen fast ein Fünftel der italienischen Küstenlinie mit starren Schutzbauwerken versehen. Dazu zählen Buhnen - quer zum Ufer verlaufende Wälle, die den Sedimenttransport bremsen - sowie vorgelagerte, teils unter Wasser liegende Riffe, die Wellen und Sturmfluten abbremsen.

Im Februar meldete die südliche Region Apulien, sie habe erste strukturelle Maßnahmen gegen die Küstenerosion beschlossen und dafür rund 16 Millionen Euro bereitgestellt.

„Diese Entscheidung fällt in eine Phase, in der Extremwetterereignisse und heftige Sturmfluten die Fragilität der italienischen Küsten wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte rücken“, schrieb der Regionalrat in einer Pressemitteilung (Quelle auf Englisch).

Nach dem jüngsten ISPRA-Bericht zur hydrogeologischen Gefährdung hat Apulien zwischen 2006 und 2020 rund 31 Kilometer Küste verloren - einer der höchsten Werte im ganzen Land.

Zu den neuen Maßnahmen gehören unter anderem im Meer installierte Unterwasserbarrieren, die die anrollenden Wellen abbremsen und den Sedimenttransport abfangen sollen.

In der Region Emilia-Romagna ist die Küste für ihre langen, von Strandklubs und Restaurants gesäumten Sandstrände bekannt.

Nachdem Sturmfluten in den vergangenen Jahren die Erosion dort deutlich beschleunigt haben, stellen die Behörden nun 19 Millionen Euro (Quelle auf Englisch) bereit, um beschädigte Schutzmauern zu sanieren, Dünen wieder aufzubauen und versandete Strandabschnitte auszubaggern.

Experten fordern nationalen Küstenschutzplan

Schutzbauten sichern zwar einzelne Küstenabschnitte. Gleichzeitig können sie sich jedoch negativ auf angrenzende Bereiche auswirken.

ISPRA betont in seinem Bericht: „Diese Lösungen verringern die Belastung an bestimmten Punkten, zugleich unterbinden sie aber die natürliche Selbstversorgung der Strände entlang ganzer Küstenstreifen, weil sie den Sedimenttransport blockieren.“

In der Folge „verhungern“ benachbarte Strände, ihnen fehlt der Nachschub an Sand und Kies.

„Um diese Effekte auf die Küsten zu vermeiden, sind künstliche Strandaufspülungen und/oder der gezielte Aufbau von Dünen oft sinnvoller als harte Bauwerke“, heißt es in den Leitlinien der EU-Plattform Climate ADAPT (Quelle auf Englisch).

In den Marken setzt man ergänzend zu festen Bauwerken auch auf „weiche“ Maßnahmen (Quelle auf Englisch).

In der Gemeinde Sirolo wurden rund 156.000 Kubikmeter Sand und Kies zur Auffüllung eines 1.200 Meter langen Strandabschnitts in der Bucht von San Michele aufgebracht. In der Gemeinde Numana entfernten die Behörden einen nördlich des Ortes gelegenen Wellenbrecher und verteilten etwa 172.000 Kubikmeter Sand und Kies entlang eines 1.500 Meter langen Strandstreifens.

Da Meeresspiegelanstieg und Extremereignisse wie der Zyklon Harry zunehmend zum „neuen Normalzustand“ werden, drängen Fachleute auf einen umfassenderen Ansatz beim Schutz der italienischen Küsten.

„Entscheidend ist jetzt, die bereits bestehenden Bauwerke und die von den Eingriffen betroffenen Küstenabschnitte systematisch in künftige Analysen einzubeziehen“, heißt es im ISPRA-Bericht. „Nur so lassen sich wirksamere Instrumente wie eine abgestimmte Planung und lokale Maßnahmen, allen voran Strandaufspülungen, entwickeln.“

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Oktopusse paaren sich im Dunkeln – dank "riechendem" Arm

Verwandlung in Leben: Dein toter Körper wird durch Terramation zu fruchtbarer Erde

Bis zu ein Jahr Haft und 20.000 Euro Strafe: Seeigel-Schmuggel in Griechenland boomt