Viele Schutzgebiete begrenzen inzwischen den Autoverkehr und haben eigene Zufahrtsregeln eingeführt.
Europa ist reich an Naturwundern – von Nationalparks bis zu UNESCO-Biosphärenreservaten.
Viele liegen abgelegen. Oft gilt das Auto als einziges Verkehrsmittel, um dorthin zu kommen.
Tatsächlich führen zu vielen Schutzgebieten Bahnstrecken. Wer den Zug nimmt, reist entspannt und schont zugleich die Umwelt.
Zudem beschränken zahlreiche geschützte Landschaften inzwischen den Autoverkehr – etwa mit Zufahrtsbeschränkungen oder Reservierungssystemen für Parkplätze. So wollen sie empfindliche Ökosysteme schützen und Besucherströme besser lenken.
„In solchen Zielen ist die Bahn kein bloßes alternatives Verkehrsmittel. Sie wird zum wichtigsten Zugang und unterstützt langfristigen Naturschutz“, sagt die Ticketplattform Rail Europe (Quelle auf Englisch).
Diese vier Nationalparks lassen sich bequem mit dem Zug erreichen.
Frankreichs Nationalpark Calanques: Buchten und Klippen entdecken
Der Nationalpark Calanques liegt an der südlichen Mittelmeerküste im Département Bouches-du-Rhône. Das Schutzgebiet umfasst Land- und Meeresflächen und ist berühmt für schroffe Kalksteinfelsen, felsige Buchten und kristallklares Wasser. Es gilt als Top-Ziel für Wanderungen, Bootstouren und Tauchgänge.
Er gehört zu den meistbesuchten Nationalparks Frankreichs. Nach Angaben der Tourismusbehörde in Marseille kommen pro Jahr bis zu drei Millionen Menschen.
Um den Andrang des Overtourism zu begrenzen, gelten in einigen Bereichen Fahrzeugquoten und Reservierungssysteme für Parkplätze. Zugleich soll der Zugang mit dem Auto unattraktiver werden.
Vor allem im Sommer, wenn der Park am vollsten ist, sorgt die Anreise mit dem Zug für deutlich weniger Stress.
Die östlichen Calanques erreicht man vom Bahnhof Cassis aus. Am nächsten liegt Port-Miou. Zu Fuß braucht man rund dreißig Minuten – ein besonders aussichtsreicher Weg, der vor allem außerhalb der größten Sommerhitze als Teil des Erlebnisses gilt.
Vom Bahnhof Cassis bestehen direkte oder einfache Umsteigeverbindungen nach Paris, Lyon, Nizza und in viele Orte in Südfrankreich. Zudem fahren häufig Regionalzüge nach Marseille-Saint-Charles, dem wichtigsten Hochgeschwindigkeitsknoten der Umgebung.
Alpines Paradies im Nationalpark Hohe Tauern finden
Österreichs größter Nationalpark umfasst eine hochalpine Landschaft mit Gletschern, Wasserfällen, Blumenwiesen und Gipfeln über 3.000 Metern.
Die Straßeninfrastruktur bleibt bewusst begrenzt. Die Zugänge verteilen sich auf drei Bundesländer. Damit wird die Bahn zu einem der einfachsten und direktesten Wege in den Park.
Entlang wichtiger Alpenbahnstrecken dienen drei Bahnhöfe als natürliche Eingangstore in dieses Schutzgebiet.
Der Bahnhof Mallnitz-Obervellach in Kärnten liegt rund fünfzehn Gehminuten vom BIOS Nationalparkzentrum entfernt und bietet direkten Zugang zum Mallnitztal. Er befindet sich an einer wichtigen Nord-Süd-Achse mit Direktverbindungen nach Salzburg, München, Frankfurt, Köln und Wien. Ab Mitte Juni verkehren tagsüber auch direkte Züge aus Zagreb und Ljubljana.
Vom Bahnhof Zell am See im SalzburgerLand fährt der Bus in etwa zwanzig bis dreißig Minuten bis an die Parkgrenze. Die Bahnverbindungen nach Salzburg, München, Innsbruck und Wien sind eng getaktet.
Lienz in Osttirol liegt unmittelbar südlich des Nationalparks. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man das Schutzgebiet in zehn bis zwanzig Minuten. Der Bahnhof ist über Regional- und grenzüberschreitende Verbindungen an Salzburg und Norditalien angebunden.
Sandsteinlandschaften im Nationalpark Sächsische Schweiz erwandern
Der Nationalpark Sächsische Schweiz liegt im Herzen des Elbsandsteingebirges und zieht jährlich mehr als 1,7 Millionen Besuchende an. Um die markanten Sandsteinformationen und empfindlichen Lebensräume zu schützen, ist der Autoverkehr in mehreren Bereichen eingeschränkt.
Der Bahnhof Bad Schandau, auch als „Nationalparkbahnhof“ bekannt, bietet direkten Zugang zu den Naturattraktionen, darunter mehrere Wanderwege, die in kurzer Gehentfernung beginnen.
Von hier fahren Züge in mehrere deutsche Großstädte, darunter Hamburg, Berlin und Dresden, sowie über die Grenze nach Prag.
Mit dem Bernina Express durchs alpine Wunderland
Wer lieber im Zug sitzen bleibt und die Naturkulisse durchs Fenster genießt, steigt in den Bernina Express, der die Schweiz mit Italien verbindet.
Die Strecke folgt der zum UNESCO-Welterbe gehörenden Rhätischen Bahn. Für die Fahrt zwischen St. Moritz und Tirano braucht der Zug rund zweieinhalb Stunden. Sie führt durch ein alpines Wunderland: im Winter an zugefrorenen Seen vorbei, im Sommer durch saftig-grüne Wiesen und im Herbst durch goldene Lärchenwälder.
Der Zug überquert den Berninapass auf 2.253 Metern Höhe. Von dort eröffnen sich weite Blicke auf den Lago Bianco und die umliegenden Gletscher.