Die Malediven wollen bis zu 100 elektrische Tragflügelboote einführen, um die Überfahrten zwischen den Inseln ruhiger, schneller und klimafreundlicher zu machen.
Die Fahrt vom Flughafen zu einem privaten Inselresort auf den Malediven könnte bald deutlich reibungsloser und klimafreundlicher werden. Geplant ist, bis zu 100 elektrische Tragflügelboote im gesamten Archipel einzusetzen.
Das US-Unternehmen für Meerestechnologie Navier und das in Dubai ansässige Investmenthaus JIH Global Investment haben eine Partnerschaft im Umfang von 100 Millionen US-Dollar (87 Millionen Euro) bestätigt, um das Navier Network aufzubauen – einen „softwaregesteuerten, nachhaltigen Seekorridor“, der Flughäfen, Resorts, Privatvillen und lokale Inseln verbinden soll.
Für Reisende soll das Projekt einen Kernbestandteil des Maledivenurlaubs modernisieren. Statt auf ein Flickwerk aus Schnellbooten und Fähren angewiesen zu sein, sollen Gäste künftig eine Flotte hochwertiger Tragflügel-Wassertaxis nutzen können, die schneller, leiser und komfortabler unterwegs sind.
Die Einführung beginnt noch in diesem Jahr mit fünf Booten des Typs Navier N30. In den folgenden drei Jahren sollen bis zu 95 weitere Boote hinzukommen.
„Die Malediven sind einer der wichtigsten Märkte für maritime Personenbeförderung weltweit“, sagte Sampriti Bhattacharyya, Gründerin und CEO von Navier. „Fast jeder Gast, jede Arbeitskraft, jedes Resort und jede Insel ist auf Boote oder Wasserflugzeuge angewiesen.
„Damit sind die Malediven der ideale Ort, um zu zeigen, dass maritime Mobilität sauberer, leiser, standardisiert, softwaregesteuert und für Gäste deutlich angenehmer sein kann. Wir bringen nicht einfach nur Boote aufs Wasser. Wir schaffen das erste nachhaltige Luxusverkehrsnetz auf dem Meer.“
Mohamed Ali Janah, Vorstandsvorsitzender von JIH Global Investment, ergänzte: „Die Malediven haben im Luxustourismus schon immer eine Vorreiterrolle gespielt. Zugleich stehen wir als Inselnation an der vordersten Front der Klimakrise und haben die Chance, mitzugestalten, wie die Zukunft des Wasserverkehrs aussieht.
„Mit Navier sehen wir das Potenzial, nicht nur ein saubereres, nahtloses Netz zu schaffen, das Flughäfen, Resorts, Villen und Inseln verbindet. Wir wollen auch eine skalierbare Blaupause für nachhaltigen Schiffsverkehr entwickeln, die über die Malediven hinaus Inselstaaten und Küstenstädte weltweit nutzen können.“
Deutliche Auswirkungen auf den Tourismus
Im Unterschied zu herkömmlichen Schnellbooten nutzen die Schiffe die Tragflügel-Technologie: Unterwasserflügel heben den Rumpf aus dem Wasser, sobald das Boot Fahrt aufnimmt. Dadurch verringert sich der Widerstand, und die Boote gleiten mit weniger Lärm, weniger Vibrationen und einer kleineren Heckwelle über die Wasseroberfläche.
Passagiere können mit klimatisierten Kabinen, Lounge-Sitzen und Starlink-Internet an Bord rechnen. Die Boote fahren rein elektrisch bis zu 75 Seemeilen weit; im Hybridmodus erhöht sich die Reichweite auf 150 Seemeilen.
Diese Verbesserungen könnten den Tourismus deutlich verändern. Die Malediven empfingen 2025 mehr als 2,2 Millionen Besucherinnen und Besucher. Fast alle internationalen Gäste sind auf Boote oder Wasserflugzeuge angewiesen, um ihre Unterkünfte zu erreichen.
Rund 3.000 benzin- oder dieselbetriebene Boote sind derzeit in dem Inselstaat im Einsatz. Der Seeverkehr prägt damit nicht nur das Urlaubserlebnis, sondern auch den CO₂-Fußabdruck des Landes.
Das neue Netz soll Transfers nicht nur reibungsloser machen. Es soll den Malediven auch helfen, ihrem Ziel näherzukommen, bis 2030 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Nach Angaben von Navier verbrauchen die Tragflügelboote deutlich weniger Energie als herkömmliche Schiffe und verursachen zugleich geringere Emissionen, weniger Lärm und weniger Kraftstoffdämpfe.